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Panorama Kind (2) im Park vergessen: Andere Eltern verteidigen die Erzieher
Nachrichten Panorama Kind (2) im Park vergessen: Andere Eltern verteidigen die Erzieher
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12:21 23.05.2019
Der Schrevenpark in Kiel. Quelle: picture alliance / dpa
Kiel

Der Fall des zweijährigen Salih, der vor knapp zwei Wochen bei einem Ausflug seiner Kita im Kieler Schrevenpark vergessen wurde, beschäftigt die Justiz. Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der „Kieler Nachrichten“ mitteilte, sind Ermittlungen gegen die beiden Erzieher aus der Einrichtung eingeleitet worden. Die übrigen Eltern aus der Kita-Gruppe des Jungen appellieren allerdings, auf eine strafrechtliche Verfolgung zu verzichten und setzen sich öffentlich für die mittlerweile entlassenen Betreuer ein.

Mehr zum Thema: Kind (2) im Park vergessen: Kita feuert Erzieher

Staatsanwaltschaft ermittelt „von Amts wegen“

„Von Amts wegen“, berichtet ein Sprecher, habe die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eingeleitet. Die Initiative gehe somit nicht von den Eltern des zweijährigen Salih aus – doch auch die Familie des Jungen strebt weiterhin eine Strafverfolgung an. Bei ihren Nachforschungen stünden die Ermittler noch ganz am Anfang. Die Vorwürfe lauten derzeit „Verletzung der Fürsorgepflicht“ und „Aussetzung“ eines Kindes. Doch das ist der jetzige Stand der Ermittlungen. „Wir müssen erst die abschließenden Bewertungen abwarten, bevor entschieden wird, wie es weitergeht“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ob es allerdings unter den genannten Anklagepunkten tatsächlich zu einem Prozess kommt, ist fraglich. Damit die Tatbestände erfüllt sind, muss vorsätzliches Handeln oder fahrlässige Körperverletzung vorliegen. Eine ernsthafte Bedrohung für den kleinen Salih scheint es jedoch nicht gegeben zu haben, denn glücklicherweise wurde der zweijährige Junge von der Polizei im Schrevenpark aufgegriffen und nach Hause gebracht, bevor etwas Schlimmeres passieren konnte.

Kita-Eltern unterstützen Erzieher

Unterdessen machen sich die Eltern der Kinder aus der UKSH-Kita für die Erzieher stark. In einem Schreiben äußern die Eltern der neun verbliebenen Kinder aus der Küken-Gruppe – Salih besucht die Kita nicht mehr – Verständnis für die Trauer und die Wut der Familie des Jungens, gleichzeitig hoffen sie aber auch, dass die Erzieher keine rechtlichen Konsequenzen tragen müssen.

„Wir empfinden es als tragisch, dass das Schicksal der in unseren Augen sehr engagierten Erzieher nun zusätzlich zum Verlust ihres Arbeitsverhältnisses weiter durch eine strafrechtliche Verfolgung erschwert werden soll“, heißt es in der Stellungnahme, die von sämtlichen Eltern unterstützt wird. Es folgt ein Appell an Salihs Familie, „vom Versuch einer strafrechtlichen Verfolgung Abstand zu nehmen“. Die „Küken-Eltern“ distanzieren sich „ausdrücklich von diesem Vorhaben“. „Dies wird das Geschehene nicht ändern. Wir sprechen der Kita und den beiden Erziehern weiterhin unser Vertrauen aus.“

Der Familie des Zweijährigen war das Schreiben unbekannt, Gespräche mit den anderen Eltern gab es nicht. Salihs Mutter vertritt weiterhin den Standpunkt, dass es zu einem Prozess kommen sollte. Unabhängig von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wollen die Eltern ein Berufsverbot für die Betreuer erwirken. Dass sich das UKSH wenige Tage nach dem Vorfall von den erfahrenen Erziehern – ein Mann und eine Frau – getrennt hat, reicht ihnen nicht. „Wenn man selbst nicht betroffen ist, kann man nicht nachvollziehen, wie sich Eltern fühlen“, begründet Natalia Kartal. Die 25-Jährige hat zwar auch Mitleid mit den Erziehern, hofft aber gleichzeitig auf Verständnis für das eigene Vorgehen.

Von Karen Schwenke/RND

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