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Kultur Winterrundgang durch Leipziger Galerien
Nachrichten Kultur Winterrundgang durch Leipziger Galerien
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21:20 16.01.2016
Parce que von Künstler Marc Desgrandchamps in der Galerie Eigen+Art.
Parce que von Künstler Marc Desgrandchamps in der Galerie Eigen+Art.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Winterrundgang der Spinnerei wird manchmal mit dem Attribut „klein“ versehen. Tatsächlich gibt es ein paar Abstriche gegenüber den Rundgängen im Frühjahr und Herbst. Werkschau und Halle 14, die flächenmäßigen Dominanten des Geländes, sind nur mit (aus-)laufenden Ausstellungen vertreten. Die Galerien aber und auch die Stipendiatenprogramme zeigen Frisches.

Dabei war schon vorab eine Dominante nicht zu übersehen: Malerei. Das scheint für Leipzig nicht außergewöhnlich zu sein, eher ein Markenzeichen. In solch einer Ballung, fast schon Ausschließlichkeit, war sie aber selten bei einem Rundgang vertreten. Gut, bei Thaler hängt wie gewohnt Druckgrafik an den Wänden, und im Archiv Massiv baut Heide Nord eine Installation auf. Doch ansonsten wird ganz dick Öl oder Acryl auf Leinwand aufgetragen. Manchmal auch Gouache auf Papier.

Beim Winterrundgang in der Spinnerei dominiert die Malerei. Bei Eigen+Art ist Marc Desgrandchamps erstmals in Leipzig zu sehen. Rigo Schmidt zeigt Neues im Laden für Nichts.

Gestrichen, gehängt, gewerkelt

Am Donnerstag vor dem Rundgang brauchen manche Galeristen nur noch das Licht anzumachen, dann könnten die Besucher kommen. Bei anderen wird noch heftig gestrichen, gehängt, gewerkelt und ausgepackt. In den Laden für Nichts hat Rigo Schmidt sogar vorläufig sein Atelier verlagert, weil im richtigen gerade die Heizung ausgefallen ist. Der Titel „Die Unzulänglichkeit der Mittel“ passt dazu. So kann man aber zumindest sicher sein, dass die Werke am Sonnabend vor Ort sind. Jochen Hempel hat in seiner Galerie da ganz andere Sorgen. Die Bilder des in den USA lebenden Marcin Cienski haben mit vielen Tagen Verzögerung dort gerade erst den Zoll passiert. Ob sie wirklich noch rechtzeitig in Leipzig ankommen, ist nicht sicher. Doch als alteingesessener Profi hat Hempel natürlich einen Plan B.

Etliche Namen, die auf dem Programm stehen, kennen notorische Ausstellungsbesucher der Stadt schon. Das heißt aber nicht, dass Überraschungen ausgeschlossen sind. Bei Josef Filipp hat der Ire David O´Kane, hier schon mehrfach zu Gast, nicht nur eigene Bilder mitgebracht, die in den letzten Wochen entstanden sind. Er hat auch Freunde aus verschiedenen Ländern eingeladen, überwiegend kleinformatige Arbeiten beizusteuern.

Spektakel im Laden für Nichts

Sebastian Nebe, LVZ-Kunstpreisträger 2013, hat in der Galerie Kleindienst einen Bilderzyklus komponiert, der nicht allein aus den für ihn typischen neoromantischen Ruinen von Autos, Gebäuden und Wäldern besteht, sondern auch aus ganz lebendigen Menschen seines persönlichen Umfeldes. Franziska Holstein und Robert Seidel bei ASPN sind ebenso alte Bekannte, dokumentieren aber in den jetzt zu sehenden Malereien, dass sie für Veränderungen offen sind.

Erstmals in Leipzig zu sehen ist aber Marc Desgrandchamps bei Eigen+Art. Der Franzose bestückt den großzügigen Raum mit Bildern, die einerseits wie ein zusammengehöriger Zyklus wirken, andererseits den Charakter eingefrorener Momente aus melancholischen Filmen haben. Ebenso neu für das hiesige Publikum sind Johan Tahon und Alexander Tinei in der Galerie Dukan, wobei mit Tahon sogar etwas klassische Bildhauerei ins Spiel kommt.

Gut für ungewöhnliche Auftritte sind immer die Residenzen von in- und ausländischen Stipendiaten wie LIA, A Room that und Pilotenküche. Ein geplantes Spektakel wird aber die Auktion in Laden für Nichts, die 17 Uhr startet. Die bekannte bipolare Persönlichkeit Günther Meyer bringt Werke unter den Hammer, darunter eigene. Der niedrigste Aufrufpreis liegt bei null Euro, der Unterhaltungswert der Aktion wird aber unbezahlbar sein.

Winterrundgang der Spinnereigalerien: am 16. Januar, 11 bis 20 Uhr; Spinnereistr. 7, www.spinnereigalerien.de

Von Jens Kassner

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