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Kultur Weltweit Vergewaltigungs-Vorwürfe auf der Fusion
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17:56 07.05.2019
Rund 70.000 Menschen feiern jährlich auf der Fusion. Quelle: imago images/Frank Brexel
Lärz/Neubrandenburg

Die Diskussionen um die Sicherheit des Fusion-Festivals in Lärz geht in eine weitere Runde. Wie die Polizei bestätigte, hat es in den Jahren 2014, 2016 und 2018 jeweils eine angezeigte Vergewaltigung bei der alternativen Veranstaltung gegeben. Zunächst sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, dass in allen drei Fällen Täter verurteilt worden seien. Später rudert Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch zurück: In einem Fall sei der Täter freigesprochen worden, in einem weiterem hätten sich die Verwürfe nach einer medizinischen Untersuchung nicht bestätigt. Bei der dritten Anzeige wisse man nicht, wie er ausgegangen sei.

Rückblick: Zwischen Veranstalter und der Polizei schwelt seit einigen Tagen ein Streit um die Sicherheit des Festivals. Der Polizeipräsident von Neubrandenburg will eine mobile Wache auf dem Festivalgelände installieren und die Veranstaltung durch Beamte bestreifen lassen. Die Polizei begründete ihre Forderung damit, dass sie keine Übersicht über die Kriminalität auf dem Gelände des Ex-Militärflugplatzes habe und bei der Aufklärung behindert werde.

„Keine nennenswerten Zwischenfälle“

Die Zukunft der Fusion stehe damit auf dem Spiel, argumentieren ihrerseits die Organisatoren. Der Verein verwies auf die Freiheit der Kunst und „auf mehr als 20 Jahre ohne nennenswerte Zwischenfälle“. Diese Äußerungen bekommen durch die nun bekannt gewordenen Vergewaltigungsvorwürfe einen schalen Beigeschmack. Öffentlich war davon bislang nichts bekannt geworden. Die Fusion-Veranstalter haben stets die Friedlichkeit der Veranstaltung betont. „Sexualisierte Gewalt wird von uns weder verheimlicht noch totgeschwiegen“, sagt Jonas Hänschel vom Verein Kulturkosmos Müritz. Das Festival sei ein Spiegel der Gesellschaft, mit allen positiven, aber auch negativen Facetten.

Für solche Fälle stehe ein eigenes Team auf dem Gelände bereit, an das sich Opfern wenden könnten. Die Fusion arbeite mit Opferschutzorganisationen zusammen. Die seien auch vertreten, die Helfer seien psychologisch ausgebildet. Liegen begründete Anzeichen für eine Straftat vor, „rufen wir selbst die Polizei“, erklärt Hänschel. Zumindest ein Teil der jetzt bekannt gewordenen Vergewaltigungen sei auch deshalb juristisch verfolgt worden.

Behörden fordern freien Zugang zum Festivalgelände

Die Behörden an der Mecklenburgischen Seenplatte haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag weiter freien Zutritt zum „Fusion“-Festivalgelände in Lärz gefordert, geben sich aber auch kompromissbereit. Das machten Landrat Heiko Kärger (CDU) und Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch in Neubrandenburg deutlich. „Lassen sie uns reden, ein Miteinander wäre mir wichtig“, sagte Hoffmann-Ritterbusch in Richtung des Veranstalters, des Berliner Vereins Kulturkosmos. Die Behörden wollen sich noch einmal mit dem Veranstalter treffen. Eine Entscheidung über das „Fusion“-Festival soll nach dem 16. Mai fallen. Der Veranstalter muss noch mehrere Auflagen erfüllen, die aber lösbar seien, sagte Kärger.

Das Festival in Lärz soll in diesem Jahr vom 26. bis zum 30. Juni ausgerichtet werden. Nach Angaben der Organisatoren werden etwa 70.000 Besucher erwartet. Nach Angaben der Veranstalter geht es bei der „Fusion“ um Musik unterschiedlichster Spielarten, Theater, Performance und Kino bis hin zu Installationen.

Polizei zählt vor allem Drogendelikte

Was die Kriminalitätsbilanz insgesamt betrifft, wurden 2018 im Rahmen des An- und Abreiseverkehrs der Fusion vor allem Drogendelikte registriert: 187 Fahrten unter Betäubungsmitteleinfluss, 263 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, 105 Sicherstellungen von Drogen. Einzelne Fälle seien in diesen Zahlen allerdings mitunter mehrfach abgebildet, so Polizeisprecherin Mehlberg. Hinzu kamen 2018 insgesamt 20 Diebstähle, ein schwerer Diebstahl sowie je ein Raub und eine Sachbeschädigung. Diese Anzeigen wurden größtenteils nach der Fusion gestellt, als die Betroffenen wieder zu Hause waren, sagt die Sprecherin.

Der Verein Kulturkosmos Müritz hatte im Vorfeld betont, dass das Fusion-Festival mit Blick auf die Sicherheitsstandards grundsätzlich eine saubere Bilanz habe: Die Veranstaltungen seien im Hinblick auf Fluchtwege und Notfallpläne immer zuverlässig abgesichert, hieß es. Für Mittwoch kündigten die Organisatoren im Berliner Gorki-Theater eine Pressekonferenz zum Thema an.

Mehr als 81 .000 Unterschriften bei Petition

Derweil stößt eine Internet-Petition gegen eine geplante Polizeiwache auf dem Fusion-Festival in Lärz (Mecklenburgische Seenplatte) auf großen Widerhall: Mehr als 81.000 Menschen haben sie bis zum Dienstagnachmittag unterzeichnet. Sie sind „gegen anlasslose Polizeipräsenz auf friedlichen Kulturveranstaltungen“.

Von RND/dpa

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