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Panorama Armbrust-Fall: „Carina hätte nicht sterben müssen“
Nachrichten Panorama Armbrust-Fall: „Carina hätte nicht sterben müssen“
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12:13 23.05.2019
In einer Wohnung in Wittingen wurde die Leiche von Carina U. gefunden. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Westerwald

Carina ist mit 19 gestorben, aber genommen hat man sie uns schon mit 16“, sagt Vater Olaf U. in einem Interview mit dem „Stern“. Seine Tochter Carina war am 13. Mai tot in einer Wohnung in Wittingen gefunden worden, zwei Tage nachdem in einer Pension in Passau drei Menschen durch Armbrustschüsse ums Leben kamen.

Als 16-Jährge hatte Carina den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, war von zu Hause ausgezogen. Als Grund dafür sehen ihre Eltern Torsten W., einen der Armbrust-Toten aus Passau. Ihre Tochter hatte ihn in einem Kampfsportklub kennengelernt, kurz danach gab es für sie nichts anderes mehr. Wie der „Stern“ berichtet, haben ihre Eltern drei Jahre lang versucht, Carina vor W. zu beschützen, sogar Strafanzeige gegen ihn gestellt. Erfolglos.

Torsten W. war ein guter Zuhörer und Manipulator“

„Sie schwärmte von den Leuten im Sportklub“, erinnert sich ihre Mutter Julia U. in dem Gespräch mit dem „Stern“. „Carina erzählte immer häufiger von ihnen, man merkte, dass sie von den Leuten fasziniert war.“ Ihre Eltern dachten, Carina hätte sich im Sportclub verliebt. Zumal sich ihre Tochter von ihrem ersten Freund trennte. „Aber das war es nicht. Heute wissen wir: Torsten W. war ein guter Zuhörer und Manipulator“, so ihre Mutter.

Carina begann, sich zu isolieren, habe nicht mehr mit ihren Brüdern und Eltern geredet. Auch am Familienleben nahm sie nicht mehr teil. „Sie fand alles im Klub toll und alles zu Hause schlecht. Als sie dann krank wurde und trotz Fieber zum Training gehen wollte, haben wir ihr das verboten. Es kam zum Streit“, so ihre Mutter.

Lehrer bringt Carina zu Kampfsportklub und begeht Selbstmord

Es war ein Lehrer, der Carina bei einem Wandertag zu dem Klub brachte. Gut ein halbes Jahr später habe der Lehrer Suizid begangen und in einem Abschiedsbrief behauptet, die Anschuldigungen von Carinas Eltern hätten ihn zu der Entscheidung gebracht, sich das Leben zu nehmen. Angeblich hätten sie ihn des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. „Was wir nie getan haben“, so Julia U.

Der Kampfsportklub habe den Abschiedsbrief auf seiner Facebookseite veröffentlicht. „Bis heute liegen am Todestag des Lehrers Zettel vor unserer Tür, auf denen man uns die Schuld gibt. Wir beschlossen, Anzeige zu erstatten gegen Torsten W., und gingen auch juristisch gegen die Verleumdung im Netz vor“, so der Vater zum „Stern“.

Tochter stellt Anzeige gegen ihre Eltern

Auch Carina habe Anzeige erstattet – allerdings gegen ihre Eltern. „Wegen häuslicher Gewalt. Als wir die Anzeige sahen, waren wir fassungslos, wir haben Carina nie geschlagen“, beteuert ihre Mutter. Die Eltern sind sich sicher, dass Torsten W. ihre Tochter bewusst von ihnen separierte und gegen sie aufhetzte.

Farina C., eine weitere Tote aus Passau, habe versucht, den Eltern die Fürsorge zu entziehen und auf sich selbst zu übertragen. Zusammen mit Gertrud C. soll sie in der Wohnung in Wittingen gemeldet gewesen sein, in der Carina tot aufgefunden wurde. Gertrud C. ist „wiederum die Ex-Frau des Lateinlehrers ist, der sich umgebracht hatte. Uns wurde klar: Die hängen alle miteinander zusammen“, so ihre Mutter.

Eltern ermitteln auf eigene Faust

Sie engagierten einen Privatdetektiv und ermittelten auf eigene Faust. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es sektenähnliche Strukturen um den Mann herum gibt, und wir haben versucht, unterschiedliche Institutionen zu alarmieren – ohne Erfolg. Am Ende wurden wir von manchen für paranoide Verschwörungstheoretiker gehalten“, so die Mutter. Ihr Mann ist sich sicher: „Der Tod unserer Tochter hätte verhindert werden können, Carina hätte nicht sterben müssen, wenn man uns ernst genommen hätte.“

Die Eltern versuchten, die Schließung des Kampfsportklubs zu erwirken – daraufhin seien ihnen die Reifen ihres Autos zerstochen worden. Auch drei Molotowcocktails seien auf ihrem Grundstück gelandet. „Wir gehen davon aus, dass es jemand aus der Sekte war. Jemand, der wollte, dass wir nicht weiter gegen sie vorgehen“, so Julia U.

„Ich hoffe, dass es ihr besser geht als in diesem Horrorhaus“

Rund einen Monat später wurden die Toten in Passau und Wittingen gefunden. „Ich betete: Bitte, bitte, lass es nicht Carina sein“, so Julia U. in dem Gespräch mit dem „Stern“. „Am Montag, meinem Geburtstag, kam die Polizei zu uns und bat um DNA-Proben, damit sie abgleichen konnten, ob es sich bei einer der Toten in Wittingen um Carina handelte“, erinnert sich ihr Vater. Dann die traurige Gewissheit: Ihre Tochter ist tot. „Da bin ich erst mal zusammengeklappt. Aber wissen Sie, was ich hoffe? Meine einzige Hoffnung ist, dass es Carina da, wo sie jetzt ist, besser geht als in diesem Horrorhaus“, so ihre Mutter.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier erhalten Sie Hilfe

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

0800 - 111 0 111 (ev.)

0800 - 111 0 222 (rk.)

0800 - 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)

Email: unter www.telefonseelsorge.de

Von RND/mat

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