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10:00 03.08.2019
In diesem Jahr erscheint eine Vielzahl sehr guter, kluger, zauberhafter, bewegender Graphic Novels, in deren Geschichten junge Menschen im Mittelpunkt stehen, die aber auch jede Menge über Ältere erzählen. Quelle: Catherine Meurisse/Carlsen Verlag
Hannover

Aus den Augen von Kindern und Jugendlichen sieht die Welt ganz anders aus. Auch die Welt der Erwachsenen natürlich. Aber im Blick von jungen Menschen können sich Väter, Mütter und andere Erwachsene auch immer ein wenig spiegeln. Sie erfahren dann eine Menge über sich, über ihr Gebaren, ihr Verhalten.

In diesem Jahr erscheint eine Vielzahl sehr guter, kluger, zauberhafter, bewegender Graphic Novels, in deren Geschichten junge Menschen im Mittelpunkt stehen, die aber auch jede Menge über Ältere erzählen.

Grandios ge- und überzeichnet: „Drei Väter“

So wie in dem grandios ge- und überzeichneten Band „Drei Väter“ des Schweizers Nando von Arb. Im Mittelpunkt steht der Autor als Kind, der mit drei Vätern aufwächst. Der eine ist sein leiblicher, der die Mutter verlassen hat. Der zweite macht sich Hoffnungen auf Nandos Mutter und der dritte bekommt sie.

Die Männer könnten unterschiedlicher nicht sein: Nummer eins geht mit Nando und dessen Schwestern ins Museum, Nummer zwei ist ein kleiner verrückter Spaßmacher, Nummer drei ein Kraftprotz, den so leicht nichts umhaut. Alle drei unterstützen die labile Mutter und kümmern sich liebevoll und auf ihre ganz eigene Art um die drei Kinder.

Nando von Arb hat die Figuren extrem abstrahiert, sie sind als Tiere und Fabelwesen gezeichnet. So wollte sich der 26-jährige Schweizer, der mit „Drei Väter“ sein erstes Buch geschrieben hat, von den realen Personen distanzieren, um freier mit seiner Erinnerung umgehen zu können, sagte er kürzlich in einem Interview. Vater sein – so zeigt dieses Buch – hat nicht unbedingt etwas mit Blutsverwandtschaft zu tun, sondern mit Liebe, Akzeptanz und der Fähigkeit, Kinder ernst zu nehmen.

In dem Band „Drei Väter“ sind die Figuren grotesk überzeichnet und doch liebevoll dargestellt. Quelle: Verlag

Ganz ohne Eltern wachsen die fünf Schwestern in „Vier Schwestern“ auf, einer Mischung aus Erzählung und Comic. Was denn nun, vier Schwestern oder fünf? Es sind eigentlich fünf, aber die Geschichten werden jeweils aus der Perspektive einer der vier jüngeren Mädchen – Enid, Hortense, Bettina und Geneviève – erzählt.

Diese kleinen Storys, die zumeist in der märchenhaften Villa Habakuk, dem Wohnhaus der Mädchen, spielen, sind immer nur zwei Seiten lang, enden aber oft mit einer überraschenden Wendung. So kommt der Band von Malika Ferdjoukh und Lucie Durbiano als ein sehr humorvolles, lebenskluges, lebensnahes und rührendes Buch daher.

Ein Gartenzwerg als Kompagnon: „Weites Land“

Die Zeichnerin und Autorin Catherine Meurisse, die auch für das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ arbeitete, hatte am Morgen des 7. Januar 2015 verschlafen. So kam sie zu spät zur Arbeit und überlebte den grausamen Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift. Ihr Trauma verarbeitete sie 2017 mit der Graphic Novel „Die Leichtigkeit“.

Nun taucht sie in „Weites Land“ ein in die Erinnerung an ihre Kindheit. Ihre Eltern wollen den beiden Kindern ein ruhiges, sorgenfreies Leben jenseits der Stadt bieten. Zwar nervt sie die konventionelle Landwirtschaft in der Region, aber das schöne Leben im Garten entschädigt für alles. So sieht es jedenfalls in der farbenfrohen Erinnerung aus.

Catherines Kompagnon wird ein Gartenzwerg, Zitate von Proust bis Zola bieten den Rahmen dieser schon früh durch Kunst, Kultur und Bildung geprägten Kindheit. Und anders etwa als in dem Song „Raus aufs Land“ der Höchsten Eisenbahn will am Ende des Buchs keiner zurück in die Stadt.

Paradiesischer Garten: Die kleine Catherine genießt in „Weites Land“ die Natur. Quelle: Catherine Meurisse/Carlsen Verlag

In der Stadt, genauer in Berlin, lebt Tilda mit ihren Eltern. Sie wohnen in einem schönen alten Haus, das zwei Weltkriege, die DDR und „andere Tick-Tackturen“, wie es in schönstem Kinderdeutsch heißt, überstanden hat. Doch dann kommen die Eigentümer und wollen die Wohnungen sanieren. Und das heißt für Tildas Familie: Sie wird aus ihrem Zuhause verdrängt.

Veronica Solomon und Tina Brenneisen haben mit „Bergstraße 68“ die Themen knapper Wohnraum und steigende Mieten aus Kindersicht, aber nicht kindlich aufbereitet. Eine kluge Graphic Novel zur aktuellen Zeit.

Emotionale Achterbahnfahrten für jung und alt

Mariko und Killian Tamakis Coming-of-Age-Geschichte „Skim“ ist zwar schon elf Jahre alt, erscheint jetzt aber endlich auch auf Deutsch. Das Tagebuch der Kimberly Keiko Cameron (genannt Skim) erzählt konsequent in Schwarz-Weiß gehalten die Liebes- und Leidensgeschichte eines immer ein wenig melancholischen, in ihre Englischlehrerin verliebten Teenagers.

Die 16-Jährige will eigentlich eine Hexe werden. Das macht sie unter ihren Mitschülern in der zehnten Klasse einer Privatschule in Toronto nicht gerade beliebt. Nur ihre Freundin Lisa hält zu ihr. Als an ihrer Schule ein Selbstmord geschieht, kommt zu Skims Gefühlschaos auch noch ein Durcheinander an ihrer Schule.

Junge Leser kennen diese emotionalen Achterbahnfahrten aus ihrer unmittelbaren Gegenwart, ältere werden sich erinnern.

Von Kristian Teetz

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