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Kultur Weltweit „Der Goldene Handschuh“ von Fatih Akin: Zombies in der Kiez-Kneipe
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22:35 09.02.2019
Jonas Dassler als Fritz Honka in einer Szene von „Der goldene Handschuh“ Quelle: Gordon Timpen/2018 bombero/Berlinale/dpa
Berlin

Das kann dauern, bis ein Mensch endlich tot ist – sogar dann, wenn der Alkohol ihn schon in einen desolaten Zustand versetzt hat. Fritz Honka ächzt und stöhnt und zieht das Küchenhandtuch mit aller Kraft noch ein wenig fester um den Hals seines Opfers. Endlich hört die Frau auf zu zappeln, ihr Körper erschlafft, Honka quält sich unter faltigen Fleischbergen hervor.

Und was passiert dann? Die vermeintlich Tote beginnt wieder zu röcheln. Eine Schnapsflasche nach der anderen zieht Honka der Frau über den Kopf. Dann ist endlich Ruhe in seiner Mansardenwohnung, in der sich Leichenteile – garniert von Duftbäumchen zur Gestanksminderung – im Verschlag stapeln.

Buchvorlage von Heinz Strunk

Solche Szenen muss man schon aushalten in Fatih Akins Romanverfilmung von „Der Goldene Handschuh“, die am Wochenende bei der Berlinale Premiere hatte. Der Regisseur delektiert sich ausgiebig am Blutrausch des Hamburger Frauenmörders – auch wenn er die schlimmsten Malträtierungen außerhalb der Leinwand stattfinden lässt. Dennoch wagt sich Akin bis an die Grenze zum Splatter-Genre vor und lässt Honka sogar noch von einer blonden Schönen mit blutigem Steak zwischen den Zähnen im Metzgerladen albträumen.

Gewiss, auch das Buch schwelgt im Morbiden. Die Ausgespuckten, die Abgerissenen, die Ekeligen versammelt Autor Heinz Strunk in der bis heute florierenden Kiez-Kneipe „Goldener Handschuh“ auf St. Pauli. Hier schleppte Honka in den Siebzigern just solche Frauen ab, die nach ihrem Verschwinden kein Mensch vermisste. Strunk schaute aber auch in die Köpfe der Elendigen hinein. Erbarmungslos ließ er sie von ihren hoffnungslosen Versuchen erzählen, dem endgültigen Absturz ins Delirium zu entkommen. Sie hatten ihre eigenen Geschichten.

Akin zeigt viel St.-Pauli-Kolorit

Der dauertrinkende Hilfsarbeiter Honka, von Jonas Dassler mit ständig verschmierter Brille, schiefen Zähnen und Pickelgesicht gespielt, gerät dagegen gefährlich nah ans Karikaturhafte. Wie ein Zombie stolpert der Frauenmörder mit eckigem Gang durch die Hamburger Nächte, als wäre er mit Boris Karloffs Monstern verwandt. Mit Honkas Innenleben und erst recht mit dem seiner Opfer weiß der Regisseur wenig anzufangen.

Dazu wummern deutsche Schlager von Heino bis Heintje aus der Jukebox, und gequatscht wird Hamburgisch. Ob das deutsche Bären-Jury-Mitglied Sandra Hüller ihrer Präsidentin Juliette Binoche und den Kollegen erklären kann, was es mit so viel St.-Pauli-Lokalkolorit auf sich hat?

Breloer zeigt und inszeniert das Leben von Bertolt Brecht

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ sich am Wochenende im Berlinale-Kino blicken. Ihm stand der Sinn allerdings eher nach Hochkultur, nach Bertolt Brecht – und den hätte so viel Aufmerksamkeit wohl kaum überrascht. Schon als Abiturient in Augsburg hält er sich in Heinrich Breloers zweiteiligem DokudramaBrecht“ für das „letzte deutsche Genie“ und stellt sich unverfroren in eine Reihe mit Goethe und Schiller. An seiner eigenen Bedeutung als „Jahrhundertdichter“ hat Brecht demnach nie gezweifelt.

Breloer interessiert sich aber nicht für den Meister der Selbstinszenierung im Ledermantel und mit Zigarre im Mundwinkel. Er sucht den Zeitgenossen Brecht hinter der Ikone: den Zweifler, den nach Anerkennung Gierenden, den „Menschenfresser“ (Lion Feuchtwanger), der von allen alles will, sich selbst aber jede Freiheit herausnimmt, vor allem gegenüber Frauen. In Zeiten von MeToo hätte sich ein noch viel kritischeres Bild von Brecht zeichnen lassen, doch das verbietet die tiefe Anerkennung Breloers für dessen künstlerische Leistungen.

Tom Schilling spielt den jungen Brecht

Die Zeit des Exils lässt Breloer seltsamerweise beinahe vollständig aus, womöglich fehlte ihm das Material beim wie immer meisterlichen Verschmelzen von Spielszenen mit Zeitzeugen-Interviews und Archivbildern (so wie schon bei „Die Manns“). Tom Schilling spielt den jungen Hallodri, den nachts dann doch die Ängste packen. Burghart Klaußner gibt den alten, hadernden Brecht, der sich an den Aufbau des Sozialismus in der DDR zu glauben zwingt. Einen hinterlistigeren und damit interessanteren Brecht zeigte kürzlich Lars Eidinger im „Dreigroschenfilm“.

Von Stefan Stosch/RND

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