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Panorama Razzia gegen illegale Pyrotechnik in Sachsen und anderen Bundesländern
Nachrichten Panorama Razzia gegen illegale Pyrotechnik in Sachsen und anderen Bundesländern
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14:00 07.12.2018
Diese Sprengsätze konnten die Ermittlungsbehörden unter anderem aus dem Verkehr ziehen.
Diese Sprengsätze konnten die Ermittlungsbehörden unter anderem aus dem Verkehr ziehen. Quelle: Staatsanwaltschaft Köln
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Köln / Leipzig

Die Staatsanwaltschaft Köln hat in den vergangenen Tagen zum großangelegten Schlag gegen illegale Pyrotechnik ausgeholt. Bundesweit seien 53 Wohnungen und Lagerräume durchsucht wurden – darunter auch in Sachsen. 500 Beamte verschiedener Zollämter sowie weitere Spezialkräfte anderer Polizeieinheiten hatten es auf illegale Sprengsätze abgesehen, die über einen polnischen Versandhandel in die Bundesrepublik gebracht worden waren, erklärte Staatsanwalt René Seppi am Freitag.

Nicht weniger als 27.264 Stück Feuerwerkskörper mit einer Nettoexplosivmasse von 315 kg seien so aus dem Verkehr gezogen worden. Zum Teil war dabei der Einsatz von Spezialisten nötig. In einer Wohnung im nordrhein-westfälischen Bad Berleburg hätten die Ermittler beispielsweise soviel Sprengstoff gefunden, dass sofort sieben Mehrfamilienhäuser in der Nachbarschaft evakuiert werden mussten. Noch vor Ort wurde die nicht transportfähige Pyrotechnik durch mehrere koordinierte Sprengungen vernichtet, teilte Seppi mit. 

57 Festnahmen in ganz Europa - Kundendaten sichergestellt

Weitere Angaben zu den konkreten Orten der Razzien wollte der Staatsanwalt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen. Sicher ist nur, es waren Zollfahnder aus Dresden, Essen, Frankfurt/Main, Hannover, Hamburg, München, Stuttgart und Berlin-Brandenburg in den jeweiligen Regionen beteiligt. Die beschlagnahmte Pyrotechnik sei keineswegs gewöhnlich gewesen, sondern unterliege als „explosionsgefährliche Stoffe dem Sprengstoffgesetz, wobei es sich teilweise um besonders gefährliche Objekte der höchsten Kategorien F3 und F4 handeln soll“, sagte Staatsanwalt Seppi.

Die Hintermänner des Verkaufs und Vertriebs der Sprengsätze seien zuvor bereits von polnischen und niederländischen Behörden sowie Europol ins Visier genommen worden. Während die niederländischen Kollegen die Bestelldaten des Onlineshops und somit wohl auch alle Kunden ermitteln konnten, gingen die polnischen Sicherheitskräfte gegen den Vertrieb vor. 57 Personen konnten europaweit vorläufig festgenommen worden, hieß es am Freitag.

Alle Webseiten, die zum illegalen Vertriebssystem gehören, wurden inzwischen abgeschaltet. Darüber hinaus konnten auch 74 Paketsendungen, die bereits auf dem Versandweg zu den Kunden waren, noch abgefangen und die darin befindlichen Sprengsätze sichergestellt werden. „Das erhebliche Gefährdungspotential für das Personal der betroffenen Paketdienstleister sowie das Risiko bei der Paketannahme ist dadurch beseitigt worden“, sagte Seppi.

Matthias Puppe