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Kultur Sommertheater in Leipzig: Irrwitziger Parforceritt mit Django
Nachrichten Kultur Sommertheater in Leipzig: Irrwitziger Parforceritt mit Django
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14:11 28.07.2017
Larsen Sechert als Djangos Gegner Major Jackson. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Er lässt sich förmlich spüren, der trockene Staub der Prärie. Die Saloon-Atmosphäre mit Schwingtür, unterschiedlichen Gästen, Wirt, Musiker und vielen Flaschen Hochprozentigem ist sichtbar, obwohl auf der Bühne im Hof der Feinkost nichts vorhanden ist außer einem einzigen Mann, der am Ende seiner kunstvollen Anstrengung so nass ist, als es habe durchs Dach geregnet an diesem tiefgrauen Mittwochabend. „Django – ein Cartoon-Western“ , die jüngste Produktion von Knalltheater-Betreiber Larsen Sechert, ist ein Parforceritt im wahrsten Wortsinn. Ein fantastischer.

Als Folie für sein Solo nimmt der Schauspieler, Clown und Pantomime – beim Sommertheater gern fokussiert auf die humoristische Aufarbeitung von Filmklassikern – Sergio CorbuccisDjango“. Kennen muss man den 1966er Italo-Western mit Franco Nero in der Titelrolle nicht, um Handlung und Personen nachvollziehen zu können.

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Dafür sorgt Sechert auf faszinierende Art. Geräuschpantomimisch, mit Wechsel von Haltung und Ausdruck und Kopfbedeckung springt er in einem Affenzahn zwischen den Rollen hin und her, streckenweise sind es sechs im Stakkato. Akustisch unterstützt ihn Andreas Vent-Schmidt, der als DJ originale Western-Musik der „Django“-Verfilmung bis zur musealen Kultserie „Bonanza“ sowie Soundschnipsel unterrührt.

Dieser Django also – sogar noch saucool, wenn eine seiner varietéreifen Colt-Jonglagen mal in die Hose geht – entert den Saloon seiner Heimatstadt und bekommt es nach ein paar Schlucken und Flirts mit der Dame an der Bar ziemlich bald mit Major Jackson zu tun. Umringt von seiner Bande terrorisiert und verunsichert er die Gegend. Eine hübsche politische Spitze, dass sein Basecap den „Make America Great Again“-Slogan eines anderen Psycho- und Soziopathen trägt. Nach viel Ballerei und Schlägerei, einer amourösen Episode, Goldraub, Zoff mit Mexikanern und dem Tod Jacksons schleppt Django sich und die tödlich getroffene Liebste fort in den weiten Horizont, in diesem Fall: die hinterste Halle des Hofes.

Unmöglich, die vielen saukomischen Szenen und Gags aufzuzählen. Es ist schlichtweg brillant und hochprofessionell, wie Sechert die Figuren in Sekundenschnelle wechselt, ohne sich zu verheddern, wie er ihnen physiognomische Unverwechselbarkeit gibt. Wie er Atmosphäre aufbaut, in herrlich perfekter Huhn-Motorik über die Bühne gockelt, als Pferd fordernd mit dem Huf scharrt. 60 Minuten sprühender Slapstick. Körperliche und künstlerische Schwerstarbeit, die mit sattem Applaus belohnt wird.

Weitere Termine Donnerstag und Freitag sowie 13. und 14. August auf dem Feinkost-Hof. Beginn jeweils 19 Uhr, Karten für 12/8 Euro bei Culton oder an der Abendkasse.

Von Mark Daniel

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