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Kultur Regional Yes! Melissa Etheridge im Haus Auensee
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13:36 08.03.2019
Kleines Mädchen aus Kansas, große Rockmusikerin: Melissa Etheridge im Haus Auensee. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Liebe ist niemals falsch!“ Mit diesem Statement hat Melissa Etheridge am Donnerstag im Haus Auensee unter euphorischem Applaus ihr Schaffen zusammengefasst. Im gesamten Rock und Pop, gesteht sie, geht es eigentlich immer um Liebe, und das ist auch gut so. Sie liebt Musik und vor allem liebt sie es, verliebt zu sein. Und weil es ihr eine Herzensangelegenheit ist, jeden so lieben zu lassen, wie er es eben fühlt, gehören ihre Liebe und ihre Musik seit langem untrennbar zusammen.

Bevor im April ihr neues, 15. Studioalbum erscheint, schaut die US-amerikanische Singer-Songwriterin und Country-Blues-Rock-Röhre noch einmal zurück: „Wir feiern ‚Yes I Am!’“ Sie meint mit dem Tourmotto nicht nur ihr vor 25 Jahren erschienenes gleichnamiges bahnbrechendes viertes Album. Ja, ich bin!, sagte sie im gleichen Jahr selbstbewusst und outete sich als lesbisch. Seither engagiert sie sich für die Rechte homosexueller Menschen und ist bekennende Frauenrechtlerin, denn die Realität hat hier längst nicht die formelle Selbstverständlichkeit westlicher Gesetzbücher erreicht.

Yes!, sagt sie außerdem lebensfroh, denn seit nunmehr 15 Jahren ist sie vom Krebs geheilt, auch hier engagiert sie sich karitativ. So sehr sie immer wieder Persönliches zum Anlass aufrichtiger, lebenbejahender Haltung nutzt, geht es im Leipziger Konzert doch in erster Linie um ihre Musik. „Schön, zurück zu sein!“, freut sie sich mit Rührungsgriff ans Herz angesichts des euphorischen Empfangs, überhaupt scheint sie die Tour in Europa aktuell sehr zu genießen.

Ein halber Gitarrenladen

Die schmucklose, nur mit den nötigen Instrumenten für die vierköpfige Band ausgestattete Bühne und der Verzicht auf jede Art von Show zeugen von unprätentiösem Understatement, ebenso Etheridges Einwurf, sie sei „doch nur ein kleines Mädchen aus Kansas, das für euch spielt.“ Aber so wie es der schüchternen Dorothy gelingt, das magische Land Oz umzukrempeln, zeigt auch die nur 1,57 Meter kleine Frau schnell, dass sie doch zu den großen US-amerikanischen Songwriterinnen gehört, nicht nur, weil ihr Überhit „Like The Way I Do“ auf keiner Ü30-Tanzfläche zu später Stunde fehlen darf. Den gibt es natürlich als Zugabe, doch vorher geht sie zwei Stunden deutlich tiefer als nur auf Hit-Kurs.

Während ihre Texte um Liebe und ihre Ab- und Umwege auch hervorragend in einsamen Rotweinstunden funktionieren, sind viele ihrer Riffs und vor allem ausladend in den Saal hallenden Gitarrensoli wie für die große Bühne unterm Stuckbogen gemacht. Mit nahezu liedweise wechselnden Modellen spielt sie dabei einen halben Gitarren-Shop durch.

Tausendfacher Chor

Immer wieder verschneidet Etheridge elegant ihre Songs, indem sie im Beat-Ausklang des einen erzählerisch überleitet und dabei schon mal das nächste Riff anstimmt. Ihre markante Stimme reicht von der coolen Melancholie Patty Smiths über den Gänsehaut-Soul Marla Glenns bis zur Rockröhre Bonnie Tylers, wenn nicht gar Janis Joplins. Das durchweg textsichere Publikum bildet dazu einen tausendfachen Chor.

Dem Eröffnungssong „No Souvenirs“ trotzend ist das Konzert doch eher ein Andenken, ein Best-of mit Fokus auf die prägenden 80er, mehr noch 90er, obwohl ihre Musik sich sehr erwachsen den infantilen Kitsch beider Dekaden spart. Ein Souvenir nimmt sie sich auch selbst mit: Per Selfie-Stick schwenkt sie übers Publikum. Den dafür einsetzenden Jubel begleitet sie mit ohrenbreitem Grinsen und einem zufriedenen Yes!

Von Karsten Kriesel

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