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Kultur Regional Zurück mit Schwung: Rudolf Horn zeigt Neuauflagen seiner Möbel im Grassi
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19:51 17.09.2019
Designer Rudolf Horn mit Neuentwürfen seiner Möbel im Grassimuseum für Angewandte Kunst in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Sie sollen sich reinfallen lassen.“ Rudolf Horn, inzwischen 90 Jahre alt und immer noch so dynamisch wie seine Kreationen, machte es vor bei der Pressekonferenz am Dienstag im Leipziger Grassimuseum für Angewandte Kunst. „Ich kann auch wieder aufstehen“, lächelt er und erhebt sich mit der Leichtigkeit eines Jugendlichen aus dem Schwingsessel. Bis zum 29. September ist eine Auswahl seiner Möbel in der Pfeilerhalle zu sehen – und auszuprobieren, wie Direktor Olaf Thormann betont.

Alles schwingt, alles passt: Der Leipziger Designer Rudolf Horn zeigt Neuentwürfe seiner Möbel im Grassimuseum – und wir Bilder seiner kleinen Ausstellung in der Pfeilerhalle.

Der Leipziger Rudolf Horn, berühmt geworden durch sein in den Deutschen Werkstätten Hellerau produziertes MDW-Baukastensystem, ist im Moment so etwas wie der Designer der Stunde. Im Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz ist bis 3. November ein Überblick seines Schaffens zu sehen, am Dienstag berichtete die 15 Uhr-„Tagesschau“ über das „Designgenie“ aus dem Osten und seine kleine Schau im Grassi. Mit ihr schließen sich gleich mehrere Kreise.

Entwürfe mit Kohle auf Backpapier

Einer davon hat mit einer Geschichte zu tun, die zu schön ist, um sie nicht immer mal wieder zu erzählen. 1965 macht Horn bei einem Besuch im Grassi etwas, das man „normalerweise im Museum nicht darf“, wie Direktor Olaf Thormann scherzhaft anmahnt: Als er sich unbeobachtet wähnt, setzt er sich auf den berühmten Barcelona Chair, den Mies van der Rohe für den deutschen Pavillon der Weltausstellung 1929 entworfen hatte – in dem Jahr, in dem Rudolf Horn in Waldheim geboren wurde. Doch der von ihm verehrte Stuhl leistet Widerstand, schwingt nicht flüssig. „Zu Hause habe ich mit Kohle auf Backpapier Entwürfe gezeichnet“, erzählt er.

Wichtig sei es gewesen, herauszufinden, wie man Stahl so biegt, dass er seine Dynamik entfalten, unterschiedliches Gewicht aufnehmen könne. Noch im gleichen Jahr wird sein Clubsessel als deutlich bequemeres Pendant zum Barcelona Chair in kleiner Auflage in Potsdam produziert und auch in den Westen exportiert. Zwei besitzt heute das Grassi, einer davon ist derzeit in Dresden.

Zeitlos, elegant, komplett in Deutschland produziert

Nun erlebt der Sessel eine überarbeitete, in einigen Details optimierte Neuauflage als Teil einer ganzen Produktpalette. Zum Clubsessel ist ein Zweisitzer und ein entsprechend breiter Fußhocker gekommen, außerdem eine „Dynamische Liege“. Zeitlos und elegant sind sie alle, diese komplett in Deutschland hergestellten Meisterstücke aus hochglänzend verchromtem Flachstahl und feinem Rindsleder. Produziert werden sie im Auftrag der Deutschen Werkstätten in Dresden, die im Leipziger Thomaskirchhof ein Geschäft haben.

Auch hier schließt sich ein Kreis. „Jedes ist ein Einzelstück, in Handarbeit in Braunschweiger Manufakturen produziert“, sagt Geschäftsführer Ronny Kretschmer. Diese Qualität habe ihren Preis. Der Sessel koste 4650, der dazu passenden Fußhocker 2650, die Liege 7000 Euro. Es gebe bereits Bestellungen, so Kretschmer.

Unglaubliche Energie – mit 90 Jahren

Erhältlich sind die hochwertigen Sitzgelegenheiten in zahlreichen Farbtönen, drei davon sind im Grassi zu sehen. Für Horn sind sie wie Kinder mit verschiedenen Charakteren. Der graue Sessel, meint er, habe eine arrogante Ausstrahlung, der braune eine freundliche und der schwarze sende so etwas wie seriöse Verhaltenheit aus.

Der DDR-Möbeldesigner Rudolf Horn feierte seinen 90. Geburtstag. Er ist der Vater der Hellerauer Möbelserie MDW.

Ihr Vater Rudolf Horn? Ist nicht nur im Museum, sondern zurück im Geschäft – in Gesamtdeutschland. Und strahlt eine unglaubliche Energie aus.

Von Jürgen Kleindienst

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