Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Panorama Gaffer filmt nach tödlichem Unfall vor Kindern
Nachrichten Panorama Gaffer filmt nach tödlichem Unfall vor Kindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:54 18.05.2018
Filmen statt Helfen – wer nach einem Unfall sofort das Handy zückt, kann mit Strafverfolgung rechnen. Quelle: Dillenberg
Anzeige
Ulm

Vor den Augen von Kindern hat ein Vater nach Polizeiangaben das Geschehen nach einem tödlichen Autobahnunfall bei Ulm mit seinem Smartphone gefilmt. Gegen den Mann und neun weitere Gaffer seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte die Polizei am Freitag mit. Sie sollen am vergangenen Sonnabend an der A8 unweit der Anschlussstelle Ulm-West während der Rettungsarbeiten Filmaufnahmen gemacht und dabei teils für Verkehrsbehinderungen und fast für weitere Unfälle gesorgt haben.

Polizei dokumentiert das Verhalten der Gaffer

Zuvor war ein 66 Jahre alter Mann aus Bayern ums Leben gekommen: Er wurde von einem Feuerwehrauto erfasst, nachdem er aus seinem wegen eines Defekts liegengebliebenen Autos ausgestiegen war. Während der Rettungs- und Bergungsarbeiten sei das Verhalten etlicher Gaffer dokumentiert worden, gegen die nun Anzeigen erstattet werden, sagte eine Polizeisprecherin.

Anzeige

Gaffern droht eine Ordnungsstrafe in Höhe von 125 Euro

Als erschütternd hätten die Polizisten das Verhalten des Vaters empfunden. Während seine Ehefrau vom Beifahrersitz und drei Kinder von der Rückbank aus zuschauten, habe der am Steuer sitzende Mann das Geschehen gefilmt. „Eine solche Sensationsgier macht uns sprachlos“, sagte die Sprecherin. Immer wieder beklagten Einsatzkräfte, dass Gaffer „mit ihrem Verhalten das Tempo von Rettungseinsätzen drosseln“. In der Regel drohe solchen Leuten eine Ordnungsstrafe in Höhe von 125 Euro.

Die Politik versucht den sogenannten Gaffern mit einem schärferen Gesetz beizukommen. Der Bundesrat hat kürzlich beschlossen, dass Gaffer, die bei schweren Unfällen Videos oder Fotos von Opfern machen, dafür künftig bis zu zwei Jahren ins Gefängnis rechnen müssen.

Von RND/dpa