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Kultur Marco Runge inszeniert „Ritter Unkenstein“ am Gohliser Schlösschen
Nachrichten Kultur Marco Runge inszeniert „Ritter Unkenstein“ am Gohliser Schlösschen
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17:48 02.07.2019
Griff nach der Welt: Schauspieler Marco Runge liebt es, neue Erfahrungen zu sammeln.
Griff nach der Welt: Schauspieler Marco Runge liebt es, neue Erfahrungen zu sammeln. Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

Marco Runge lacht. Erst mal nichts Ungewöhnliches, denn Marco Runge ist ein tendenziell fröhlicher Mensch. Bemerkenswert dabei ist eher die hohe Ansteckungsgefahr für die Umgebung, denn der Schauspieler, Musiker und Regisseur reißt einen durch seine Herzhaftigkeit unweigerlich mit. Und wenn es um sein bisheriges Leben geht, das gern mal im Zickzack Haken schlägt wie ein Hase auf offenem Feld, hat der Mann amüsant-kuriose Geschichten auf Lager. Der nächste Abschnitt im Künstlerdasein steht nun kurz bevor: Am Mittwoch kommt Runges Inszenierung von Karl Valentins „Ritter Unkenstein“ im Gohliser Schlösschen zur Premiere.

Grandioser Humor Valentins

Eine Komödie des stilrichtungsweisenden Komikers und Autors (1882-1948) stand schon seit einer Weile auf der Agenda des Leipzigers. „Ich habe mehrere seiner Bücher im Regal, sein Humor ist grandios“, sagt Runge. Die Geschichte dreht sich um einen streitwütigen Ritter, der es sich mit seinen Mitmenschen verscherzt und sich damit arrangieren muss, dass seine Tochter ausgerechnet ein Kind von seinem Erzfeind Rodenstein auf die Burg mitbringt. Und dann wird auch noch seine Burg angegriffen. Der Mittelalter-Persiflage fügen er und das Ensemble 70 Jahre nach der Uraufführung einige der Aktualität angepasste Elemente hinzu. „Das wird ein schöner Spaß“, verspricht er.

David Lee Roth meets Huckleberry Finn

Runge ist einer, der sofort ins Auge fällt. Optisch erinnert er an eine Mischung aus Van-Halen-Sänger David Lee Roth und wie man sich Mark Twains „Huckleberry Finn“ vorstellt. Sie alle eint eine Wildheit in Habitus und Blick, ein Hang zum Unangepassten, zu einer Ausprägung des Aufmüpfigen, das sich aus Charme und Chuzpe gleichermaßen speist.

Erstmal KfZ-Schlosser

Im frühen Lebenslauf deutet erst mal nichts darauf hin, dass Runge als freier Künstler durch Leipzigs Kulturszene vagabundiert. Bis zum 16. Lebensjahr hat er als Verteidiger bei Chemie Torgau die Abwehr dichtgehalten. „Ich bin ja kein Hüne, aber irgendwie hab’ ich die immer alle weggetreten“, sagt er und lacht sein Runge-Lachen. Nach der Schule begann er eine Lehre als KfZ-Schlosser, stellte jedoch früh fest, dass seine Welt nichts mit Wartung und Instandsetzung von Blech-Vehikeln zu tun haben sollte.

Rock’n’Roll bekam Vorfahrt

Die eigene Kurzfassung geht so: „Ich hab’ die Lehre geschmissen, mir ne Gitarre gekauft, die Haare gefärbt – ab diesem Zeitpunkt war alles Rock’n’Roll!“ Akribisch brachte sich Runge, der vor allem die Rolling Stones rauf und runter hörte, das Spiel an der Sechssaitigen bei, leistete Zivildienst in einem Torgauer Heim für Behinderte. Um sein Abitur nachzuholen, zog er 1998 nach Leipzig und stürzte sich in die Musikszene. Bandprojekte unter Namen wie Creeping, Wolf oder Die Sponx entstanden mit seiner Beteiligung an Gitarre und Mikro.

Hauptrolle in den Cammerspielen

Mit dem Abi in der Tasche studierte Runge in Leipzig Kunstgeschichte. Da einer wie er aber immer rund um die Uhr etwas zu tun haben muss, schaute er mal bei den Cammerspielen vorbei. „Mir hat das gefallen, was die da gemacht haben“, berichtet er. Als die freie Bühne auf dem Werk 2-Gelände Schauspieler für eine neue Inszenierung suchte, ging er zum Casting – und bekam die Hauptrolle. Die Farce „Wie man Träume tötet oder Der Poet im Muschelgrund“, Premiere am 23. Mai 2002, muss eine ziemlich durchgeknallte Angelegenheit gewesen sein.

Irre Zeit mit Anarcho-Truppe

Seit diesem Ur-Erlebnis hat Marco Runge so ziemlich jede Leipziger Bühne bespielt. Theater-Jugendclub („obwohl ich viel zu alt warm hat aber keiner gemerkt“), Schauspiel, Lofft, Haus Steinstraße, Neues Schauspiel und so weiter. Nebenbei mischte er mit der Sonic Funk Communitas die hiesige Musiklandschaft auf. Die Entstehung seiner Band-Mitgliedschaft wurzelt in der Begegnung mit Musiker Marcus Wilmsmann, der ihn fragte: „Hast du Bock auf Rock’n’Roll?“ Die Antwort kann sich jeder denken. „Dann hast du am Samstag einen Auftritt“, hieß es. Eine irre Zeit mit einer Anarcho-Truppe, erinnert sich der Künstler mit dem Wasserblau in den Augen und dem Weizenweiß im Haar.

Musik, Schauspiel und Regie

Er gehörte auch zur noch immer in der Szene gerühmten Band Monte Filet, die bis vor zwei Jahren ein originelles Folk-Rock-Pop-Gemisch zusammenrührte. Sein beständigstes musikalisches Projekt ist das Trio „Die Lyrischen Saiten“, das seit knapp 20 Jahren existiert. Als Schauspieler war er zuletzt vor allem bei Stücken von Tilo Esches Unternehmen Bühne präsent. Daneben gibt der umtriebige Leipziger Theater-Workshops am Schiller-Gymnasium, inszeniert einmal im Jahr die im Krystallpalast Varieté stets ausverkaufte Kinderrevue „petit souci“ – und aktuell eben „Ritter Unkenstein“. Spielen werden Thomas Deubel, Ricardo Endt, Elena Maria Pia Lorenzon und eben Runge.

„Ich hab richtig Bock drauf“

Zur Arbeit als Regisseur (mit einer kleinen eigenen Rolle) kümmert sich der 45-Jährige sogar auch noch um Bühnenbild, Organisation und Vorverkauf. Er wird auch abends an der Theaterkasse des Schlösschen-Gartens stehen. „Klar, ist schon ’ne ganze Menge Arbeit“, gibt er zu, „aber ich hatte richtig Bock drauf“. Das zählt. Denn eins kann man ganz sicher von dem Mann sagen, der Udo Lindenberg innig liebt und eine Dauerkarte für RB-Leipzig-Heimspiele besitzt: Wenn Marco Runge auf etwas richtig Bock hat, ist er nicht zu stoppen. Denn das Leben ist Rock’n’Roll.

„Ritter Unkenstein“-Termine: 3. bis 8. und 14. bis 28. Juli, jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Karten für 18/13 Euro unter 0341 56147205 und tickets@sommertheater-leipzig.de; Vorverkauf im Restaurant des Schlösschens, Musik Oelsner und Culton.

Von Mark Daniel