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13:10 16.10.2019
Max Giesinger spielt beim Gedenkkonzert in Halle. Quelle: imago images / Future Image
Halle (Saale)

Am Samstag findet ein Gedenkkonzert in Halle (Saale) statt. Ein Konzert, das nach dem rechtsextremen Terroranschlag vom 9. Oktober „eine Botschaft gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus“ senden soll – so heißt es in einer Mitteilung des MDR. Auf der Bühne stehen bekannte Deutschpop-Künstler wie Joris und Max Giesinger.

Eine Nachricht, die zunächst einmal ungewöhnlich klingen kann. Denn bei einem Konzert gegen Rassismus erwartet man zuerst einmal andere. Die Ärzte zum Beispiel. Oder Feine Sahne Fischfilet. Vielleicht Herbert Grönemeyer. Die deutsche Mainstream-Popwelt jedoch hat sich bei dem Thema in den vergangenen Jahren erstaunlich schweigsam verhalten.

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Nach Chemnitz schwieg die gesamte Popwelt

Rückblick: Als Ende August 2018 Nazihorden durch Chemnitz marschierten und mitunter Jagd auf ausländisch aussehende Mitbürger machten, schloss sich eine Gruppe von Künstlern zusammen, um das Konzert „Wir sind mehr“ auf die Beine zu stellen. Rund 65.000 Menschen folgten dem Aufruf und besuchten das Konzert in Chemnitz.

Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und setzte mit Sicherheit auch ein wichtiges Zeichen. Auf der Bühne standen jedoch am Ende wieder die üblichen Verdächtigen, die schon seit Jahren gegen Nazis und Rassismus Flagge zeigen: Trettmann, Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z., Kraftklub, Casper und Marteria – und natürlich die Toten Hosen.

Die deutsche Mainstream-Popwelt zeigte sich zur Zeit der Ausschreitungen äußerst bedeckt: Max Giesinger postete kurz nach den Nazi-Märschen einen Hinweis auf sein neues Album. Vanessa Mai ein Foto mit ihrem Hund.

Zaghaftes Statement von Helene Fischer

Als einer der wenigen äußerte sich damals der Sänger Mark Forster. Auf seinem Facebook- und Instagram-Profil zeigte er ein Bild des „Wir sind mehr“-Konzerts mit einer riesigen Menschenmasse vor der Bühne. In den Kommentaren merkte ein Nutzer an: „Beim nächsten Mal von Anfang an dabei sein und Stellung beziehen. Und nicht erst am Tag danach mal eben ein Bild posten.“

Ein zaghaftes Statement brachte auch Schlagerstar Helene Fischer über die Lippen – und zwar anderthalb Wochen zu spät. Bei einem Konzert in Berlin erklärte sie: „Ich äußere mich nicht oft zu politischen Dingen, gebe nie politische Statements, denn meine Sprache ist die Musik.“ Doch an diesem Abend wolle sie „auch ein Zeichen“ setzen: „Erhebt gemeinsam mit mir die Stimmen: gegen Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit.“

Bloß nicht anecken

Warum schwiegen so viele Mainstream-Musiker nach den Chemnitz-Ausschreitungen? Vermutlich weil es in ihrer Natur liegt, bloß nicht anzuecken. Und weil es in Sachsen, einem Bundesland mit überdurchschnittlich vielen AfD-Wählern, fürs „Anecken“ vermutlich schon reichen dürfte, sich gegen Rassismus auszusprechen. Darum ließ man das Thema lieber an sich vorbeiziehen. K.I.Z. und Kraftklub werden es schon richten.

Nach dem rechtsextremen Anschlag von Halle scheint sich das Denken ein wenig verändert zu haben. Denn die Auswirkungen der Tat graben sich diesmal tief ins Herz der deutschen Popwelt.

Ein Opfer des Attentäters Stephan B. war riesiger Schlagerfan und bei vielen Künstlern bekannt. Stefan Mross gedachte der Frau aus Halle kurz nach dem Anschlag in einem Facebook-Post – und zeigte sich fassungslos über die Tat.

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Nazis sind nicht „die Mitte“

Und nun also das Konzert mit Max Giesinger. Es scheint, als entdecke die deutsche Popwelt gerade ihre Haltung. Auch wenn sie noch sehr zaghaft daherkommt.

Das Konzept in Halle am Samstag ist am Ende des Tages natürlich kein „Konzert gegen Rassismus“ und auch kein „Konzert gegen rechts“. Es wird als „Gedenkkonzert“ für die Opfer des Anschlags verkauft, bei dem es halt auch ein kleines bisschen um Antisemitismus und Rassismus geht. Ein deutliches Statement sieht anders aus. Aber: Es ist ein Anfang.

Im Kampf gegen rechts brauchen wir Max Giesinger und Helene Fischer. Wir brauchen Stefan Mross und die ganze deutsche Pop- und Schlagerszene. Und zwar nicht erst nach rechtsextremen Anschlägen mit Toten, sondern dauerhaft.

Es gehört zur uralten Taktik von Rechtsextremen, sich als „die Mitte“ zu verkaufen – eine Taktik, die auch Parteien wie die AfD oder rechtsextreme Gruppierungen bedienen. Um dem langfristig entgegenzuwirken, sind starke Stimmen von „Mitte-Musikern“ essenziell. Der Kampf gegen Nazis ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Man kann ihn nicht nur ein paar linken Rockbands überlassen.

Von Matthias Schwarzer/RND

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