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Kultur Ständig ist die Welt im Weg: Tänzer Hermann Heisig in der Schaubühne
Nachrichten Kultur Ständig ist die Welt im Weg: Tänzer Hermann Heisig in der Schaubühne
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15:58 22.03.2013
Hoppla, da war ja was im Weg: Hermann Heisig, Tänzer aus Berlin, in der Schaubühne Lindenfels. Geboren ist er 1981 in Leipzig, sein Großvater war der Maler Bernhard Heisig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Jemanden auszulachen, ist ein soziales Instrument, in dem nichts wirklich Bösartiges liege. Sagt zumindest der französische Philosoph Henri Bergson (1859 bis 1941) in seinem Buch "Das Lachen - über die Bedeutung des Komischen" und begründet seine These damit, dass Lachen als soziale Geste für die Funktionalität, mithin den Zusammenhalt einer Gruppe unabdingbar sei. Was zwar stimmt, aber - so möchte man gegenhalten - noch nicht automatisch Bösartigkeit ausschließt. Es sei denn, man definiere die "soziale Gruppe" erst mal a priori als positiv.

Das nun kann man mit Blick auf die circa 15 Zuschauer, die sich am Donnerstag in der Schaubühne Lindenfels versammelten, durchaus mal riskieren. Zu sehen gibt es "Slap/Stick", die neue Produktion von Hermann Heisig in Kooperation mit tanz.tausch und Sophiensäle Berlin. Ein Solo, bei dem Heisig für Konzept, Bühne und Performance verantwortlich zeichnet und das inspiriert ist von Bergsons Abhandlung über das Lachen. Was Sinn ergibt, weil dieser Essay gerade auch Fragen nach der Essenz des Komischen in Bezug auf den menschlichen Körper stellt. Die Beweglichkeit des Körpers als Ausdruck der Lebendigkeit der Seele - so ungefähr postuliert Bergson das.

Heisig als Objekt zum Auslachen

Heisig wiederum ist klug und auch Künstler genug, nicht am Postulieren zu kleben. Also nicht Text zu tanzen. Was erwähnt sei, weil man nicht glauben mag, wie kopflastig eine Körperkunst wie Tanz immer wieder daher kommen kann. Choreographierte Papiertiger. Die Gefahr ist in "Slap/Stick" von Anfang an erfolgreich gebannt. Bergson ist hier nur Basis, die Startrampe für eine gut einstündige Performance, in der Heisig sich als das Objekt zum Auslachen anbietet. Und das sehr gekonnt.

Als Nerd mit braunen Schuhen erscheint er im weiten, leeren Bühnenraum. Und scheint dennoch ständig gegen Hindernisse anzurennen. Mit stoischem Gesicht und den eckigen Gesten des Kaschierens. Denn ein einziges Scheitern sind die wiederholten Versuche, grazil oder würdevoll zu schreiten oder halbwegs lässig einen Barhocker zu erklimmen. Es ist das alte Wissen, das Heisig zugespitzt in Reduzierung ausreizt: Die Welt ist dem Menschen ständig im Weg. Man holt sich Beulen an ihr, strauchelt über ihre Hindernisse. Und um das - freilich vergeblich - zu verhindern, verrenkt man sich. Körperlich, charakterlich, seelisch.

Lachen macht das Mensch-Sein erträglich

In den besten Momenten zeigt "Slap/Stick" das, als würde Buster Keaton gewohnt stumm und stoisch Beckett spielen. Was auch heißt, dass dabei der stille, feste, wenn man so will, der innerste Kern des Lachens spürbar wird: Der Mensch macht sich im Lachen seine Nichtigkeit nicht nur bewusst, sondern auch erträglich. Darin liegt eine Essenz - die des absurden Theaters namens Leben.

Und mag Heisig bezüglich Timing und tänzerischer Akkuratesse gelegentlich straucheln, stört das nicht. Da er die Essenz freilegt, kann man auch über dieses Straucheln lachen. Die Nicht-Perfektion erzählt etwas, das gut passt, zu dieser Performance, die neben einer stimmigen Lichtdramaturgie noch mit einer Tonspur Tian Rotteveels bannt, ob deren suggestiver Atmosphäre in Sprödigkeit man bedauert, dass es sie nicht als CD zu kaufen gibt.

Hermann Heisig führt "Slap/Stick" heute um 20 Uhr in der Schaubühne Lindenfels (Karl-Heine-Straße 50) abermals auf, 12/8 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.03.2013

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