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Kultur Regional Zwischen Kammermusik und Jazz: Keno Harriehausen und die Wucht der Stille
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12:08 10.09.2019
Eng verzahnt: Pianist Keno Harriehausen und Kollegen. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Pianist, Bandleader und Komponist Keno Harriehausen (31) ist den umgekehrten Weg nach Leipzig gegangen. Er ist keiner von den Jazzmusikern, die hier die Hochschule besucht haben und dann geblieben sind. Der gebürtige Hamburger hat in Amsterdam, Trondheim und Kopenhagen gelebt, hat unterwegs sein Studium beendet, um sich nun für Leipzig zu entscheiden. Das ist ein schöner Reflex auf das, was sich in den letzten Jahren im Zusammenspiel von Jazzclub, Musikhochschule, Spielstätten, Publikum und Stadt entwickelt hat und Leipzig neben Berlin und Köln zu einem der Zentren für den aktuellen Jazz in Deutschland gemacht hat.

Deswegen ist Keno Harriehausennun hier. Ob er allerdings als reiner Jazzmusiker zu rubrizieren ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber das ist egal, denn was er in diesem Sommer auf seinem titellosen Debütalbum beim Leipziger Label „Lakeland“ vorgelegt hat, ist ebenso erstaunliche wie eigenständige Musik, für die man nicht gleich eine Schublade bereit hat. Und das ist ein unbedingtes Plus dieser schlagzeuglosen Quartettmusik. Nun ist Harriehausen mit dem Programm unterwegs gewesen, und es war ein schönes Zeichen, dass zum Tourfinale alle Stühle besetzt waren im Werkcafé der Musikschule Neue Musik in der Eisenacher Straße. Noch so ein schöner Ort, der seinem Namen alle Ehre macht.

Berührende Schönheit

Ein wesentliches Kriterium für Keno Harriehausens Musik ist schon die Komposition der Band. Mehrfach hat er sie umbesetzt, bis er sein Idealformat gefunden hat: der Leipziger Andris Meinig am Kontrabass, der Tenorsaxofonist Karlis Auzins aus Lettland und die Cellistin Oda Mathilde aus Norwegen. Nun kreiert, vermisst und durchschreitet er mit ihnen seine Klanglandschaften, die in einem imaginären Reich zwischen Kammermusik und Jazz angesiedelt sind, wo in berührender Schönheit und mit großem Farbenreichtum magische Momente erschaffen werden.

Sehr erstaunlich ist es, wie diese vier jungen Musiker damit vom Start weg das Publikum in ihren Bann ziehen. Das Verträumte verliert sich hier nicht im Introvertierten, die einprägsame Melodik verdümpelt nicht im Gängigen. Es geht um einen markanten Gruppenklang, der ein ganzes Programm trägt. So ist es am faszinierendsten, welche Kraft diese Musik entwickelt, die man in ihrem kammermusikalischen Ansatz zunächst viel fragiler vermutete, welche Wucht sie aus der Stille wachsen lässt. Mit der Ausnahme einer Adaption von Ravels „Oiseaux Tristes“ sind alle Stücke Eigenkompositionen. Und alle entwickeln sie mit kluger Dramaturgie insistierender Steigerungen eine verblüffend ungeschwätzige Sogkraft.

Emotionales Tun statt intellektuelles Wollen

Als Referenzpunkte könnte man den skandinavischen Jazz und die Third-Stream-Musik aus den späten 60er-Jahren aufrufen, mit der Gunther Schuller Jazz und Klassik zu einer eigenständigen Musik verbinden wollte, was letztlich eine Kopfgeburt blieb. Keno Harriehausens Musik an diesem Abend erweist sich als ausgesprochen sinnlich, sodass sie eben gerade nicht im intellektuellen Wollen verharrt, sondern sich zu emotionalem Tun aufschwingt.

Die Band agiert dazu eng verzahnt, schwingt sich nach schönen Piano-Interludien immer wieder auf zu drängender Dringlichkeit, wobei die Kompositionen griffig bleiben und sich nicht auswuchernd verlieren. Auzins‘ Saxofon ist sehr markant und genügt sich nicht in der Kopie von Vorbildern wie Paul Desmond oder Lee Konitz, mal drängt das Cello offensiv in den Vordergrund, mal der Bass, dann wieder rhythmisiert der Pianist perkussiv in den Saiten.

Oft ist es, als würden die Musiker ihre Seelen auf dem Tablett präsentieren. Diese Musik ist welthaltig und unhermetisch. Daraus entwickelt sie ihr Alleinstellungsmerkmal. Sehr zugeneigter Beifall immer wieder und am Schluss eine Zugabe mitten hinein in versunken zufriedene Gesichter.

Von Ulrich Steinmetzger

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