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Medien & TV Böhse Onkelz spielen verbotenen Song – darum steht er auf dem Index
Nachrichten Medien & TV Böhse Onkelz spielen verbotenen Song – darum steht er auf dem Index
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20:15 26.06.2019
Kevin Russell, Sänger der Onkelz, bei einem Deutschland-Auftritt 2015. Quelle: Daniel Naupold/dpa/picture alliance
Hannover

Wie kann ein Song, der in Deutschland verboten ist, dennoch in Deutschland im Fernsehen kommen? Nach dem Eklat um einen Auftritt der deutschen Band Böhse Onkelz, der auf dem deutsch-französischen Fernsehsender Arte live ausgestrahlt wurde, gibt es Fragen. Fakt ist: Der Song „Der nette Mann“, um den es geht, wurde 1986 von der Bundesprüfstelle beanstandet. Seither darf er in Deutschland nicht mehr gespielt werden, im Ausland hingegen gilt diese Regelung nicht.

Der Index soll Jugendliche vor gefährlichen Medieninhalten schützen. Und die Bundesprüfstelle hat auf Antrag verschiedener Jugendämter im Sommer 1986 entschieden, dass die Schallplatte jugendgefährdend sei. „Sie ist geeignet, Kinder oder Jugendliche sozialethisch zu desorientieren“, heißt es in der Entscheidung.

Das Lied sei als Aufruf zum Mord an Kindern zu verstehen

Das Lied sei als Aufruf zum Kindermord zu werten und verherrliche Kindesmisshandlungen, urteilte die Bundesprüfstelle. Unter anderem heißt es in dem Lied. „Kleine Kinder hab ich gern, zerstückelt und in Scheiben“ oder „Komm mein Kleines, du sollst heute Nacht mein Opfer sein, ich freu mich schon auf dein entsetztes Gesicht und die Angst in deinem Schrei“. Die Bundesprüfstelle resümierte, perverses Menschenschlachten werde als herrlich, vorbildlich und nachahmenswert geschildert.

Der Song ist nicht der einzige der Onkelz, der auf besagtem Index steht. Vom Debütalbum „Der nette Mann“ wurden weitere Songs beanstandet, ist auch heute noch auf der Website der Band zu lesen. „Frankreich ’84“ würde zu Rassenhass anstacheln und nationalsozialistisches Gedankengut propagieren. „Fußball und Gewalt“ sei ein offener Aufruf zu Gewalttätigkeiten. „Mädchen“ sei pornografisch und würde die Frau zum sexuellen Konsumartikel und jederzeit benutzbaren Gegenstand für den Mann degradieren. „Dr. Marten’s Beat“ sei stark gewaltverherrlichend und „Böhse Onkelz“ würde nationalsozialistische Ideen unreflektiert verbreiten und den nationalistischen Staat als erstrebenswertes Ziel darstellen.

Onkelz weisen Schuld von sich

Die Band räumt zwar ein, dass die Inhalte gewaltverherrlichend sein könnten, gibt in dem Bericht aber an, nicht nachvollziehen zu können, wie jemand zu diesen Interpretationen gelangen könne. Der Vorwurf: Die Abschriften der Songs seien fehlerhaft und die Bundesprüfstelle habe manche Passagen gar frei erfunden. Auch die Fans unterstützen die Band in den sozialen Netzwerken, loben sie für die Setliste und kritisieren die Indizierung.

Die Onkelz sind mit insgesamt elf Songs auf dem Index vertreten – nur der Rapper Frauenarzt schafft mehr. Aber bei weitem nicht die einzigen, die mit Songs auf dem Index gelandet sind. Auch die Fantastischen Vier sind mit einem Lied dort gelandet, die Punkrocker Die Ärzte finden sich dreimal darauf – weil sie Suizid, Sex mit Tieren und Inzest thematisieren sowie vier Beiträge von Bushido. Rammsteins „Liebe ist für alle da“ wurde erst auf den Index gesetzt, dann aber wieder heruntergenommen.

Das Konzert der Onkelz, die immer wieder wegen Verbindungen zur Rechtsrock-Szene in der Kritik stehen, fand in Frankreich statt. Dort darf das Lied gespielt werden, es hätte allerdings nicht im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden dürfen. Gegenüber der „Bild“-Zeitung sagte eine Sprecherin von Arte, die Mitarbeiter hätten das Setup erst kurzfristig bekommen.

Von RND/msk

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