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Panorama Ermittlungen gegen Kinderklinik aus Doku „Elternschule“ eingestellt
Nachrichten Panorama Ermittlungen gegen Kinderklinik aus Doku „Elternschule“ eingestellt
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16:29 17.07.2019
Die Ermittlungen gegen die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen wurden eingestellt. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
Essen/Gelsenkirchen

Die im Oktober veröffentlichte Dokumentation „Elternschule“ hatte kontroverse Diskussionen über die Therapiemethoden der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen hervorgerufen, die in Ermittlungen gegen die Einrichtung gipfelten. Nach der Anzeige eines Arztes hatte die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener gegen die Einrichtung eingeleitet. Die wurden nun eingestellt, wie „Zeit Online“ berichtet.

Demnach haben sich die Missbrauchsvorwürfe offenbar nicht erhärtet: Die Staatsanwaltschaft Essen werde mit Verweis auf den Paragrafen 170 Absatz 2 der Strafprozessordnung, der „genügend Anlass“ für eine Anklageerhebung erfordert, keine Anklage erheben. Das gehe aus einem Brief der Staatsanwaltschaft an die Klinik vor.

Geschäftsführer der Gelsenkirchener Klinik: „Die Anzeige war ohne Substanz und völlig ungerechtfertigt“

Die Klinik hatte bereits zu Beginn der Ermittlungen die Vorwürfe in einer Stellungnahme als „haltlos“ bezeichnet. „Die Anzeige verstehen wir als Chance, die unberechtigten Vorwürfe gegen die Klinik juristisch zu entkräften“, teilte die Geschäftsführung mit. „Die Anzeige war ohne Substanz und völlig ungerechtfertigt“, sagt Werner Neugebauer, Geschäftsführer der Klinik, nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft zu „Zeit Online“. „Unsere Klinik arbeitet völlig gewaltfrei und auf der Basis von anerkannten wissenschaftlichen Leitlinien.“ Die Anzeigen hätten ihre therapeutische Arbeit skandalisiert.

Auslöser für Debatten und Ermittlungen waren Szenen des Films, der von der mehrwöchigen Behandlung von psychosomatisch erkrankten Klein- und Vorschulkindern etwa mit massiven Ess- und Schlafstörungen oder von Kindern, die 14 Stunden am Tag schreien, handelt. Gezeigt wird etwa, wie Kinder mit Schlafstörungen allein in einem dunklen Schlafzimmer die Nacht verbringen – und irgendwann durchschlafen können. Ein Mädchen, das bislang nur Pommes und Chicken Nuggets aß, lernt mühsam, auch andere Speisen zu essen. Zu sehen sind auch verzweifelte Eltern mit großen Schwierigkeiten, ihr Kind allein zu lassen.

Kritiker bemängelten gewaltvolle Szenen in „Elternschule

Kritiker wie der Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster bemängelten, dass in der Einrichtung Kindern gewaltsam ein bestimmtes Verhalten aufgezwungen werde, sie etwa zum Essen gezwungen würden. Die Anzeige gegen die Klinik bezeichnete er deshalb als „mutig und richtig“.

Auch nach Ansicht des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) enthält der Film zahlreiche Szenen, in denen Kinder psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind. „Die in den Film gezeigten Behandlungsmethoden können keinesfalls Vorbild für die Erziehung von Kindern in Deutschland sein“, sagte Kindheits- und Familienforscherin sowie DKSB-Vizepräsidentin Sabine Andresen. „Diese Praktiken führen zu einer Verunsicherung von Eltern im Umgang mit ihren Kindern.“ Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers stellte fest: „Verhalten sich Eltern gegenüber ihren Kindern so wie das Klinikpersonal in dem Film, dann ist das rechtswidrig.“

Von RND/hsc