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Kultur Weltweit Das sechste Abenteuer von Martin Suters maliziösem Snob führt ihn nach Ibiza
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13:02 15.10.2019
Martin Suter entlässt schickt seinen Allmen bereits zum sechsten Mal auf die Reise. Quelle: Urs Jaudas
Leipzig

Eine Million Euro – das ist verdammt viel Geld für ein Haustier. Zumal für einen Fisch. Selbst wenn es ein japanischer Zierkarpfen ist und unter denen ein besonders prachtvolles Exemplar: schneeweiß mit einem feuerroten kreisrunden Fleck auf dem Kopf. Aber er hat sie bezahlt, also will Percival Garrett, der Musik-Produzent, der sie über Jahrzehnte alle im Studio hatte, die Großen des Rock, den Koi auch zurückbekommen, den er seiner Gespielin Akina zum Spielen geschenkt hat, und den sie auf den Namen Boy taufte. Was sich so schön auf Koi reimt.

Martin Suter: Allmen und der Koi. Diogenes Verlag; 224 Seiten, 18,99 Euro Quelle: Diogenes Verlag

Boy, der Koi

Denn Boy, der Koy ist verschwunden aus dem Becken auf dem Traumanwesen auf Ibiza, entführt, geklaut oder was auch immer von wem und warum auch immer. Das macht Akina traurig, was wiederum Garrett nicht gefällt – und genau da kommt Allmen ins Spiel, Johann Friedrich von Allmen. Eigentlich Hans Fritz von Allmen, aber das war ihm zu gewöhnlich, dem Spross aus bestem Zürcher Haus mit feinstem Geschmack, erlesenen Manieren, teuren Angewohnheiten und leerem Konto, den Martin Suter immer mal wieder auf die Spur setzt, wenn er gerade nicht mit einem richtigen Roman beschäftigt ist.

Einen Fuß in der Tür

„Allmen und der Koi“ eingeschlossen ist das seit 2011 nun bereits sechs Mal geschehen, und die Krimireihe um den maliziösen Hochstapler, der mit windigen Wiederbeschaffungen von gestohlenen Blumenbildern oder schweinischem Porzellan einen Fuß in der Tür zur schönen Welt der Superreichen behält, haben mittlerweile eine große Fan-Gemeinde.

Die schöne Insel

Das wird sich mit dem neuen Band nicht ändern. Obschon die Geschichte oben bereits recht vollständig umrissen ist. Zwar gibt es auf dem Weg zur Lösung einen Toten zu beklagen, Freddy, den noch immer steinreichen einstigen Freund aus Internats-Tagen, und Allmens guatemaltekischer Ex-Diener und nun Compagnon bei Allmen International Inquiries Carlos bekommt einen Schlag aufs Haupt, weswegen seine Maria ebenfalls anreist. Und wenn, man darf dies ruhig verraten, Garrett den Fisch am Ende wiederhat, ist das Abenteuer durchaus noch nicht vorbei. Aber so richtig komplex sind sie nicht, die Ermittlungen von Allmen, Carlos und Maria auf der schönen Insel.

Es sei ihm vergönnt

Die scheint Suter beinahe mehr am Herzen zu liegen als die Pfade, auf denen seine Protagonisten eher zufällig auf die Spur des Zierkarpfens geraten und ihn noch zufälliger schließlich finden. Wichtiger ist dem Bestseller-Autor Ibiza, wo er selbst einen Zweitwohnsitz unterhielt und dessen Schilderung er mit einiger Hingabe betreibt. Der Verkehr, die Landschaft, das Essen, der Wein, die Infrastruktur, das Gesundheitswesen – wir bekommen tiefe Einblicke, riechen das Meer und von Ferne den Waldbrand, schmecken den Wein und die Cocktails – aus Mangel an Dreisterne-Erfahrungen allerdings nicht so recht die Herrlichkeiten, die Garretts japanischer Koch seinem todkranken Boss und dessen Gästen aufträgt. Allmen indes, er weiß es zu würdigen. Es sei ihm vergönnt.

Man muss ihn einfach mögen

Man muss ihn einfach mögen, diesen hochgebildeten, hochbegabten, degenerierten, larmoyanten, verarmten Snob, der im Grunde ohne Carlos und Maria nicht lebensfähig wäre. Denn wenn man ihn nicht mag und die Art, wie er sich kleidet, wie er spricht, denkt, isst und trinkt, dann mag man auch Suters Allmen-Bücher nicht. Aber wer ihn einmal ins Herz geschlossen hat, diesen eleganten Gauner, der wird auch Freude an der Wiederbeschaffung vom Koi namens Boy haben.

Ein durchschnittlicher Fall

Im Allmen-Kosmos ist das ein durchschnittlicher Fall. Nicht so skurril wie „Allmen und die Erotik“, nicht so spannend wie „Allmen und die verschwundene Maria“. Aber Suter weiß wieder, worüber er schreibt, entweder aus eigener Anschauung oder nach nicht zu tiefschürfender, aber ausreichender Recherche. Das alles kombiniert mit dem leichtfüßigen Plauderton, der die Allmens noch mehr auszeichnet als die richtigen Bücher aus der Feder des Schweizers, dem feinen Witz, den er über der doch ziemlich durchgeknallte Gesellschaft und den internationalen Jetset auf Ibiza versprüht, reicht für einige schöne Lektüre-Stunden.

Erinnerung an den Sommer

Viele sind es nicht, denn man muss kein Buchstabenfresser sein, um die luftig bedruckten 213 Seiten an einem Abend zu lesen. Am besten mit einer Flasche anständigen Cavas und in Erinnerung an den Sommer, der uns gerade noch einmal kokett über die Schulter zulächelt.

Konversationskino im Kopf

„Allmen und der Koi“ ist kein großer Wurf, soll das auch nicht sein. „Allmen und der Koi“ ist Unterhaltungsliteratur, leichtfüßig, beschwingt – und doch klug. Und so wird gewiss auch diese Ermittlung den Weg auf die Mattscheibe finden. Wo Heino Ferch und Samuel Finzi bereits drei Mal Allmen und Carlos waren. Die beiden machen das ganz wunderbar. Der Rest der Film-Settings allerdings kommt bei weitem nicht an das feine Konversations-Kino heran, das auch diese jüngste Aufgabe für Allmen International Inquiries im Kopf in Bewegung bringt.

Von Peter Korfmacher

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