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Panorama „Ich habe Angst gehabt, heute früh raus zu gehen“
Nachrichten Panorama „Ich habe Angst gehabt, heute früh raus zu gehen“
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13:51 14.12.2018
Ein Fernsehteam bereitet sich auf eine Live-Schalte an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis vor.In dem Stadtteil innerhalb weniger Stunden gleich drei Frauen durch Stiche auf offener Straße schwer verletzt worden.
Ein Fernsehteam bereitet sich auf eine Live-Schalte an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis vor.In dem Stadtteil innerhalb weniger Stunden gleich drei Frauen durch Stiche auf offener Straße schwer verletzt worden. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Nürnberg

Zu sehen ist praktisch nichts mehr. Und trotzdem wissen am Freitagmorgen alle Bescheid: Ein bislang Unbekannter hat am Vorabend im Nürnberger Stadtteil St. Johannis unweit der Kaiserburg drei Frauen niedergestochen und schwer verletzt. Zwei der drei Opfer im Alter von 26, 34 und 56 sind zunächst in Lebensgefahr – erst nach Stunden geben die Ärzte Entwarnung. War es ein Terroranschlag? Hass auf Frauen? Die Taten eines Verrückten? Die Spekulationen gehen in alle Richtungen. Die Polizei hat bisher keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Der Täter ist bislang nicht gefasst.

Die drei Tatorte liegen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt – in einem beliebten Viertel mit vielen Altbauten. „Ich habe schon ein komisches Gefühl“, sagt eine 54-Jährige, die gerade auf dem Weg zur Arbeit ist. „Wahrscheinlich war es einfach nur ein Irrer.“ Weihnachten sei immer eine komische Zeit, erklärt die Frau. „Viele sind dann alleine und drehen durch.“

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Auch im „Caffé Fatal“ um die Ecke gehen die Gedanken in diese Richtung – die Taten sind hier Thema Nummer Eins unter den Gästen. „Wahrscheinlich ist da einer ausgetickt“, sagt die 53 Jahre alte Kerstin. An einen Terroranschlag glaubt sie nicht. „Vielleicht hatte da einer einen Hass auf Frauen?“, fragt sie. Sie gehe jedenfalls von einem Einzeltäter aus. Solange dieser nicht geschnappt ist, werde sie auf jeden Fall etwas vorsichtiger sein. „Ich habe aber gar keine Lust darauf, mich zu Hause einzuschließen.“

Nürnberg: Sicherheitsgefühl der Bürger hat abgenommen

Die 26 Jahre alte Elen und ihre Freundin Dilan (25) zeigen sich sehr erschrocken. Die jungen Frauen machen in der Klinik um die Ecke eine Ausbildung zur Krankenschwester. Ihr erster Gedanke, als sie die Nachrichten hörte: „Oh Gott, was wäre, wenn ich betroffen gewesen wäre?“, fragt Elen. Sie sei am Vorabend ganz in der Nähe unterwegs gewesen und habe mit dem Kopfhörer Musik gehört – das will sie nun erstmal bleiben lassen. „Ich denke, dass es ein psychisch Kranker war“, sagt die 26-Jährige. „Vielleicht hatte er auch Drogen genommen.“

Ihre Freundin dachte als erstes an einen Terroranschlag. „Das passiert ja jetzt immer in der Weihnachtszeit“, sagt Dilan. „Ich habe Angst gehabt, heute früh raus zu gehen.“ Es könne überall und jederzeit passieren – selbst in einem an sich sicheren Stadtteil wie St. Johannis. „Kein Ort ist sicher“, sagt auch eine andere Frau, die gerade in Nürnberg zu Besuch ist.

Dieser Eindruck passt zu einer neuen Bürgerbefragung der Stadt. Das Sicherheitsgefühl der Bewohner hat demnach abgenommen. Im Jahr 2011 zeigte sich noch die Hälfte der Nürnberger bei dem Thema „zufrieden oder sehr zufrieden“, wie eine Sprecherin des Bürgermeisteramtes sagt. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 43 Prozent. „Die Unsicherheit hat zugenommen. Das ist aber kein Nürnberger Phänomen, sondern gilt allgemein“, sagt sie. Genauere Ergebnisse der Befragung wollte die Stadt am Freitag vorstellen. Nach den Angriffen wurde der Termin aber erst einmal abgesagt.

Von Catherine Simon/RND/dpa