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Medien & TV Dirty “Hassel” – Schwedische Polizeiserie badet im Retrolook und in Testosteron
Nachrichten Medien & TV Dirty “Hassel” – Schwedische Polizeiserie badet im Retrolook und in Testosteron
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14:14 26.08.2019
Und Action: Hassel (Ola Rapace) ist ein Cop, der richtig zur Sache geht.

Wenn richtige Männer in Film und Fernsehen richtige Männer sein sollen, geht es auch richtig zur Sache. Ronald Hassel zum Beispiel ist kaum drei Sekunden eines schwedischen Zehnteilers „Hassel“ zu sehen, als er die Verfolgungsjagd durchs radikal schicke Industrieviertel mit Dresche für den Flüchtigen garniert, der längst am Boden liegt. Richtige Männer geben eben kein Pardon, richtige Kerle hauen zu. So ungefähr lautet die Kernbotschaft einer Polizeiserie, die ähnlich derb, düster, drastisch ist wie fast alle Importkrimis aus Skandinavien, und darüber hinaus in der Ästhetik einer Zeit erbracht ist, als Männer noch Männer waren.

Die Vorlage der Serie "Hassel" ist schon 40 Jahre alt

Kein Wunder. Die Vorlage des Zehnteilers, der 2018 erfolgreich im Ursprungsland gelaufen ist, hat Olov Svedelid schließlich bereits vor rund 40 Jahren verfasst. Die ProSieben-Portale Maxdome und Joyn haben sich demnach ein Alphatier längt vergangener Fernsehzeiten geangelt, wo die Form wie einst auf den Straßen von San Francisco oder Duisburg Marxloh allen Inhalt frisst und Stereotypen erbricht. Mit Schimanskijacke, Achttagebart und fingerlosen Wollhandschuhen zeigt sich der smarte Haudrauf schließlich wie ein Relikt der späten Siebziger. Und das nicht nur optisch.

Die Stockholmer Spezialeinheit, in der Hassel – gespielt vom sexy Bond-Bösewicht Ola Rapace – arbeitet, ist nämlich ein erzkonservatives Relikt jener Epoche, da Polizeiformate den dienstlichen Rechtsbruch gerade als Stilmittel entdeckt und mit Kunstfiguren à la „Dirty Harry“ ausgestattet haben. Mit Duldung von ganz oben darf „Triton“ demnach (fast) jede Regel brechen, sofern es nur zum Fahndungserfolg führt. Als Hassels uralter Freund und Förderer Yngve (Tomas Laustiola) förmlich hingerichtet wird, wissen aufmerksame Zuschauer daher rasch: der Exzess vom Anfang war nur die Ouvertüre einer Gewaltoper am Rande der Legalität.

In der sind selbst rechtstreue Protagonisten so klischeehaft, dass sie vor allem dem Reiz-Reaktions-Schema der Hauptzielgruppe weißer Männer aus dem Dunstkreis von „The Fast and the Furious“ dienen. Bevor sich die interne Ermittlerin – Achtung, Exotik! – Fatima Nidal (Anna Gil) über die hohe Anzahl an Körperverletzungen von Hassels Truppe echauffiert, betritt sie die Szenerie als Femme Fatal mit Löwenmähne und Highheels.

Von etwas Augenzwinkern hätte die Serie "Hassel" stark profitiert

Bei Tageslicht – das in den ersten drei Folgen nur selten scheint – betrachtet, dürfte es zwar keinen dieser artifiziellen Charaktere in irgendeiner realen Polizeidienststelle geben; um Authentizität geht es Amir Chamdin, Erik Eger und Eshref Reybrouck aber auch nicht. Weshalb das Regietrio seine Gegenwart im Stil der sexistischen Siebziger ausstattet. Hätten sie die mit etwas Augenzwinkern zitiert, wäre „Hassel“ ein selbstironisches Fernsehen für reflexionsfähige Fans von „Starsky & Hutch“ geworden; doch da es den Machern ersichtlich um die Befriedigung niederer Instinkte einer aussterbenden Gattung Mann im letzten Gefecht um Relevanz geht, taugt diese Art Good-Cop-Bad-Cop-Entertainment eher zur Fremdscham. Auch handwerklich.

Wie im gymnasialen Theaterkurs fallen dauernd Sätze wie „die Sache stinkt“ (Gauner), „hast du genug?“ (Gaunerjäger) oder „ich hasse Korruption“ (Gaunerjägerjägerin). Und wenn Hassel seine Gegner über die Dächer von Stockholm hetzt, kann es gut sein, dass eines regennass ist und das nächste knochentrocken. Bei so viel Nachlässigkeit bleibt eigentlich nur der Soundtrack beachtenswert. Von bizarrem Sixtiespop bis zum psychedelischem Krautpunk vertont er wunderbar eine Zeit, als echte Cops noch im Gran Torino durch Brooklyn rauschten. Bei Hassel ist es bloß ein VW.

Von Jan Freitag/RND

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