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Kultur Zwei Schlagzeuger unterwegs nach Neuland
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14:58 01.07.2019
Samuel Rohrers Dark Star Quelle: Label
Leipzig

Sie leben beide schon lange in Berlin, der Franke Oliver Steidle (44) aus Nürnberg und der Schweizer Samuel Rohrer (42) aus Bern. Beide Schlagzeuger werden üblicherweise unter Jazz rubriziert, wo sie sehr umtriebig in immer neuen Konstellationen auftauchen auf Festivals und auf CDs. Nun haben beide neue Aufnahmen vorgelegt, die unterschiedlicher kaum sein könnten und vor allem deswegen so bemerkenswert sind, weil sie auf verblüffend stimmige Weise auf der absoluten Höhe der Zeit das orthodoxe Lagerdenken weit hinter sich lassen.

Handverlesene Veröffentlichungen

Steidle liebt das intensiv Harsche, kann und will sein Faible für Punk und Led-Zeppelin-Drummer John Bonham nicht verleugnen. Viele seiner Bands haben keinen typischen Jazz-Charakter, obwohl er mit Peter Brötzmann oder Aki Takase auch das freie Powerplay durchdekliniert hat. Während Steidle für das Expressive steht, ist Rohrer eher ein Introvertierter. Er ist mit Sidsel Endresen und Laurie Anderson aufgetreten, mit Nils Petter Molvær und Ricardo Villalobos. 2012 gründete er sein eigenes Label Arjunamusic, auf dem er die erstaunliche Bandbreite seines Tuns in handverlesenen Veröffentlichungen auf CD und Vinyl ediert, vom Soloalbum, über ein Klaviertrio und wundervolle Quartettaufnahmen, für die er den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt. Überdies hat Rohrer enge Verbindungen zur Berliner Elektroszene, bringt Remixe heraus und hat mit Max Loderbauer und Claudio Puntin das Trio ambiq, in dem digitale und analoge Welten versöhnt werden. Zwischen B-Flat und Berghain sind Rohrers Berliner Aktivitäten aufgespannt.

Abenteuerliche Kreuz- und Querverbindungen

Diese Elektroszene braucht auch Steidle für ein Projekt, an dem er schon lange bastelt und mit dem er nun endlich „Ego Pills“ vorlegt, die Debüt-CD einer wirklich heftigen Band. Er hat sein Quintett, das um eine Reihe von Gästen ergänzt wird, vom Schlagzeug her konzipiert. Die Beats sind krumm und die Grooves holprig. Aber sie sind genauestens notiert und konzipiert, mal miteinander, mal gegenläufig, hat das enorme Geschwindigkeit, in die immer wieder kleine, oft kinderliedartige Melodien schnellen. Das alles hat eine durchweg wilde Attitüde. Abenteuerliche Kreuz- und Querverbindungen ergeben ein dichtes Dynamiklevel, durch da

cover Quelle: kfm

s Heavy Metal, Grindcore, Jazz, Ambient, HipHop, Techno und Kompositionsformen neuer Musik splittern und schlittern.

Hochenergetisches Hörabenteuer

Doch irgendwann spürt man, sofern man bereit ist, sich auf dieses hochenergetische Hörabenteuer einzulassen, wie genau das alles gebaut ist. Man hört Unisonopassagen, die an Rasanz kaum zu überbieten sein dürften. Das brodelt durch in der recht jazzfernen Besetzung mit zwei Keyboards, Bass und Gitarre und reagiert auf eine Gegenwart, in der alles in Sekundenschnelle verfügbar ist. Diese Musik ist von kluger Neugier grundiert, also von der Gier nach Neuem.

cover Quelle: kfm

Demgegenüber ist Samuel Rohrers Musik mit „Dark Star Safari“ durchzogen von meditativer Besinnung. Mit den beiden norwegischen Klangzauberern Eivind Aarset (Gitarre) und Jan Bang (Electronics), zwei aktuellen Großmeistern flächiger Soundscapes, war er im Studio zu offenen Improvisationen. Von da an sollte es weitergehen, als das alle Verblüffende geschah: Jan Bang ergänzte singend die Musik. So muss man sich Momente denken, in denen etwas Großes geschieht. Mit seiner dunkel-rhapsodischen Stimme trägt Jan Bang durch diese Platte, und wenn man einen Vergleich herbeizitieren will, muss man zu den beiden Giganten eines erwachsen-avantgardistischen Rock greifen: David Sylvian und Scott Walker.

Großartige Klangfläche

Erik Honoré, der als Vierter in dieser gleichberechtigten Band Synthesizer- und Samplesounds in diese skandinavische Fjordmusik speist, schrieb Jan Bang nach dessen Vokal-Outing Texte für zehn Songs, die sich einfräsen mit Magie, Suggestivkraft und einprägsamer Melodik. Die Stimmung ist melancholisch. Schlagzeuger Rohrer schlägt weich insistierende Muster durch, Gitarrist Aarset schichtet seine großartigen Klangflächen und alles driftet mild ineinander unter dieser mindestens markanten Stimme. Loops und Lyrics, Mensch und Maschine, in der Summe ergibt das pure Magie am anderen Ende des Aufgedrehten.

Oli Steidle & The Killing Popes: Ego Pills. Clean Feed; Samuel Rohrer/Erik Honoré/Jan Bang/Eivind Aarset: Dark Star Safari. Arjunamusic

Von Ulrich Steinmetzger

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