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Kultur Weltweit Wagners Welttheater in Nordostwestfalen Teil zwei: „Die Walküre“ im Stadttheater Minden
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17:51 16.09.2019
Fabelhaft: Kathrin Goering als Fricka, Renatus Mészár als Wotan. Quelle: Friedrich Luchterhand / Der Ring in Minden
Minden

Menschen kann er, der Regisseur Gerd Heinz, der im beschaulichen Minden an der Westfälischen Pforte seit 2015 Richard WagnersRing des Nibelungen“ inszeniert hat. Ein Gemeinschaftsprojekt des Mindener Wagner-Verbandes, des Mindener Stadttheaters und der Nordwestdeutschen Philharmonie aus Herford. Seit 2015 erlebten die Einzelabende der Tetralogie ihre Premieren, nun läuft der erste Zyklus – am Sonntag dessen zweiter Teil „Die Walküre“.

Großes Musikdrama im kleinen nordostwestfälischen Haus: Der „Ring in Minden“

In der ist alles anders als drei Tage zuvor beim „Rheingold“. Und das eben liegt auch daran, dass Gerd Heinz mit Menschen umgehen kann. Jedenfalls ist mit dem ersten Auftritt Thomas Mohrs als Siegmund und Magdalena Anna Hofmanns als Sieglinde eine andere Kraft zu spüren auf der kleinen Bühne vor dem großen Orchester. Da führen nicht Götter und Mischwesen Posen vor, da werden Gefühle Theater. Obschon ja in diesem Weltendrama bei Lichte gesehen ziemlich viel episch gequatscht wird. Ständig referiert auf der Bühne wer, was bisher geschah, noch kommen könnte, warum und woher. Doch auch diese langen Erzählungen gehen auf in einem Theater, das den Zuschauer an der Gurgel packt, indem es plausibel, glaubwürdig und lebendig eine ziemlich komplizierte Geschichte erzählt. Auf beengtem Raum, mit sehr begrenzten Mittel (Bühne und Kostüme: Frank Philipp Schlößmann), aber mystisch aufgeladen durch die magischen Video-Projektionen Matthias Lipperts.

Immer näher an den Abgrund

Und während man da mit den Zwillingen Siegmund und Sieglinde, dem finsteren Hunding, Wotan, seiner Frau Fricka und den Walküren um Brünnhilde immer näher an den Abgrund gezerrt wird, stellt sich bohrend die Frage, warum Heinz nicht schon im „Rheingold“ so glutvoll inszenierte. Schließlich sind bei Wagner die Götter auch nur Menschen.

Im Orchester beginnt der erste Nibelungen-Tag ebenfalls überzeugender als das „Rheingold“-Vorspiel. Schäumte am Donnerstag Vater Rhein noch ungeklärte Abwässer auf, dringen in der „Walküre“ die ersten gehetzten Töne bereits bis ins Innerste vor und lassen den Zuhörer bis zum Feuerzauber fünf Stunden später nicht wieder los. Frank Beermann spannt die drei Aufzüge mit dem Orchester auf der Bühne als gewaltigen Bogen auf, hält den Klang der Nordwestfalen lebendig und wandelbar, doppelt mit dem komplexen Gewirk der Leitmotive nicht nur illustrativ das Bühnengeschehen, sondern sorgt dafür, dass das Drama im Aggregatszustand der Musik die Seele erreicht.

Exzellentes Orchester

Die Kraft, mit der die Nordwestdeutsche Philharmonie, deren Chefdirigent von 2006 bis 2009 übrigens der heutige Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons war, die Partitur auflädt, die Spielwut die Disziplin, die Schnelligkeit, mit der das Orchester auf Beermanns präzise sinnliche Zeichen reagiert, die Farbenpracht und die klangliche Kommunikation untereinander lassen am zweiten Abend tatsächlich nichts vermissen. Was auch für die Sänger gilt – die es im Einzelfalls durchaus sogar übertreiben. Das Haus ist klein, das Orchester sitzt zwar auf der Bühne, aber unter dem Bühnenhaus, das viel Energie aufzunehmen in der Lage ist. Dazu ist Beermann ein in der Wolle gefärbter Opern-Profi, der sicher dafür sorgt, dass das Orchester die Sänger nicht übertönt. Aber die sehen offenbar nur den gewaltigen Klangkörper mit ihnen die Bühnenbretter teilen und schalten sofort den Power-Modus frei.

Der Wotan Renatus Mészárs und die Brünnhilde Dara Hobbs’ singen bisweilen, als gelte es, in der Arena di Verona auf der gegenüberliegenden Seite den Marmor zu zerstäuben. Und weil die Rest-Walküren es kaum anders halten und auch der sensationelle Thomas Mohr als Siegmund immer mal wieder in den Lautstärke-Strudel gerät, wäre in dieser kleinen „Walküre“ hin und wieder weniger mehr.

Lyrische Zwischentöne

Zumal alle Beteiligten auch die Kunst der Zurückhaltung beherrschen. Wenn Mohr und Hofmann sie im ersten Aufzug aufsuchen, die lyrischen Zwischentöne, dann geht über der Bühne die Sonne auf. Nicht anders ist es, wenn am anderen Ende der Oper zwischen Wotan und Brünnhilde die Liebe zwischen Vater und Tochter die Oberhand behält, Mészár Hobbs zärtlich auf den Felsen bettet und dabei mit seinem enormen Organ Töne tiefer Zärtlichkeit findet. Tijl Faveyts ist als Hunding weit mehr als der grummelnde Schlagetot vieler anderer Produktionen, Kathrin Goering aus dem Ensemble der Oper Leipzig als Fricka wieder die unnahbare Souveränität selbst – und gibt überdies noch die Waltraute. Die Walküren-Kolleginnen Ines Lex, Christine Buffle, Julia Bauer, Katharina von Bülow, Dorothea Winkel, Tina Penttinen und Yvonne Berg können ebenfalls sehr, sehr laut singen – bei Bedarf aber auch Töne der Angst, der Verstörung, der schwesterlichen Zuneigung untermischen.

Der Applaus fürs singende Personal ist am Ende gewaltig – aber er wird noch deutlich übertönt durch den rundum berechtigen Jubel, der Frank Beermann und der Nordwestdeutschen Philharmonie bereits in den Pausen entgegenbrandet von Seiten des Publikums, das auch in Minden langsam hineinwächst ins „Ring“-Gefühl, das eine Menschenmenge innerhalb von vier Tagen zur eingeschworenen Gemeinschaft zusammenzwingt mit schmerzendem Sitzfleisch und erhobenen Gemüts.

Der Ring in Minden: 19. September: Siegfried I, 22. September: Götterdämmerung I; 26. September: Rheingold II, 29. September: Walküre II; 3. Oktober: Siegfried II, 6. Oktober: Götterdämmerung II; www.ring-in-minden.de

Von Peter Korfmacher

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