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17:20 14.10.2019
Die Nominierten (v. l.): Raphaela Edelbauer („Das flüssige Land“), Norbert Scheuer („Winterbienen“), Tonio Schachinger („Nicht wie ihr“), Jackie Thomae („Brüder“), Saša Stanišić („Herkunft“) und Miku Sophie Kümel („Kintsugi“). Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Wer bekommt ihn dieses Mal? Seit 2005 blicken jedes Jahr im Herbst Verleger, Schriftsteller und Literaturkritiker mit Spannung auf die Verleihung des Deutschen Buchpreises. Dotiert ist die Auszeichnung mit 25.000 Euro für den Gewinner und jeweils 2500 Euro für die fünf weiteren Nominierten. Viel wichtiger aber ist die mediale Begleitung des Nominierungsprozesses mit Longlist, Shortlist und dann der Verleihung, sodass die anfangs 20, später sechs Nominierten ständig in Medien und Buchläden präsent sind. Zumindest der Sieger, oft aber auch weitere Nominierte haben die Garantie, einen Bestseller zu landen. Wer es wird, wird am Montagabend im Rahmen der Preisverleihung gegen 18.55 Uhr bekannt gegeben.

Ein Fußballroman auch für Nichtfußballfans

In diesem Jahr ist es außergewöhnlich, dass unter den sechs Büchern auf der Shortlist drei Debütanten stehen. Tonio Schachingers Fußballroman „Nicht wie ihr“ (Kremayr & Scheriau, 304 Seiten, 22,90 Euro) kann als Geheimtipp auf der Liste gelten. Der erste Satz im Buch des 27-jährigen Österreichers macht schon einmal viel Spaß: „Wer keinen Bugatti hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie angenehm Ivo gerade sitzt.“ Ivo, das ist Ivo Trifunovic, österreichischer Nationalspieler bosnischer Herkunft. Das Buch ist eine große Freude für Fans von Fußballbüchern, da Ivo Teil der realen Fußballwelt ist, also gegen Bayern München Tore schießt und Fußballer wie Leon Goretzka und Max Meyer für „seelenlose Maschinen“ hält.

Aber auch wer sich nicht für den Volkssport Nummer eins interessiert, steht nicht im Leseabseits. Denn in erster Linie handelt das Buch von der Beziehung von Ivo zu Jessy, einer dieser perfekt aussehenden Fußballerfrauen, die – wie alles Perfekte – irgendwann langweilig wird, weshalb sich Ivo in seine Jugendliebe wiederverknallt. Und es geht um die Schwierigkeiten, die Ivo als Nicht-Urösterreicher in und mit der Nationalmannschaft hat, um Männlichkeitsideale und Einblicke in eine absurde Luxuswelt.

Der eigentliche Hauptdarsteller des Buchs aber ist die Sprache. Sie changiert zwischen Jugendsprache, Fußballerslang und lässig dahingeworfenen Sprachhappen: „Trotzdem ist sein erster Impuls, als er in einer der österreichischen Scheißzeitungen einen Artikel mit der Überschrift ,Ivo Trifunovic ein Opfer?’ sieht, sofort zu antworten: ,Oida, deine Mama ist ein Opfer’, ohne zu wissen, wem jetzt genau.“ Oida, großartig!

Eine unruhige Feier der Liebe

Ebenfalls ein Debüt auf der Shortlist ist der Roman „Kintsugi“ (S. Fischer, 304 Seiten, 21 Euro) von Miku Sophie Kühmel. Kintsugi nennen die Japaner das Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Um welche Brüche es in dem Roman gehen könnte, bleibt zunächst unklar. Max und Reik feiern ihre Liebe, seit 20 Jahren sind sie nun zusammen. Auch ihr ältester Freund Tonio und dessen Tochter Pega, die alle drei mehr oder weniger gemeinsam großgezogen haben, kommen zu diesem Feierwochenende am See. Doch ein ruhiges, schönes Beisammensein wird es nicht.

Im dritten Debüt auf der Liste geht die junge österreichische Autorin Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund. Doch mit dem Grund ist es nicht ganz einfach, denn der Ort, in dem „Das flüssige Land“ (Klett-Cotta, 350 Seiten, 22 Euro) spielt, steht auf einem riesigen Loch, in dem alles verschwindet, was die Dorfbewohner loswerden wollen. Da ist weniger Grund als Abgrund. Die Vergangenheit wird in diesem von einer geheimnisvollen Gräfin gesteuerten Flecken kollektiv verdrängt. Eine ideenreiche Parabel auf Österreich und seinen Umgang mit dem Nationalsozialismus.

Bei Norbert Scheuer summt und brummt es

Bei Norbert Scheuer – um nun zu den arrivierteren Schriftstellern zu kommen – summt und brummt es. In „Winterbienen“ (C. H. Beck, 319 Seiten, 22 Euro), das im Jahr 1944 spielt und ein gutes Bienenjahr lang dauert, geht er dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg auf die Spur. Die friedlichen Bienen stehen den angreifenden Bombern entgegen.

Jackie Thomaes erzählt in „Brüder“ (Hanser, 432 Seiten, 23 Euro) die Geschichte von zwei Halbbrüdern, die wenig mehr verbindet als ihre Hautfarbe. Genauso wie die Autorin sind ihre Protagonisten Kinder eines schwarzen Vaters und einer weißen Mutter. Der Roman spielt zum Teil in den feierwütigen 90er-Jahren, als Kategorien wie Hautfarbe, Nationalität und sexuelle Orientierung für kurze Zeit unwichtig waren.

Favorit ist Saša Stanišić’ Roman „Herkunft“

Der große Favorit des diesjährigen Buchpreises aber ist Saša Stanišić’ Roman „Herkunft“ (Luchterhand, 368 Seiten, 22 Euro). Stanišić war 14, als seine Heimat Jugoslawien in Stücke fiel. Vor dem Krieg fliehend, landete er mit seiner Mutter in Heidelberg. Er blickt in diesem Roman auf verschiedene Heimaten und auf eine Welt, die für die Ewigkeit gebaut schien und doch zusammenfiel. Wie ist es, seine Welt zu verlieren? Was bedeutet es, in einer neuen Umgebung Fuß fassen zu müssen? Nirgends liest man es so schön, so poetisch wie bei Stanišić.

RND

Von Kristian Teetz/RND

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