Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Soul-Band Malky in der früheren Heimatstadt Leipzig: Das Piemont ist überall
Nachrichten Kultur Soul-Band Malky in der früheren Heimatstadt Leipzig: Das Piemont ist überall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 20.01.2017
2014 Leipzigs Band des Jahres – 2017 Leipzig-Besucher aus Berlin: Malky-Sänger Daniel Stoyanov im Täubchenthal. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der erste auf die Bühne geschickte Nebel verfliegt ohne Zweck. Erst aus der zweiten Wolke schält sich am Montagabend im ausverkauften Täubchenthal die Band Malky. Das heißt zunächst: Sänger Daniel Stoyanov und zwei Frisuren hinter ihm. Zu hören ist erstmal nur Stoyanovs Stimme, die nicht nur Soul, sondern auch Seele hat. Nach und nach steigen Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard ein, erst akustisch, dann auch sichtbar. Micha Lorenz spielt ein Gitarrensolo, das die Musik ein erstes Mal aus dem Hier und Jetzt in die 70er Jahre und letztlich ganz aus der Zeit herausführt.

Die Mitglieder von Malky lebten einige Zeit in Leipzig, nahmen hier ihr erstes Album auf und drehten das Video zu „Diamonds“, das 2013 zeigte, was Auswärtige wohl für Hypezig halten. Mittlerweile wohnen die Jungs in Berlin (man ist ja nicht Kraftklub). Sänger Daniel Stoyanov sehnt sich aber manchmal zurück: „Nachts, wenn alle schlafen, gehe ich ins Internet (Kunstpause) und schaue Leipziger Wohnungen an. (Kunstpause) Ist teuer geworden!“ Dieser junge Charme­bolzen weiß, wie er das Publikum für sich gewinnt.

Das gelingt ihm und seiner Band aber natürlich vor allem mit den Songs der beiden Alben, die sie zu einem gut durchdachten, reichlich 100-minütigen Konzert kompilieren. „Where is Piemont“, im Oktober bei Columbia erschienen, steht dabei im Vordergrund. Statt einfach im Atlas nachzuschauen, suchen die Musiker an ganz verschiedenen Stellen: Wie die Gruppe Ja, Panik finden sie dabei den Wohlklang des Städtenamens Antananarivo („Play“); sie finden auch die Heimat ihres Sängers („Bulgaria“) und in Amerika Blues und Country. Dadurch klingen Malky live viel erdiger, rauer und direkter als auf den eher cineastischen Alben. Insbesondere bei den Hits „Diamonds“ und „Oh Theodore“ fällt das auf. Die Songs funktionieren aber auch in dieser reduzierten Art, weil sie eine stets präsente Schwere mit großer Leichtigkeit verbinden und weil sie nicht auf heutige Sounds beschränkt sind. Sehr deutlich wird das am Montagabend in „Told I Must Die“ mit der Leipziger Gastsängerin Maike Lindemann, das die Duette von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra heraufbeschwört.

Alles tanzt

Der ohne Unterbrechung gespielte Block mit den Songs „Beautiful Vacation“, „Play“ und „Cup of Hope“ steigert dann die Dringlichkeit der Musik: düsteres Dröhnen, eine wimmernde „Paris, Texas“-Gitarre, Alex Schildhauers prägendes Schlagzeug und der Funk, der aus Georg Wendes Bass und Malte Bogners Orgel tropft. Das erinnert durchaus an den jungen Stevie Wonder – wieder so ein Ausflug in vergangen geglaubte Zeiten. Alles tanzt.

Am Ende des Konzerts holt die Band das Publikum dann aber zurück ins Europa dieser Tage: „Lampedusa“ handelt von jener Insel im Mittelmeer, die wie keine andere verbunden ist mit dem Schicksal tausender Menschen, die auf Booten aus Nordafrika fliehen. Wie die Band dieses Thema angeht und wie Daniel Stoyanov darüber zum Publikum spricht, ist bewundernswert. „Keine in Deutschland angesiedelte Band hat sich dem derzeit brennendsten politischen Thema in Europa so deutlich angenommen und einen so großen künstlerischen Triumph davongetragen“, urteilt Thomas Weiland im Musikexpress.

Mit „Liqueur Man“ spielt das Quintett im Mittelteil des Konzerts einen Song, der noch nicht veröffentlicht ist. Man habe ihn aufgespart und werde ihn irgendwann auf großer US-Tour in der Show von David Letterman präsentieren. Dass der 2015 in Rente gegangen ist, sollte die ganz offensichtlich zur Zeitreise fähige Band nicht weiter stören.

Von Benjamin Heine

Eines der Hauptstücke in der Ständigen Ausstellung des Grassi Museums für Angewandte Kunst ist wieder komplett: Ein seit rund 150 Jahren in seinen Teilen getrenntes Altarretabel ist jetzt wieder vereint und vom 20. Januar 2017 an für die Öffentlichkeit zugänglich.

17.01.2017

Am Donnerstag steht der nächste Termin der Leipziger Atelierbesuche an. Diesmal können Kunstinteressierte ein gemeinnütziges Programm in der Baumwollspinnerei besichtigen.

16.01.2017

„Halt die Klappe, ich hab Feierabend!“ - Franz Jarnach alias „Schildkröte“ aus der Comedyserie „Dittsche“ ist tot.

16.01.2017