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Kultur Weltweit Eko Fresh wehrt sich gegen die AfD
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14:34 15.08.2018
Eko Fresh, deutscher Rapper und Schauspieler türkischer Abstammung. Quelle: dpa
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In dem Song „Aber“ schildern Sie die aktuelle Integrationsdebatte aus den Perspektiven eines AfD-Wählers, eines Deutschtürken mit Erdogan-Sympathien und eines Deutschtürken mit liberaler Einstellung. Ausgerechnet AfD-Anhänger haben sich jetzt die erste Strophe des Songs zu eigen gemacht und ein AfD-Logo über das Video gelegt. Wie wollen Sie darauf reagieren?

Es gibt nicht viel, das ich tun kann, weil ich den Urheber der Aktion nicht kenne. So besteht keine Möglichkeit, dagegen strafrechtlich vorzugehen. Immer mehr Fans machen mich darauf aufmerksam, dass das Fake-Video auf Whatsapp und Facebook kursiert. Das ist wirklich traurig, denn es widerspricht meiner Botschaft, dass sich die Leute näherkommen sollen. Und jetzt hat sich eine der von mir vorgestellten Gruppen einen Teil des Videos rausgepickt. Ich hätte es mir denken sollen, dass das passieren wird!

Sie wollen also mit Ihrem Song die AfD-Wähler nicht kritisieren, sondern sie abholen?

Ja, es ist mir ganz wichtig, die Leute erst mal sprechen zu lassen. Die Argumentation aus dem Video, die eher auf Gefühlen denn auf Fakten beruht, habe ich mir ja nicht ausgedacht. Mein Song ist keine Kampfansage an die AfD. Ich versetze mich in die Rolle eines enttäuschten deutschen Mitbürgers und eines enttäuschten türkischen Mitbürgers und verpacke ihre Positionen in Reimform - und in der dritten Strophe kommt meine eigene, liberale Position zum Ausdruck. Die Wahrheit liegt oft in der Mitte.

Der Song gilt als ein Auslöser der #MeTwo-Bewegung gegen Alltagsrassismus. Was ist Ihre eigene #MeTwo-Erfahrung als Deutscher mit türkischen Wurzeln?

Ich finde es toll, dass Menschen unter dem Hashtag miteinander sprechen, persönlich ist mir aber das Stichwort #MyGermanDream näher, ich habe schon 2003 mein Label German Dream Empire genannt: Weil ich der Überzeugung bin, dass man es als Migrant in Deutschland zu etwas bringen kann. Ich selbst habe durch meinen Beruf einen Sonderstatus, weil ich schon als Jugendlicher Musik gemacht habe. Aber ich kenne Alltagsrassismus von meiner Mutter, die sich bei der Wohnungssuche Sorgen machte. Sie hat mir aber auch die Einstellung mitgegeben, niemals aufzugeben und das Blatt noch zu wenden. Durch sie bin ich zum Powermenschen geworden.

Für die EP „Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen“ haben Sie 2009 mit dem Rapper Farid Bang zusammengearbeitet, der im Zuge der Echo-Affäre unter Antisemitismusverdacht geriet. Was ist Ihr Kommentar zu dessen jüngstem Musikvideo „In die Unendlichkeit“, in dem er sich zum Opfer stilisiert?

Ich weiß darüber nicht genug, um mir eine differenzierte Meinung bilden zu können. Ich trete im Moment etwas kürzer, was die Rap-Schlagzeilen betrifft, um so wenig Zeit wie möglich mit meinem kleinen Sohn Elijah zu verpassen.

Woher stammt der Künstlername Eko Fresh?

Eko ist einfach die türkische Kurzform meines Namens, so wie man in Deutschland Ekhard mit Eki abkürzen würde. Fresh stammt aus der Zeit Ende der Neunziger, als dieser Beiname in der Rapszene unglaublich hip war.

Ende August erscheint ein neues Album, das zu 90 Prozent aus bekannten Aufnahmen besteht. Was ist neu?

Es gibt vier neue Songs, die von Samy Deluxe produziert wurden. „Aber“ ist einer von ihnen.

Ist es nicht ein bisschen sonderbar, mit 34 Jahren bereits ein Best-of-Album herauszugeben?

Ich habe schon ziemlich früh mit der Musik angefangen, 2001 mein erstes Album rausgebracht. Und ich wollte meine besten Songs bündeln, solange es das Medium CD noch gibt. Das soll kein Abschied sein, sondern ein Halbzeitfazit.

Zur Person

Eko Fresh heißt mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora. Der 1983 in Köln geborene Rapper ist deutsch-türkischer Abstammung. Er war auch als Schauspieler in der Comedyserie „Blockbustaz“ bei ZDFNeo zu sehen. Mehr über den Song „Aber“ gibt es hier.

Von Nina May/RND

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