Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Weltweit „Geheimnis eines Lebens“: Die Spionin, die es gut meinte
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit „Geheimnis eines Lebens“: Die Spionin, die es gut meinte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:06 01.07.2019
Wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Joan Stanley (Judi Dench). Quelle: Foto: eOne
Hannover

Die Frau kennen wir doch: Wenn Judy Dench in den vergangenen Kinojahren im Fonds einer Limousine durch London rauschte, dann war sie als eigensinnige Chefin M des britischen Geheimdienstes unterwegs und ärgerte sich über ihren noch eigensinnigeren Lieblingsagenten James Bond. Nun hockt sie wie ein Häufchen Elend im Wagen. Mit einer elektronischen Fußfessel wird sie in ihr rotes Backsteinhäuschen zurückkehren, wo sie Tee aus einem Che-Guevara-Tasse schlürft.

Dench gibt eine ehemalige sowjetische Agentin, die im hohen Alter von ihrer Vergangenheit eingeholt wird: Ihre Physikerin Joan Stanley verriet den Sowjets Geheimnisse über das britisch-kanadische Atomwaffenprogramm im Zweiten Weltkrieg. Ein halbes Jahrhundert später wird Stanley eher zufällig enttarnt.

Die Befragungen Stanleys bilden die Rahmenhandlung in „Geheimnis eines Lebens“ des britischen Film- und Bühnenregisseurs Trevor Nunn. Bald schon schweifen Stanleys Gedanken in die Vergangenheit ab. Dann spielt Sophie Cookson die blutjunge Forscherin, die in Cambridge Physik studiert und zum streng geheimen britisch-kanadischen Atombomben-Projekt geholt wird.

Viel inneres Drama, wenig äußere Dramatik

Gemeinsam mit Drehbuchautorin Lindsay Shapero sucht der Regisseur eher nach Stanleys inneren Dramen als nach äußerer Dramatik. Dadurch mag der Film betulich wirken, die Protagonistin aber lässt sich als eine Figur in einer schmerzvollen Geschichte entdecken.

Die junge Stanley fühlt sich als „Schatten in einer Männerwelt“. Die anderen Wissenschaftler betrachten sie als bessere Teeköchin. Aber da ist auch noch der überzeugte Kommunist Leo Galich (Tom Hughes), der sie vielleicht wirklich liebt.

Genauso will Leo seine „kleine Kameradin“ aber auch aushorchen. Doch erst als Stanley in einer Wochenschau den Horror von Hiroshima sieht, ist sie bereit zum Geheimnisverrat.

Die Geschichte beruht auf einem wahren Fall

Stanley ist nach der sympathischen Lesart dieses Films eine Idealistin: Sie will einen weiteren Atomwaffenschlag im heraufziehenden Kalten Krieg vermeiden. Mit dem Verrat aber nisten sich Lügen in ihrem Leben ein. Nun, mehr als ein halbes Jahrhundert später, entdeckt ihr Sohn Nick, dass seine Mutter ein anderes Leben geführt hat, als er je vermutet hätte. „Wie konntest du das tun“, schleudert er ihr an den Kopf. Stanley fühlt sich schuldig, ist jedoch zugleich überzeugt, im Interesse der Menschheit gehandelt zu haben.

Die Geschichte beruht auf einem wahren Fall: Als „Großmutter-Spionin“ ging die 1992 überführte Melita Norwood in die Annalen ein, die für die Sowjets gearbeitet hatte. Sie musste nie ins Gefängnis. Die britische Justiz entschied, die alte Frau in Ruhe zu lassen. Norwood starb 2005 im Alter von 93 Jahren.

Geheimnis eines Lebens“, Regie: Trevor Nunn, mit Judi Dench, Sophie Cookson, 102 Minuten, FSK 6

Von Stefan Stosch / RND

Bei seinem Debütspiel „Magic Maze“ schickte Spieleautor Kasper Lapp eine Runde Fantasy-Abenteurer los, um ein Einkaufszen­trum zu plündern. Bei „X-Code“ macht Lapp die Spieler nun zu Hackern im Kampf gegen Schadsoftware im Darknet.

30.06.2019

Als der britische Rapper Stormzy auf dem Glastonbury-Festival als Haupt-Act auftrat, trug er eine ganz besondere Weste. Doch woher diese kam, das erfuhr der Musiker erst über Instagram.

30.06.2019

Am Sonntag wurden in Klagenfurt die Preise vergeben – zu Gewinnern des Ingeborg-Bachmann-Wettlesens gehört auch der Wettbewerb selbst. Weil er immer mehr aus der Zeit fällt.

30.06.2019