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Kultur Wilhelm-Leuschner-Platz: Performance für Bürgerbeteiligung
Nachrichten Kultur Wilhelm-Leuschner-Platz: Performance für Bürgerbeteiligung
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14:31 14.10.2018
Performance auf dem Leuschnerplatz: Das Publikum überquert Stege aus Paletten, eingegrenzt durch aufgespannte Stränge und angestrahlt von Lichtinstallationen.
Performance auf dem Leuschnerplatz: Das Publikum überquert Stege aus Paletten, eingegrenzt durch aufgespannte Stränge und angestrahlt von Lichtinstallationen. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Die Einwohnerzahl in Leipzig ist in den letzten Jahren stark angestiegen. In den Diskussionen darüber wird immer wieder die Frage laut: Wem gehört die Stadt? Zu genau diesem Thema konnten die Leipziger am Freitag und Sonnabend auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz eine abwechslungsreiche Performance erleben.

Dabei ging es um die Abschlussperformance der AG Soziokultur, ein Gemeinschaftsprojekt unterschiedlicher Akteure. Beteiligt waren der Verein Geyserhaus, der Anker, die Frauenkultur Leipzig, die naTo, das Haus Steinstraße sowie die Villa und das Werk 2. Die ganze Woche über gab es auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz die Möglichkeit, in einem temporären Zeltdorf auf der ungenutzten Betonfläche an unterschiedlichen Workshops teilzunehmen. In die Abschlussperformance „Wem gehört die Stadt?“, die unter der künstlerischen Leitung von Regisseur Stefan Ebeling entstand, waren alle Aktionen und Zentren eingebunden.

Publikum spaziert über Stege aus Paletten

Die Performance beginnt in der Stadtbibliothek. Als die Zuschauer am Samstag dort ankommen, können sie etwas Geld in die Spendenbox legen. Das Foyer hat sich bereits gut gefüllt, als Basel Alkatrib vom ebenfalls beteiligten Projekt „Klänge der Hoffnung“ auf der linken Treppe auftaucht, und beginnt, die Oud zu spielen. Dann kommt auch der hauseigene Chor der Bibliothek herunter auf die Treppe und gibt eine charmante Version von Max Raabes „Der perfekte Moment... wird heut verpennt“ zum Besten. Hier wird gleich der inklusive Charakter der Veranstaltung deutlich: Eine Dolmetscherin übersetzt vom ersten Song bis zum Ende des Abends alles in Zeichensprache. Nach einer Tanzperformance zu einer elektronisch klingenden Version von „Miserlou“ führt der Weg über die Straße ins Zeltdorf. Dabei überquert das Publikum Stege aus Paletten, eingegrenzt durch aufgespannte Stränge und angestrahlt von Lichtinstallationen. Dazu erklingen die Töne der Klarinette und Kamantsche. Im Zelt angekommen, werden die Zuschauer zunächst Zeugen einer witzig inszenierten Jagd: Junge Darsteller in Hüten kämpfen um das Geld, beziehungsweise die Spendenbox – ein wiederkehrendes Thema des Abends.

Menschen und Teilhabe aus unterschiedlichen Perspektiven

Dann kristallisiert sich aber schnell der Kern von „Wem gehört die Stadt?“ heraus, nämlich die Menschen, die in der Stadt leben, ihre Wünsche und ihre Belange. Ob mithilfe von Video-Projektionen, Leinwänden oder im direkten Kontakt mit dem Publikum erzählen Darsteller Geschichten darüber, wer sie sind, woher sie kommen, wieso sie in Leipzig sind und was sie bewegt. Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und ethnischer Identitäten sprechen über ihre Ängste, über Rassismus und die Entwicklungen in der Gesellschaft. Mit der Aufforderung, etwas zu machen, führen sie die Zuschauer nach draußen, wo sie Halt an einer Station nach der anderen machen. Von der Dreh-Moment-Orgel, ein Stück Objektkunst, über stimmungsvolle Video- und Theater- und Tanzperformances bis zu einem Besuch beim „Amt für Wunscherfüllung und Vielleicht-Management“ werden die Zuschauer immer mehr ins Geschehen eingebunden. Diese sind auch so zahlreich erschienen, dass es weiter hinten manchmal schwierig wird, die Performer richtig zu verstehen, insbesondere als das Publikum nach einem kurzen Spaziergang durch die Leipziger Botanik, zum grünen Bereich des Platzes, über eine satirisch dargestellte Investorin lachen darf. Jede der Stationen thematisiert Menschen und Teilhabe aus unterschiedlichen Perspektiven. Als die Zuschauer zurück zur Rückseite des Zelts kommen, wird es dann konkret: Das Publikum darf im Rahmen eines demokratischen Einigungsprozesses entscheiden, was mit den gesammelten Spenden des Abends passieren soll. Unter begeistertem Applaus fällt der Beschluss, die 368,04 Euro für einen Kältebus für Obdachlose zu spenden.

Von Miriam Heinbuch

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