Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Zauberhaft: Seeklang-Festival an der Kaos-Villa
Nachrichten Kultur Zauberhaft: Seeklang-Festival an der Kaos-Villa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:06 29.07.2019
Malerische Stimmung: Das Duo No Splendor auf der Seebühne vor vollen Stuhlreihen. Quelle: Fotos (3): André Kempner
Leipzig

Über die Jahre hinweg hat sich das Seeklang-Festival zum Olympiastützpunkt der Leipziger Liedermacher entwickelt. Vom vergangenen Dienstag bis Sonntag öffnete in der Lindenauer Kaos-Villa tagsüber wieder die Werkstatt für Melodie, Text und Bühnenpräsenz, an den Wochenend-Abenden gab es dann die zugehörigen Konzerte. Je drei Solisten oder Zweierkonstellationen traten auf, am Sonntag die Newcomer. Wer im letzten Jahr an deren Open-Stage-Abend spielte, konnte in diesem schon im regulären Programm stehen. So übernahm Selma Ruß am Freitag die Eröffnung.

Starke sprachliche Bilder

Die junge Frau verrät, dass sie sehr aufgeregt ist, Begleiter Luca Hofmann dagegen nicht – „das gleicht super aus“. Dafür braucht der Bassist eine Wäscheklammer für seine Notenblätter, da vom Teich her ein Wind über die Bühne weht. Selma Ruß überrascht mit Themen und sprachlichen Bildern. Da ist die Liebe wie ein Strickpullover im Oktober und eine Erinnerung wie Kuchen im Dreck, werden Haare auf dem Arm besungen oder die Tatsache, dass man Menschen nicht nur an andere Menschen verlieren kann, sondern auch an intensiv betriebene Hobbies. Und plötzlich steht Jesus mit müdem Blick und Pommesbauch in der Warteschlange. Es ist fünf nach eins, doch es gibt noch Geld …

Motiviert durch Kaos-Workshop

Die gerade einmal 20-Jährige denkt bereits ans Alter, daran, was sie in 60 Jahren machen möchte oder eben nicht machen möchte – das ist generationenübergreifend. Sie erzählt, wie sie mit ihrem ersten Lied einst in die Kaos-Villa zum Singer/Songwriter-Treff gegangen war und dort dafür gelobt wurde. „Da hab’ ich gleich noch mehr Lieder geschrieben.“

Musik für Melancholiker

Anne Munka und Jan Frisch bilden das nachfolgende Duo No Splendor, beide waren hier schon als Solisten zu erleben. Es gibt Trostsongs für vom Schicksal Gebeutelte, Melodien für Melancholiker, Musik zum In-sich-Ruhen. „Bevor noch einer von Euch anfängt zu tanzen, spielen wir eine Ballade“, ruft Anne Munka augenzwinkernd ins Publikum, um kurz darauf mit Jan Frisch zur Zwei-Personen-Pop-Rock-Band zu mutieren. Das mit dem Tanzen war gar nicht so abwegig.

Wie ein Gemälde

„Wunderschön“, heißt das mehrfache Urteil von den weißen Gartenstühlen. Die sind alle belegt, auch ein paar Decken am Ufer ausgebreitet. Auf dem Wasser leuchten schwimmende Kerzen, der dreistämmige Baum hinter der Bühne verwandelt sich mit der eintretenden Dunkelheit in ein lilafarbenes Fabelwesen. Und Anne Munka weiß: „Ein Lied über Liebeskummer muss jeder ernsthafte Singer/Songwriter im Programm haben.“ Also singt sie ihres. Derweil führt ein Anwohner rund um das Gewässer seinen Hund aus. Alles hier wirkt wie ein Gemälde – was für ein Ort, was für ein Abend!

Erlebnisse im Flixbus

Schließlich übernimmt Bastian Lohrenz alias Nante. Der Norddeutsche, der einen Teil seines jungen Lebens in Bayern verbracht und im „kosmopolitischen“ Leipzig seine Heimat gefunden hat, lächelt von innen heraus und macht sich Gedanken über ein Achten laufendes Nashorn im hiesigen Zoo. Er verarbeitet Flixbus-Erlebnisse zu Liedern und ist in manchem seiner Texte erst nach mehrmaligem Hören verständlich. Vielleicht deshalb fragt eine Frau nach dem Auftritt, ob sie eine CD kaufen kann. Doch Nante hat noch keine, produziert gerade seine erste. Auch er war mal hier in der Werkstatt und hat Motivation mitgenommen.

Liedermacher-Treffpunkt

Das ehemalige Haus der Volkskunst am Lindenauer Markt, heute Heimstatt des Theaters der Jungen Welt, ist keine fünf Fahrradminuten entfernt. Bis 1993 war es Treffpunkt der Liedermacher, die mittlerweile in der Wasserstraße einen neuen haben. Zwischen Gartenanlagen und den ersten Bäumen des Auewalds finden ihre Zusammenkünfte statt, deren Höhepunkt das Seeklang-Festival darstellt. In diesem Jahr fand es in Kooperation mit dem Leipziger Liederszene e.V. statt. Der im Januar gegründete Verein möchte die Jungen von heute mit den Jungen von vor 40 Jahren zusammenbringen. Das dürfte klappen, denn das Gesang-Gitarre-Genre ist ein zeitloses, immer gültiges.

Nächste Kaos-Termine: Loop-Art-Festival am 10. August, Singer/Songwriter-Treff am 12. August. Weitere Infos stehen auf www.kaos-kultursommer.de

Von Bastian Cramer

Am 3. August laden die Galerien auf dem Gelände der Alten Baumwollspinnerein zum Sommerfest. Der Schauspieler und DJ Lars Eidinger legt am Abend auf einer Open Air Bühne auf.

24.07.2019
Kultur Neue Leipziger Theaterleiterin im Interview - Lofft-Chefin Lessel: In der Kultur wachsen Offenheit und Neugier

Seit Juni ist Anne-Cathrin Lessel künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Lofft, das erst seit drei Monaten in der Baumwollspinnerei seinen Sitz hat. Die 31-Jährige spricht im Interview über Vorhaben, neue Stellen und den Generationswechsel in Führungspositionen der Leipzigs Kulturlandschaft.

19.07.2019
Kultur Cammerspiele Leipzig in der Galerie KUB - Filmhit „Adams Äpfel“ als Sommertheater-Spaß

Es ist keine leichte, aber eine sehr bekömmliche Kost: Die Cammerspiele präsentieren in dieser Sommertheater-Saison ihre Variante von Anders Thomas Jensens Filmhit „Adams Äpfel“. Der Versuch, der Vorlage einen neuen Dreh zu geben, gelingt.

19.07.2019