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Panorama Kinderarzt soll Hunderte Mädchen und Jungen mit HIV infiziert haben
Nachrichten Panorama Kinderarzt soll Hunderte Mädchen und Jungen mit HIV infiziert haben
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12:08 27.05.2019
HIV-Test: Ein pakistanischer Arzt nimmt in einem Krankenhaus in einem Dorf in der Nähe von Ratodero, einer Kleinstadt in der südlichen Provinz Sindh in Pakistan, am Finger eines Dorfbewohners Blut ab. Quelle: Fareed Khan/AP/dpa
Islamabad

Hunderte positive HIV-Tests haben in der südpakistanischen Provinz Sindh zu einer Panik geführt. Nachdem im März bei mehreren Kindern eine HIV-Infektion entdeckt worden war, hatten die Behörden im April beschlossen, alle Bewohner der Region rund um die Stadt Rato Dero zu testen. Mittlerweile seien mehr als 700 HIV-Infektionen bestätigt, sagte der Behördenvertreter Sikandar Memon. Drei Viertel davon seien Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren. „Die Resultate sind entsetzlich“, sagte Memon. Ein Arzt soll das Virus durch mehrfach verwendete Spritzen verbreitet haben.

Mehrere medizinische Teams würden derzeit täglich bis zu 2000 Menschen testen. Es bestehe die Sorge, dass die Zahl der Infektionen noch steige, sagte der Arzt und Vertreter der lokalen Gesundheitsbehörde, Masood Solangi. Rato Dero ist eine von Armut betroffene Stadt mit rund 200 000 Einwohnern.

Verbreitung durch Wiederverwendung von infizierten Nadeln oder Skalpellen

Gesundheitsexperten zufolge wurde das Virus durch die Wiederverwendung von infizierten Nadeln oder Skalpellen weiterverbreitet – verantwortlich machen die Behörden in der Provinz Sindh einen Kinderarzt. Er ist den Angaben zufolge selbst mit HIV infiziert. Der Mann sitzt in Haft, bestreitet allerdings, seine Patienten wissentlich angesteckt zu haben.

Was die Verbreitung des Virus wohl noch beschleunigte: Viele Pakistaner lehnen Tabletten ab und fordern bei gesundheitlichen Problemen Spritzen oder Infusionen, die sie als effizienter ansehen und oft in kleinen Hinterzimmern von schlecht ausgebildetem medizinischen Personal verabreicht bekommen.

Ihren Ausgang hätten die HIV-Infektionen von Sexarbeitern und Drogensüchtigen genommen, sagte die Ärztin Fatima Meeran, eine HIV-Expertin in der Region. Die unsicheren medizinischen Praktiken hätten sie zu einer Epidemie anwachsen lassen. Laut UN-Schätzungen waren 2017 rund 150.000 Menschen in dem 220-Millionen-Land HIV-positiv.

Von RND/dpa