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06:00 19.07.2018
Bläserband Quelle: promo
Leipzig

Fünf Mails, fünf Abwesenheitsnotizen. Auf die Presseanfrage, was Leipziger Clubs denn so in diesen als Sommerloch geschmähten Wochen machen, scheint die Antwort zunächst zu sein: Urlaub. Ganz abwegig ist das nicht, bestätigen diejenigen, die die Stellung halten. Natürlich setzt im Sommer eine gewisse Stadtflucht ein, und das macht auch vor dem fleißigsten Clubpersonal nicht halt: „Irgendwann muss man ja mal – aber ein Sommerloch in diesem Sinne haben wir nicht“, meint Antje Hamel, Pressechefin des Werk 2. Wie zur Bestätigung steht für Mittwoch Abend das Konzert der Lucky Chops an, einem New Yorker Blasorchester, das alle musikalischen Grenzen sprengt.

Mario Wolf, Geschäftsführer der Moritzbastei, äußerst sich ähnlich: Neben Urlaubshäufung der Festangestellten arbeitet programmabhängig nicht immer die volle Belegschaft der pauschal Beschäftigten. Die Band-Betreuung etwa hat Pause, da es in den Sommermonaten viel weniger Live-Konzerte gibt, die Bands konzentrieren sich auf Festivals. Einen generellen saisonbedingten Personalabbau gibt es weder in der MB noch im Werk 2. Die wichtigsten Partyreihen wie etwa „All you can dance“ laufen weiter, dazu kommt einiges an Ferienprojekten, Sommertheater oder -festen und anderen Outdoor-Events dazu.

Andere Locations fahren deutlich auf Spar- oder gar keiner Flamme: „So&So macht dicht“ hieß die große Abschlussparty des gleichnamigen Clubs in der Theresienstraße, vor ihrem zweimonatigen „Summerclosing“ in einer Zeit, in der laut Ankündigung „sogar der Cossi gern baden gehen würde.“ Ein Sommerpäuschen zur privaten Regeneration oder Arbeiten am Club gibt es im August auch in Ostdeutschlands ältestem Technoclub, der Distillery. Inhaber Steffen Kache verrät, dass gerade das die Gäste anzieht: „Die Party-Specials zum Anfang und Ende der Pause sind immer knallvoll.“

Dennoch macht das anhaltend heiße Wetter gerade Locations im Electrobereich zu schaffen – Feiernde treffen sich scharenweise eher auf halb- oder illegalen Technoparties im Freien. „Alle Clubbetreiber wünschen sich ab Freitagnachmittag Nieselegen“, meint Kache schelmisch und stellt zur frühzeitigen Hitze in diesem Jahr fest: „Für uns findet das Sommerloch eigentlich im Frühsommer statt, so ab Mai. Wenn’s erstmals im Jahr richtig warm wird, wollen alle erst mal raus.“ Ab Mitte Juli werde es sogar wieder normal, „da hatten alle ihr Festival und kommen wieder in den Club.“

Auch der offizielle Festivalboom geht nicht spurlos an Leipzig vorbei: „Für die Stadt ist die hohe Zahl von guten und großen Festivals natürlich eine beneidenswerte Situation – da sollte man eigentlich auch als Club nicht meckern“, findet Wolf. „Aber wenn etwa das Melt stattfindet, kommt hier keiner auf die Idee, parallel in der Stadt eine Techno-Party zu veranstalten. Und wir lassen am Highfield-Wochenende den Alternative Floor bei ,All you can dance’ dicht.“

Andere versuchen, selbst im Festival-Geschäft mitzumischen: Das Werk 2 veranstaltet Mitte August das Beatz im Block im Schönauer Park, tags darauf auf ihrer Freifläche erstmals das Kinder-Rock-Festival. Aus der Distillery heraus ist das Th!nk?-Festival am Cospudener See (29. Juli) entstanden und fungiert für Kache als weiteres Standbein, um das Sommerloch etwas abzufedern.

Wolf verrät, dass die Moritzbastei versucht hat, den Sommer einfach zu verneinen: „Viele Jahre sind wir gegen den Strom geschwommen und haben besonders viel angeboten. Aber es hat nicht so viele interessiert, wie wir uns gewünscht hätten. Da ist es vernünftig, sich von Sachen zu verabschieden. Aber wir verwenden Anstrengungen auf neue, spezielle Sommerformate.“

Denn zu behaupten, zwischen Juni und August würde Leipzig in puncto Nachtleben kulturell brach liegen, ginge an den Tatsachen weit vorbei. Sobald ein Veranstaltungszentrum auf mehreren Beinen steht, läuft mindestens eins davon im Sommer sogar besser. „Der Sommer findet klar draußen statt und gehört den Außenflächen“, so Wolf, Kache ergänzt: „Du musst Frischluft anbieten.“

In der Moritzbastei wandern einige Formate nach draußen, etwa Tim Thoelkes Quizshow „Riskier dein Bier“ oder das „Kneipenquiz mit Anne“. Beides zieht sogar mehr Gäste an als unterm Dach, auch das kostenlose Open-Air-Sommerkino ist stets besser besucht als sein Pendant in Restjahr. Das wohl bekannteste Saisonzugpferd der MB ist ihr Sommertheater (dieses Jahr ab 8. August), das abwechselnd die Inselbühne und die Theaterturbine bespielen, hier reiht sich in den letzten Jahren eine ausverkaufte Vorstellung an die andere.

Doch auch bei anhaltendem kulturellen Reichtum ist der Sommer für die Clubs keine Goldgrube: „Wenn man gut kalkuliert, dann gibt’s keine finanziellen Einbußen“, kann Hamel für das Werk 2 vermelden, Kache gibt für die Distillery offen zu: „Im Sommer spielst du nicht alles ein, was du brauchst. Aber wenn du länger zumachen würdest, wäre es noch teurer.“ Auch Wolf verrät: „Seit die Moritzbastei existiert, geben wir im Sommer mehr aus, als wir einnehmen. Deshalb assimilieren wir und machen dort Veranstaltungen, die uns besonders lieb sind.“ Meckern möchte er keinesfalls, denn von anderen Clubs hört die Moritzbastei schon mal: „Euer Sommerloch hätte ich gerne.“

Von Karsten Kriesel

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