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Kultur Weltweit Marek Janowski dirigiert im Gewandhaus Werke von Bruckner und Messiaen
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00:21 31.10.2018
Marek Janowski. Quelle: Foto: dpa
Leipzig

Es sind nur vier Töne, doch tragen sie eine Welt: Alt und zweiter Sopran präsentieren in entrückter Schönheit einen e-moll-Dreiklang, scharf dissonierend fügt der erste Sopran sein c hinzu und bringt die Harmonik in Fluss. Schlichter, purer, erhabener als Bruckners zweite kann eine Messe nicht beginnen, auch nicht weitergehen als diese gute halbe Stunde, die den romantischen Geist des 19. Jahrhunderts mit der reinen Lehre des 16. zusammenzwingt. Und schöner als vom MDR-Chor gestern im mäßig besuchten Gewandhaus ist das nicht zu singen.

Am Pult steht Marek Janowski, 79, hauptberuflich demnächst zum zweiten Male Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker und ein großer Orchester-Erzieher. Einen solchen kann das kopflose MDR-Sinfonieorchester nach erziehungslosen Jahren gut gebrauchen. Und weil man das beim Sender offenkundig verstanden hat, war man dort sogar bereit, Janowski im Gegenzug für seine pädagogischen Dienste einen Wunsch zu erfüllen: Auch mit dem Rundfunkchor wollte er arbeiten und das Programm bestimmen dürfen.

Bruckners e-moll-Messe ist selten im Konzertbetrieb, weil die technischen und musikalischen Schwierigkeiten in einem Umfeld scheinbarer Kargheit und Strenge blühen müssen. Schon optisch: Etwas verloren sitzen die 15 Bläser da vor dem großen Chor. Aber dieser Musik bedarf der vokalen Masse – für Kammerchöre ist sie denkbar ungeeignet, obschon Kammerchor-Qualitäten durchaus gefragt sind: Präzision, Transparenz, Beweglichkeit, Artikulation, Homogenität. All dies schenkt der von Philipp Ahmann präparierte Chor Marek Janowski im Überfluss, in der Messe wie in den Motetten zu Beginn.

Die Funk-Bläser indes können auf dem Weg zu Bruckners musikalischer Mystik nicht immer folgen. Weil es, schönen Tönen, Farben, Linien zum Trotz, an Präzision, Transparenz, Beweglichkeit, Artikulation, Homogenität mangelt. Schön zu hören im Credo, wenn es um den jüngsten Tag geht, darum, dass Lebende wie Tote gerichtet werden. Auf das Wort „mortuos“, die Toten, nimmt Janowski den Chor mit einem grandiosen subito piano zurück, lässt ihn mit der Lautstärke die Farbe ändern, was den Klang so jenseitig macht wie die Dinge, die die Musik hier verhandelt. Die Bläser allerdings spielen selbstzufrieden weiter, als geschehe nicht gerade Unerhörtes in ihrem Rücken.

Kaum ein Werk eignet sich für eine orchestrale Bestandsaufnahme besser als Messiaens „L’Ascension“. Dass diese sinfonische Himmelfahrt überdies Bruckners sehr katholische Spiritualität in die Moderne weiterträgt, rundet den Vormittag auch dramaturgisch vortrefflich. Blech – Holz – Streicher. Schön nacheinander stellt Messiaen Gruppen und Register aus, und schön nacheinander zeigen die, dass sie mit einem Zuchtmeister am Pult erhebliche Reserven mobilisieren können, aber ebenso deutlich auch ihre Defizite. Neben ärgerlichen Unachtsamkeiten vor allem dieses: Das Orchester spielt fast nie wirklich zusammen, was sich wie eine dicke Milchglas-Scheibe vor Messiaens sinfonische Kathedralfenster schiebt.

In zwei Wochen ist Janowski wieder beim MDR. Dann darf er mit dem Chor Brahms’ Nänie, Alt-Rhapsodie und Schicksalslied musizieren und muss dem Orchester Schuberts „Große“ abtrotzen.

10. November, 20 Uhr: Marek Janowski dirigiert im Zauber der Musik, Karten (17–44 Euro) gibt’s unter anderem in der Ticketgalerie (Hainstr. 1), in allen LVZ-Geschäftsstellen oder an der Gewandhauskasse.

Von Peter Korfmacher

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