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Kultur Saubere Sache: Soap „Putzen“ im Laden auf Zeit
Nachrichten Kultur Saubere Sache: Soap „Putzen“ im Laden auf Zeit
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17:28 29.04.2016
Putzig: Sandra Eckardt, Mario Rothe-Frese und Marie Wolff (v. l.). Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Im Laden auf Zeit sieht’s aus wie bei Hempels. In der Spielstätte des Theater Pack stellt sich eine Euro-Palette quer, zusammengeklappte Stühle stehen Spalier, es fusselt und es flust. Gut, dass die Reinigungskräfte anrücken. Cordula Maier, Charlotte Margarethe Huhn und Ronny Tenschel („Du kannst auch Ron sagen“) schaffen zur Premiere der Soap „Putzen“ am Donnerstagabend eine Atmosphäre zwischen Realität und Kunst.

Bemerkenswert naturalistisch wirkt es, wenn Marie Wolff, Mario Rothe-Frese und Sandra Eckardt diesen unkonventionellen Theaterladen betreten, sich fremdelnd beschnuppern und allmählich in ihre Charaktere fühlen. Wolff ist die verklemmte, stocksteife Studentin voller Unentschlossenheit, die ein Buch über Veränderungen der Welt verfasst und nicht weiß, wie und wo sie sich darin bewegen will.

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Cordula ist die unbekümmert Flippige, die aktuelle Spargelkönigin Thüringens, die in ihrer Freizeit gern singt und alles um sich herum in der Farbe sieht, die ihre Leggins hat: rosa. Bloß vor Spinnen hat sie Angst. Ronny lässt zum Auftakt noch nicht blicken, welche Leichen im Keller seines Lebens liegen und was genau den auffällig eifrigen Fensterputzer und Vater von fünf Kindern zu einem Verlierer gemacht hat. Sehr stark und für die weiteren Folgen viel versprechend, wie sich die Figuren entwickeln und an keiner Stelle platte Klischees bemüht werden.

Situationskomik wie das Quietschen des Fensterwischers, irrlichternde Blicke und beredtes Schweigen tun ihr Übriges, um das Publikum zu amüsieren. Putzt Rothe-Frese von außen und wird von einem Hund angeknurrt, wandelt sich die Kohlgartenstraße zum erweiterten Spielraum.

Kaum zu glauben, dass das Meiste improvisiert ist. Zu wenig genutzt bleibt nur der Bezug auf den Ort des Putzgeschehens – kein Lästern übers Theater, kein Jammern über die Selbstausbeutung als freie Schauspieler. Beim Stichwort „Flüchtlinge“ herrscht zu schnell Einigkeit über Solidarität als Pflicht – ein Konflikt wäre da spannender gewesen.

Doch auch ohne den vergeht die gute Stunde schnell, zumal sich allmählich ein Konkurrenzkampf der so unterschiedlichen Damen um Ronny andeutet. Gelungener Beginn einer Soap, die übrigens Unternehmen buchen können, zugeschnitten auf eigene räumliche wie betriebliche Besonderheiten. Die Premiere jedenfalls zeigt den Nutzen des Konzepts für alle Beteiligten: Das Publikum hat Spaß, das Pack-Team auch – und zum Schluss blitzt die Bude. Quasi eine Win-Win-Win-Situation.

Nächstes „Putzen“ am 12. und 26. Mai, je 20 Uhr, Buchungen unter 0157 71369895 oder kontakt@theaterpack.com.

Von Mark Daniel