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Panorama Hebamme gibt Hinweis auf Fehlbildungen bei Babys – weitere Fälle in Euskirchen?
Nachrichten Panorama Hebamme gibt Hinweis auf Fehlbildungen bei Babys – weitere Fälle in Euskirchen?
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19:09 13.09.2019
Das Sankt-Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen: Hier hat es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben. Quelle: Marcel Kusch/dpa
Gelsenkirchen

Es ist die ungewöhnliche Häufung in einem relativ kurzen Zeitraum, die für Aufsehen sorgt: In einem Krankenhaus in Buer, einem Stadtteil von Gelsenkirchen, sind drei Babys ohne voll ausgebildete Hände auf die Welt gekommen. Und das innerhalb von wenigen Monaten. Der „Kölner Express“ hatte die Fälle aufgedeckt. Den entscheidenden Hinweis gab Sonja Liggett-Igelmund, eine Hebamme aus Köln. Nachdem am Donnerstag die Geschichte erschienen ist, „haben sich bei mir bereits mehr als 30 Eltern deutschlandweit gemeldet, deren Kinder ebenfalls Fehlbildungen an den Händen aufweisen“, berichtete die 45-Jährige dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Freitag.

Sonja Liggett-Igelmund habe in Gesprächen festgestellt, wie unglaublich froh die Eltern seien, darüber reden zu können. Ihnen ginge es auch darum, den Grund der Fehlbildungen zu erfahren. Doch das ist schwierig. Es gebe beispielsweise, so die Hebamme, kein bundesweites Register, dem Fehlbildungen von Neugeborenen gemeldet werden können. „Da es dies nicht gibt, ist derzeit auch unklar, ob der Fall in Gelsenkirchen nicht weitaus größere Dimensionen in Deutschland hat“, sagt sie. Sie fordert nicht nur Ursachenforschung, sondern auch bessere Hilfsangebote für betroffene Familien.

Klinik bestätigt die Fehlbildungen bei den Babys

Am Freitagmorgen hat sich das Sankt-Marien-Hospital Buer in einer Stellungnahme zu den Fällen geäußert. Darin bestätigt die Klinik die Vorfälle. Demnach seien drei Kinder zwischen Juni und Anfang September 2019 mit einer isolierten einseitigen Handfehlbildung geboren worden. Die Familien wohnten in demselben Umfeld, allerdings könnten keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Zwar mag das mehrfache Auftreten Zufall sein, den kurzen Zeitraum werte man aber dennoch als „auffällig“. Die Klinik will die Fälle jetzt in regionalen Qualitätszirkeln der Kinder- und Jugendärzte thematisieren. Auch habe man Kontakt mit Fachleuten der Berliner Charité aufgenommen. Die Charité wollte sich am Freitag zu dem Fall zunächst nicht äußern.

Statistisch würden etwa „ein bis zwei Prozent aller Neugeborenen mit einer Fehlbildung unterschiedlicher Ausprägung geboren“, wie die Gelsenkirchener Mediziner erläuterten. Extremitätenfehlbildungen könnten während der Schwangerschaft unter anderem durch Infektionen auftreten, seien insgesamt aber selten. Bei allen drei Kindern ist jeweils eine der beiden Hände betroffen. An dieser seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt. In der Klinik wurden 2018 nach eigenen Angaben mehr als 800 Kinder geboren. Der entscheidende Entwicklungszeitraum für Fehlbildungen liegt sehr früh in der Schwangerschaft, zwischen dem 24. und 36. Entwicklungstag nach der Befruchtung der Eizelle. Eine weitere mögliche Ursache könne laut Klinik das Abschnüren von Ex­tremitäten durch Amnionbänder oder Nabelschnurumschlingungen im Mutterleib sein.

Auch der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister dringt auf Aufklärung. „Die Berichte über Fehlbildungen bei Säuglingen müssen wir ernst nehmen“, erklärte Karl-Josef Laumann (CDU) laut einer Mitteilung. „Hierbei helfen allerdings keine Spekulationen. Vielmehr muss den möglichen Ursachen mit der gebotenen Sorgfalt nachgegangen werden.“

Weitere Fälle im Kreis Euskirchen?

Gleichzeitig berichten der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Kölnische Rundschau“, dass es im Kreis Euskirchen offenbar ebenfalls eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben hat. Das berichtete der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif den beiden Zeitungen (Samstagsausgabe). „Ich weiß von drei Fällen aus den letzten Monaten, in denen Kinder mit nur einer Hand geboren wurden“, so Seif. In einem Schreiben habe er demnach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gebeten, ein Frühwarnsystem auf Bundesebene anzustoßen. So könne möglicherweise festgestellt werden, ob bestimmte äußere Einflüsse verantwortlich seien, auch wenn nicht immer die Ursache ermittelt werden könne. Bei seinen Nachforschungen vor sechs Monaten habe sich keine öffentliche Stelle verantwortlich gesehen, so Seif. Statistisch werde bundesweit und kreisweit lediglich ermittelt, wie viele Menschen mit Behinderungen es gebe. Darüber hinausgehende individuelle statistische Erhebungen, ob bei Neugeborenen eine Behinderung vorliege und um welche Art von Behinderung es sich handele, gebe es nicht.

Häufung in Gelsenkirchen erinnert an Fälle in Frankreich

Die Häufung der Fehlbildungen erinnert an Fälle in Frankreich: 25 Kinder mit der gleichen Fehlbildung wurden zwischen 2000 und 2014 in drei französischen Departements geboren. Ihnen allen fehlen Hände, Arme oder Unterarme. Laut Experten sei den Müttern eines gemeinsam: Sie alle lebten in der Nähe von Feldern, auf denen Getreide und Sonnenblumen angebaut würden. Eine mögliche Ursache für die Behinderungen der Kinder könnte demnach ein Umweltfaktor sein, räumte im vergangenen Jahr die zuständige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn ein. Bislang blieb die Forschung nach der Ursache in Frankreich ohne Ergebnis.

Lesen Sie auch: Babys mit Fehlbildungen: Was sind mögliche Ursachen?

Von Heike Manssen/RND

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