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Medien „Surviving R. Kelly“: Dokumentation über R. Kelly gibt es nun im deutschen Fernsehen
Nachrichten Medien „Surviving R. Kelly“: Dokumentation über R. Kelly gibt es nun im deutschen Fernsehen
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13:16 16.05.2019
R. Kelly bei einer Gerichtsverhandlung in Chicago. Quelle: Nuccio DiNuzzo/Getty Images
München

Nach dem umstrittenen Film „Leaving Neverland“ über den „King of Pop“ kommt nun auch die US-Dokumentation über den „King of R&B“, R. Kelly, ins deutschsprachige Fernsehen. Der Pay-TV-Sender A&E zeigt von diesem Samstag (18. Mai) an die sechsteilige Serie „Surviving R. Kelly“, in der mehrere Frauen dem Star sexuellen Missbrauch vorwerfen. Erst Anfang April war die Dokumentation über Michael Jackson auf Deutsch ausgestrahlt worden, in der zwei Männer dem 2009 gestorbenen Sänger vorwerfen, sie als Kinder missbraucht zu haben.

Beide Produktionen haben vorher schon in den USA für Furore gesorgt. Die Premiere von „Surviving R. Kelly“ im vergangenen Dezember in New York musste nach A&E-Angaben wegen einer Anschlagsdrohung abgebrochen werden. Die Anwälte des Sängers kündigten rechtliche Schritte an. Die US-Erstausstrahlung konnten sie dennoch nicht verhindern. „Ein weiteres Programm, das den Zeitgeist widerspiegelt, gesellschaftliche Tabus thematisiert und eine wichtige Diskussion in der breiten Öffentlichkeit anregt“, sagte A&E-Programmchef Emanuel Rotstein in München über „Surviving R. Kelly.

Die Doku „Surviving R. Kelly“ ist nicht einseitig

Die Dokumentation zeichnet den Aufstieg R. Kellys aus schwierigen Verhältnissen in Chicago zum „King of R&B“ („I believe I can fly“) nach – manchmal reißerisch, aber trotzdem nicht in der Einseitigkeit, die viele Kritiker „Leaving Neverland“ vorwarfen, in der in erster Linie die beiden mutmaßlichen Opfer Jacksons zu Wort kamen – und niemand aus dem Umfeld des Künstlers. „Surviving R. Kelly stellt den mutmaßlichen Missbrauch junger Mädchen auch in einen größeren Zusammenhang der Musikgeschichte. Die Dokumentation erinnert daran, dass auch Priscilla Presley blutjung war, als sie Elvis kennen lernte.

Die Serie verschweigt auch nicht, dass der Sänger selbst wohl in seiner Kindheit in der eigenen Familie Opfer sexuellen Missbrauchs wurde und nicht lesen konnte, als er seine Frau Andrea kennen lernte. Sie ist eine der Kronzeuginnen in der Dokumentation, berichtet, wie wunderbar alles anfing mit Robert. „Ich habe den Sturm am Horizont nicht kommen sehen“, sagt sie und erzählt davon, wie der Superstar sie unterdrückt und gedemütigt haben soll. Dass sie ihn „Daddy“ habe nennen und ihn um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie etwas essen wollte.

R. Kelly soll die jungen Frauen in High Schools und Einkaufszentren gesucht haben

Andere Frauen berichten, wie R. Kelly sich an ihnen vergangen haben soll, als sie noch Teenager waren. Seine Opfer soll er in High Schools und Einkaufszentren gesucht und gefunden haben. Ein zentraler Satz in dem Film: „R. Kelly ist dieser lustige, lachende Typ. Aber Robert ist der Teufel.“

Noch schockierender als das, was die Frauen erzählen, ist, was manche Männer in der Dokumentation sagen. „Sie waren Babys in meinen Augen“, sagt beispielsweise der Musikproduzent Craig Williams über die Mädchen, die nackt durch R. Kellys Haus gelaufen oder in dunklen Zimmern auf ihn gewartet haben sollen. Ein ehemaliger persönlicher Assistent gibt an, er habe gefälschte Dokumente besorgt, damit der damals 27 Jahre alte R. Kelly die damals 15-jährige Sängerin Aaliyah heiraten konnte, die 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kann. „Und dann hat er ja gesagt“, erinnert der Assistent sich an die Hochzeit von damals – und lacht.

Die Männer in der Doku verstehen das Problem nicht

R. Kellys Bruder Bruce kann die Aufregung gar nicht verstehen. Sein Bruder stehe auf junge Mädchen, er selbst auf ältere Frauen – na und? „Wir sind sehr eifersüchtige Typen“, sagt Bruce in einem Interview, das offensichtlich in einem Gefängnis geführt wurde. „Du wirst unsere Mädchen nicht oft dabei sehen, wie sie mit anderen Leuten sprechen. So sind wir einfach.“ Dass trotz verschiedener Verdachtsmomente jahrelang niemand etwas sagte, dass niemand einschritt, erklärt die Autorin Mikki Kendall in der Doku-Serie so: „Es kümmerte niemanden, weil wir schwarze Mädchen waren.“

Die Dokumentation hatte bereits Folgen für R. Kelly - auch juristisch. Denn sie brachte Ermittlungen gegen den 52-Jährigen ins Rollen. Ende Februar wurde er wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Die Staatsanwaltschaft in Chicago wirft dem Sänger („I Believe I Can Fly“) sexuellen Missbrauch in zehn Fällen in den Jahren 1998 bis 2010 vor. Mehrere Opfer seien damals jünger als 17 Jahre gewesen. Kelly hat die Vorwürfe, die schon seit Jahren eine Schatten auf seine Karriere werfen, stets abgestritten und plädierte auch bei einer Anhörung zur Anklage auf nicht schuldig.

Die Auftritte von R. Kelly in Deutschland wurden abgesagt

Für April geplante Deutschland-Auftritte in Neu-Ulm und Hamburg waren wegen der Vorwürfe und nach heftigen Protesten von den Veranstaltern abgesagt worden. Anfang April trat R. Kelly dann erstmals nach der Anklageerhebung wieder öffentlich auf. In einer Bar in Springfield im US-Bundesstaat Illinois sang der Musiker laut US-Medienberichten knapp 30 Sekunden und posierte danach mit Fans für Selfies. Vor seinem Kurzauftritt hatte Kelly die Medien gebeten, sich zurückzuhalten. In einem Instagram-Video sagte er: Dies sei derzeit die einzige Möglichkeit für ihn, Geld zu verdienen.

Von dpa/RND

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