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Kultur Weltweit “Kassandra von Kaisborstel” - Trauer um den Dichter Günter Kunert
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19:44 22.09.2019
Eine Stimme gegen Diktaturen, für die Menschlichkeit: Der Schriftsteller Günter Kunert in seinem Haus in Kaisborstel, Schleswig-Holstein, wo er jetzt im Alter von 90 Jahren starb.

Der Schriftsteller Günter Kunert ist tot. Der in Berlin geborene Schriftsteller und Lyriker starb am Sonnabend im Alter von 90 Jahren in seiner Wahlheimat Kaisborstel bei Itzehoe. Das bestätigte sein Freund, der schleswig-holsteinische Bildhauer Manfred Sihle den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz). Kunert galt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart.

Es war Kunerts Wunsch, zuhause zu sterben

Erst vor zehn Tagen war Kunert aus dem Krankenhaus entlassen worden. Es sei sein Wunsch gewesen, zu Hause zu sterben, berichtete shz.de. Dort wurde er bis zu seinem Tod palliativ versorgt.

Mehr lesen: Kunerts letztes Interview - "Die Westler waren naiv"

Im März hatte der gebürtige Berliner seinen 90. Geburtstag gefeiert und drei Wochen zuvor vor 350 Gästen in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Berlin eine Lesung anlässlich seines Geburtstages abgehalten. Er hatte gerade seinen Roman „Die zweite Frau“ veröffentlicht, ein „altes Buch“. 1975 schon hatte Kunert es abgeschlossen und für „absolut undruckbar“ gehalten, wie der „Tagesspiegel“ im Fühjahr 2019 berichtete. 43 Jahre später gab er seinen zweiten Roman nach „Im Namen der Hütte“ (1967) dann doch heraus – eine süffisante Abrechnung mit dem real existierenden Sozialismus in der DDR. Tatsächlich hätte dieses Buch niemals in der DDR erscheinen können – nicht ohne gravierende Folgen für den Dichter.

Wolf Biermann nannte Kunert einen "Verbündeten, den ich bewundere"

Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller gehörte 1976 zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung von DDR-Liedermacher Wolf Biermann. Kunert wurde in der Folge 1977 die SED-Mitgliedschaft entzogen. 1979 ermöglichte ihm ein mehrjähriges Visum das Verlassen der DDR. Biermann blieb ihm für die Solidarität verbunden: „Den allerengsten Herzensbruderkontakt habe ich zu Günter Kunert. Der ist immer mein Verbündeter gewesen, den ich bewundere und für einen ganz großen Dichter halte“, sagte er erst im März in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“.

Mit seiner Frau Marianne und sieben Katzen fuhr Kunert Richtung Schleswig-Holstein, wo er sich nach eigenen Worten „maßvoll geborgen“ fühlte. Er ließ sich in Kaisborstel nieder. Viele neue Eindrücke, viele alte Ängste, die lum Ost-Berlin kreisten.

Skeptisch bis zuletzt - Kunert sah keine große Zukunft für die Menschheit

Kunert, der sechzig Bücher schrieb, in denen er eine kritische Haltung zu Nationalsozialismus, DDR-Regime und die allgemeine Fortschrittsgläubigkeit einnahm, blieb zeitlebens ein Skeptiker. In einem Gespräch mit der "Südthüringer Zeitung" sah die „Kassandra von Kaisborstel“ im März dieses Jahres schwarz für die Zukunft seiner Spezies. Auf die Frage, ob die Menschheit verloren sei, antwortete er: „Absolut. Es ist nur eine Frage der Zeit. So ist es. Es wird - ich werde es nicht mehr erleben - eine große Reduktion kommen. Es werden unbekannte Krankheiten auftauchen.“ Alles laufe auf einen Endpunkt zu.

Günter Kunert wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. 1962 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 1985 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf und 2014 den Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein.

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RND/big

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