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Kultur Weltweit So war der Auftakt von Grönemeyers „Tumult“-Tour
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10:06 06.03.2019
Der Sänger Herbert Grönemeyer beim Auftakt seiner neuen Tour in Kiel. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

„Spitze“, „herrlich“, „wunderbar“ und immer wieder „klasse“: Herbert Grönemeyer lobte sein Publikum in der ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena über den grünen Klee. 9000 Fans hatten dem berühmten Sänger und seiner Band einen Tourstart nach Maß mit zweieinhalb kurzweiligen Konzertstunden beschert.

Der erste Eindruck

Kein leichter Job für Support-Act Andac Berkan Akbiyik alias BRKN, der später mit Grönemeyer das Duett „Doppelherz/Iki Gönlum“ singen wird: Unterstützt von seinem DJ Cratzmeister Calle muss er ein paar hundert Gäste in Wallung bringen, die sich schon zum Vorprogramm in der riesigen Halle verteilen - kaum welche auf den Rängen, die meisten natürlich an der Bühne und am langen Laufsteg.

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Der Rapper müht sich redlich, aber für etwas mehr als höflichen Beifall reicht es nicht. Dabei hat BRKN eine kräftige, wohlklingende Singstimme, sein Hip-Hop ist geschmeidig und die Texte sind sprachgewitzt. Sechs Songs sind drin, darunter die soulig groovenden „Glück“ und „Irgendwann“, bei dem BRKN zeigt, dass er nicht nur am Klavier, sondern auch am Saxofon glänzen kann. Im letzten, etwas raueren „Bordeaux“ reimt er „i-Phone“ auf „Zeitzonen“. Dann heißt es warten auf Herbert Grönemeyer, bis der mit „Sekundenglück“ vom neuen Album „Tumult“ die Massen euphorisiert.

Das Programm

Einige Songs von „Tumult“ stehen auf der Setlist, die sich Zugabe um Zugabe - drei werden es sein - verlängert. Wie gleich darauf „Bist Du da“, „Und immer“ und - nach „Kopf hoch, tanzen“ von 2007 - „Taufrisch“, später unter anderen noch das hymnische, protestliedhafte „Fall der Fälle“. En bloc haut Grönemeyer mal eben so „Bochum“, „Männer“ und „Was soll das?“ raus, noch einigermaßen nah dran an den Originalversionen. Fantastisch ist das, was Grönemeyer und Band später mit anderen seiner Klassiker anstellen.

„Mensch“ klingt rockig und stellenweise funky, lebendiger, kompakter als damals. Ein ganz starker Konzertmoment. „Alkohol“ schmeckt frischer, knackiger, rockiger, ebenso „Kinder an die Macht“. „Es bleibt alles anders“, scherzt Grönemeyer auf den Titel eines seiner älteren Songs anspielend.

Ergreifend die Balladen. „Mein Lebenstrahlen“ (Grönemeyer: „vielleicht eines der schönsten Lieder, die ich je geschrieben habe, aber in Selbstkritik bin ich nicht so stark“, „Halt mich“ mit einem tollen Saxofon-Solo. „Der Weg“, romantisch, ganz vorne auf dem Laufsteg am Piano. Und dann, schlicht genial und nicht weniger ergreifend: „Flugzeuge im Bauch“ als Akustik-Jazz-Nummer mit Piano, Kontrabass und Akustikgitarre - und Grönemeyer singt: „ Ich habe einen ganzen Flughafen in meinem Bauch.“

Das Publikum

Das hier sind Fans. Die zelebrieren es. Feiern Grönemeyer. Singen mit, klatschen mit, schwenken Arme. Tanzen. Und winken, wenn er winkt. Würden gewiss folgenden Satz Grönemeyers während der letzten Zugabe sofort unterschreiben: „Wir haben unser Bestes gegeben - ich denke, es war schön.“

Was in Erinnerung bleibt

Die wie eine Spannungsentladung wirkende Euphorie, die Grönemeyer wie aufgezogen von einer Bühnenseite zur anderen und vor allem immer wieder den Laufsteg rauf und runter rennen, tanzen, staksen und hüpfen lässt. Und vor allem die bereits erwähnten, wagemutigen neuen Versionen seiner alten Hits, mutig und höchst gelungen.

Fazit

Ein Tourauftakt nach Maß!

Von Thomas Bunjes/RND