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Kultur Leipziger Familienzwist im Spätmittelalter: Historiker Kunze veröffentlicht Schöffenbuch
Nachrichten Kultur Leipziger Familienzwist im Spätmittelalter: Historiker Kunze veröffentlicht Schöffenbuch
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14:07 06.02.2013
Von Matthias Puppe
Blick in die Originalseiten des Leipziger Schöffenbuchs von 1420-1478. Quelle: Leipziger Stadtarchiv
Leipzig

Ganz private Einblicke in das Zusammenleben der Leipziger in dieser Zeit bietet nun die detaillierte Abschrift eines historischen Registers. Am Donnerstag stellt der Historiker Jens Kunze „Das Leipziger Schöffenbuch 1420-1478“ im Rahmen der Vortragsreihe zur Stadtgeschichte vor.

„Das Schöffenbuch listet die so genannte freiwillige Gerichtsbarkeit auf, also praktisch alles, was heute von Notaren erledigt wird und damals von Stadtschreiber und Schöffenschreiber dokumentiert wurde“, erklärte der 45-Jährige gegenüber LVZ-Online. Dazu gehören vor allem Eheverträge, Hausverkäufe und Hypotheken. „In der Regel sind die Einträge auch eher eintönig, aber in der Gesamtheit lässt sich das gut auswerten“, sagt Kunze.

Leipzig. Das 15. Jahrhundert war für Leipzig ein sehr erfolgreiches. Die einstige slawische Siedlung am Zusammenfluss von Elster und Parthe wuchs in dieser Zeit zur bedeutendsten Stadt Sachsens heran. Ganz private Einblicke in das Zusammenleben der Leipziger in dieser Zeit bietet nun die detaillierte Abschrift eines historischen Registers.

Der Historiker studierte einst bei Professor Enno Bünz am Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte in Leipzig. Nach Forschungen an der Universität Marburg zu frühneuzeitlichen Leichenpredigten kehrte er an die Pleiße zurück. „Als der Professor mich ansprach, ob ich nicht an den Bänden zur Leipziger Stadtgeschichte mitarbeiten will, war ich natürlich dabei. Ich habe dann mit der Abschrift des Schöffenbuchs begonnen“, sagt der Historiker.

Der Leipziger Historiker Jens Kunze hat das Leipziger Schöffenbuch aus dem 15. Jahrhundert untersucht. Quelle: Privat

Die nun im Leipziger Universitätsverlag veröffentlichte Version bietet auf den ersten Blick 519 nüchterne Einträge zu etwa 5000 Personen des spätmittelalterlichen Leipzig – ohne Kommentierung. „Eine Interpretation der Einträge muss jeder Leser selbst vornehmen“, sagt der Wissenschaftler zurückhaltend und fügt an: „Aber man erfährt zum Beispiel aus den Eheverträgen, dass es – wie man heute sagen würde – viele Patchwork-Familien in Leipzig gab. Auch über den Standort bestimmter Häuser oder so manche Familienstreitigkeiten ist viel zu lesen.“

Darüber hinaus lasse sich auch erkennen, wie aufstrebend Leipzig in dieser Zeit war, wie die Siedlung an der Pleißenburg auch das bis dahin bedeutendere Freiberg überflügelte. „Aus heutiger Sicht mögen die 8000 Einwohner nicht viel erscheinen, damals war das aber sehr anständig. Auch über internationale Beziehungen – etwa nach Breslau und Nürnberg oder nach Berlin, das damals ja noch ein Nest war – lässt sich im Buch so Einiges erfahren“, berichtet Kunze. Nicht zuletzt spiele natürlich auch die 1409 in Leipzig gegründete Universität eine bedeutende Rolle in den Einträgen.

Am Donnerstag stellt der Historiker seine Abschrift um 19.30 Uhr in der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig persönlich vor. Danach vertieft er seinen Blick wieder in die historischen Gerichtsakten. „Ich bin nun mit einem Projekt im Staatsarchiv betreut. Dort werte ich sächsische Gerichtsbücher aus, die vom 15. bis ins 19. Jahrhundert reichen. Das sind etwa 22.000 Bände“, sagt Kunze.

Matthias Puppe

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