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Nachrichten Medien & TV TV-Branche in der Krise? Viele Aufträge, aber kein Nachwuchs
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17:34 28.07.2019
Unter Druck: Viele Filmschaffende kritisieren die Produktionsbedingungen der TV-Sender. Deswegen würden die wenigen Nachwuchstalente zu den Streamingdiensten abwandern. Quelle: Foto: Ronald Rampsch/adobe Stock
Hannover

„Und was machst du so?“ „Ich bin beim Film.“ Vier Worte nur, aber mit großer Wirkung, denn sie garantieren in jeder Runde große Aufmerksamkeit. Jahrzehntelang waren ein gewisser Glamourfaktor und das Interesse der Mitmenschen eine Art Ausgleich für die wenig erstrebenswerten Bedingungen, unter denen Kino- und Fernsehproduktionen entstehen. Leben aus dem Koffer, doppelt so viele Arbeitsstunden wie ein Beamter, Nachtdrehs: Dafür muss man geboren sein. Weil sich darauf jedoch immer weniger junge Menschen einlassen wollen, hat die Branche ein erhebliches Nachwuchsproblem. Die Folgen sind bereits spürbar; immer wieder müssen Produktionen wegen Personalmangels verschoben werden.

Der Jurist Steffen Schmidt-Hug war Geschäftsführer des Bundesverbandes Regie (BVR) und betreut Filmschaffende in allen beruflichen Fragen. Er beschreibt den Status quo so: „Früher hatten Produktionsfirmen 30 Tage Zeit, um einen Fernsehfilm herzustellen.“ Während die Sender weiterhin im Schnitt etwa 1,35 Millionen Euro für einen Film zahlten, seien die Produktionskosten gestiegen. Deshalb würden die Drehtage auf 20 reduziert werden. „Das hat zwangsläufig eine brutale Verdichtung zur Folge; 70 Wochenstunden sind längst normal“, so Schmidt-Hug. „Kein Wunder, dass es schon Meutereien am Set gegeben hat.“ Die Konsequenz werde sein, dass viele Filmschaffende in Zukunft lieber für Netflix, Amazon und Co. arbeiten würden, „weil dort die spannenderen Projekte entstehen und die Arbeitsbedingungen deutlich besser sind. Die besten Talente werden sich vom klassischen Fernsehen verabschieden.“ Dann hätten sich die Sender mit ihrer rigorosen Sparpolitik der letzten 20 Jahre endgültig ins Aus begeben. Den Redaktionen sei egal, „ob am Set Blut fließt, sie sind nur an einem Aspekt interessiert: Was kostet das Ganze?“

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Die Filmschaffenden warnen TV-Sender vor Nachwuchsmangel

Die Filmschaffenden selbst schieben die Schuld allerdings nicht nur in Richtung Sender. Viele Missstände hätten beizeiten verhindert oder behoben werden können, wenn die verschiedenen Interessenvertretungen an einem Strang gezogen hätten. Es würde nicht genügen, hier und da ein paar Löcher zu stopfen; die Misere sei grundsätzlicher Natur. Im Grunde gehöre das komplette Produktions- und Ausbildungssystem auf den Prüfstand.

Regisseur Stephan Wagner, mehrfacher Grimmepreisträger, war lange Vorstandsmitglied im BVR. Er beschreibt, wie sich die Rahmenbedingungen im Lauf der Zeit verändert haben. „Früher galt folgende kalkulatorische Faustregel: Technik ist teuer, Personal ist günstig. Also wurde so viel wie möglich in einen Drehtag gepackt. Als ich vor 20 Jahren meinen ersten Langfilm gedreht habe, war mir ein Arbeitstag, an dem mir das gesamte Team zur Verfügung stand, vertraglich mit zehn Stunden Minimum garantiert. Die Produktion hat in der Regel auf zehn Stunden plus Mittagspause disponiert; meistens wurden dann mit den üblichen täglichen Verzögerungen zwölf daraus. Hinzu kamen entsprechende Vor- und Nachläufe des Teams. Mittlerweile muss ich dankbar sein, wenn ich sieben Stunden mit dem Team und den Schauspielern arbeiten kann.“

Regisseur: Wenn die Bedingungen gut sind, explodieren die Kosten

An eine baldige Verbesserung der Lage glaubt er nicht: „Niemand will einen Präzedenzfall schaffen, denn wenn man anständige Rahmenbedingungen schaffen wollte, würden die Kosten weiter explodieren.“ Es werde „mit großer Fahrlässigkeit in Kauf genommen, dass das Endprodukt gerade noch so gut ist, dass den Zuschauern der Qualitätsverlust nicht auffällt. Das kann nicht gut gehen und wird den Auftraggebern über kurz oder lang um die Ohren fliegen.“ Ein Regiekollege glaubt, die Redaktionen handelten nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und hielten es für Verschwendung, ein Maximum an Qualität anzustreben; es reiche doch völlig, dass die Zuschauer mit dem Programm zufrieden seien.

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Auch die Verbandsvertreter sehen die Sender in der Pflicht. Da ARD und ZDF mit öffentlichen Mitteln hantierten, müssen sie bei Auftragsproduktionen darauf achten, dass tarifvertragliche Regelungen eingehalten würden. „Das tun wir auch“, versichert Christian Granderath, Leiter der NDR-Abteilung Film, Familie und Serie. Außerdem würden die Etats der Fernsehfilmproduktionen regelmäßig den sich verändernden Umständen angepasst. Ähnlich lauten die Reaktionen der anderen Fernsehfilmleitungen. Bettina Ricklefs (BR) sagt, man sei trotz des allgemeinen Spardrucks darauf bedacht, bei den Fernsehfilmen gerade nicht bei den Drehtagen zu sparen, und Barbara Biermann (SWR) ergänzt, für die von Schmidt-Hug behauptete Summe von 1,35 Millionen Euro sei schon seit vielen Jahren keine fiktionale SWR-Auftragsproduktion mehr entstanden.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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