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Kultur Überdosis Kunst - So viel war nie beim Spinnerei-Rundgang in Leipzig
Nachrichten Kultur Überdosis Kunst - So viel war nie beim Spinnerei-Rundgang in Leipzig
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19:40 02.05.2013
Von Jürgen Kleindienst
Leipzig

Im Tapetenwerk wird schon heute in den Kunst-Mai getanzt und gefeiert.

Nicht auf Menge, aber auf Überwältigung durch Masse setzt diesmal die Galerie Eigen+Art. Was ist das, was da den Ausstellungsraum düster im Format 6 x 10 x 10 Meter dominiert? Weltraumschrott? Ein Meteorit kurz vor dem Einschlag? Der gewaltig anmutende rund 400 Kubikmeter große Brocken stammt nicht aus den Tiefen des Alls, sondern von Martin Eder. Ein Besucher habe schon gefragt, wie man das Exponat durch die Tür bekommen habe, erzählt Elke Hannemann von Eigen+Art. Es kam natürlich in Einzelteilen. Mit vier Helfern wurde es in acht Tagen aufgebaut.

Eder, der in Dresden studierte und in Berlin lebt, sieht in seiner Arbeit gewissermaßen die innere Form einer Höhle, nach außen gekehrt. Ein hölzernes Gerippe im Inneren stabilisiert die zum größten Teil aus Styropor und Bauschaum bestehende Installation, ein Stahlseil hält sie an der Decke. Was überraschende Effekte auslöst: Weil das wuchtige Werk nur etwa 300 Kilogramm wiegt, beginnt es sich sanft zu drehen, wenn die Dachfenster der Galerie geöffnet sind. Ein Windhauch genügt. Kunst die (sich) bewegt.

Überwältigung allein durch pure Menge und Vielfalt lockt gleich gegenüber in der Werkschauhalle 12. Sage und schreibe rund 120 Künstler zeigt hier ein Berliner Kuratorenteam, das aus dem Ehepaar Irmelin und Reinald Nohal sowie Daniela von Arnim besteht. "Wir zeigen hier ein Tortenstück aus der Berliner Kunstszene, die zur Zeit der Nabel der Avantgarde-Kunst ist." Zu sehen ist ein verrücktes Potpourri aus vielen Genres, dicht an dicht, grell und fein - von Unbekannten, Bekannten und Weltberühmten wie Jonathan Meese.

Nohal, dem man die 75 aber auch so gar nicht anmerkt, der vier Kinder von vier Frauen und zwei Urenkel hat, ist selbst ein Lebenskunstwerk: Geboren in Wien machte er eine Ausbildung bei einer Bank. "Das war aber nichts für mich." Später arbeitet er als Modellbauer und Architekt, geht nach Berlin, wo er für Jahrzehnte Besitzer der Künstlerlokale "Exil" und "Paris Bar" ist. "Meine Freunde waren eigentlich schon immer Künstler." Vor 35 Jahren suchte er eine zweite Welt für sich, fand sie in Dawson City am Klondike River im kanadischen Yukon Territory. Dort baut er ein Blockhaus 60 Kilometer im Busch, hält Schlittenhunde, betreibt das Dawson City Bunkhouse, ein Hotel. Ein Drecksnest mit gut 1200 Einwohnern sei Dawson, sagt er, "mit Trappern, Lachsfischern, Goldsuchern und Bürokraten". 2011 bringt er seine Welten zusammen: "Ich wollte denen mal zeigen, was es in Berlin so an Kunst gibt." Die Schau wird ein Erfolg, kommt unter dem Titel "Berlin - Klondyke" über Los Angeles und Pfaffenhofen nun nach Leipzig.

"Eine echte Überdosis, ein wildes Ding" nennt Spinnerei-Geschäftsführer Bertram Schultze das Projekt. "Zwar führen wir nicht Buch, aber so viele Künstler waren wohl noch nie bei einem Rundgang." Ganz bewusst habe man sich diesmal zeitlich vom Gallery Weekend in Berlin abgesetzt, wolle so mehr Besucher aus der Hauptstadt anlocken.

Auch außerhalb der Werkschauhalle geht es voll auf Augen, Herz und Hirn. In Halle 14 beschäftigen sich zwölf Künstler aus zehn Ländern unter dem Titel "To Have And Have Not" mit dem Thema Habgier. Schöne Grüße an Uli H. "Das Leben ist ein Spiel" heißt es in der Galerie Kleindienst, wo Fotografie und Skulptur von Anett Stuth zu sehen ist. In der Galerie Jochen Hempel versammelt sich Malerei von zehn Künstlern unter der Überschrift "Le Peintre De La Vie Moderne." Neues von Hans Aichinger gibt es in der Maerzgalerie, von Edgar Leciewski (Fotografie) und Johannes Rochhausen (Malerei/Zeichnung) bei ASPN. Und und und. Dazu eröffnen bereits heute neue Ausstellungen im Tapetenwerk und unter anderem in der Galerie Potemka (Aurelienstr. 41, Malerei von Christian Bussenius), Galerie Koenitz (Dittrichring 16, Malerei von Günter Richter) und in der Galerie VorOrtOst (Rosa-Luxemburg-Str. 19/21, Gruppenausstellung).

Rundgang in der Spinnerei (Spinnereistraße 7): Sa 11-21, So 11-18 Uhr; neue Ausstellungen im Tapetenwerk (Lützner Straße 91): heute 17-24 Uhr Tapetenwerkfest), Sa 11-19, So 11-17 Uhr

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