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Panorama Moritz Bleibtreu: „Ich gehe dahin, wo die guten Geschichten sind“
Nachrichten Panorama Moritz Bleibtreu: „Ich gehe dahin, wo die guten Geschichten sind“
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19:13 19.10.2018
Moritz Bleibtreu spielt in der ZDF-Serie "Die Protokollantin" neben Iris Berben. Quelle: ZDF und [m] KNSK; Tobias Schult, Mathias Bothor

In der Serie „Die Protokollantin“ gibt es nicht nur eine weibliche Hauptdarstellerin, sondern auch eine Drehbuchautorin und zwei Regisseurinnen – eine noch eher seltene Konstellation. Wie fanden Sie es?

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit einer Regisseurin einen Film gemacht habe. Aber Sie haben Recht: Es ist leider immer noch zu selten, und ich hoffe, dass sich das jetzt ändert und eben auch in dem Fach bald mehr Frauen zu finden sind.

Ist das Arbeitsklima in so einer Konstellation ein anderes?

Nein, das Klima ist überhaupt nicht anders. Ein guter Regisseur ist ein guter Regisseur, egal ob das ein Mann, eine Frau oder sonstwas ist.

Wie war die Arbeit mit Iris Berben, die die Hauptrolle in der Serie spielt?

Iris und ich kennen uns seit ewig langer Zeit, weil sie mit meiner Mutter befreundet war. Zum ersten Mal zusammen gedreht haben wir bei „Schuld“, und jetzt wieder: Entzückend, wunderbar, ganz großartige Kollegin.

Sie spielen in der Serie den Bruder der Protagonistin, der früher einen Club und dadurch Verbindungen zum Rotlichtmilieu hatte. Sie selbst hatten auch eher eine „Kiez-Kindheit“, sind mit einer alleinerziehenden Mutter in einem Rotlichtviertel aufgewachsen. Hilft Ihnen das, sich in solche Rollen hineinzuversetzen?

Das weiß ich nicht so richtig, das ist ja immer ein Gesamtschatz an Erfahrungen, den man im Leben zusammenträgt und der dazu führt, dass man sich so in eine Figur hineinwurschteln kann. Was immer man im Leben erlebt hat, ist immer eine Hilfe, wenn es darum geht, dass solche Erfahrungen Teil einer Figur sind, die man zu spielen hat. Gleichzeitig ist es keine Garantie dafür, dass man dann etwas überzeugend spielen kann. Am Ende ist immer die größte Kraft des Schauspielers die Fantasie.

Was für Rollen spielen Sie am liebsten?

Ich habe mir zur Prämisse gemacht, mich selbst möglichst zu überraschen, mit dem was ich mache. Weil ich denke, dass wenn ich mich überrasche, ich auch andere überrasche. Es muss irgendwas Klick in mir machen und ich muss mich herausgefordert fühlen.

War das bei „Die Protokollantin“ der Fall?

Absolut. Allein schon wegen des dramaturgischen Aufbaus, den so eine Figur bietet, wenn man einen Film über fünf Teile macht. Das ist für einen Schauspieler – und das ist sicher auch einer der begrüßenswerten Faktoren, wenn es um diese neuen Serienstrukturen geht – schon ziemlich spannend. Weil man dann die Zeit hat, eine Figur auf eine ganz andere Art und Weise zu entwickeln, viel minutiöser zu arbeiten.

Sie haben mal in den Neunzigerjahren gesagt, dass sie keine Fernsehfilme, sondern nur noch Kinofilme drehen wollen, weil das Zuschauen bei Fernsehfilmen eine passive Form sei im Gegensatz zum aktiven Ins-Kino-gehen. Hat sich das geändert mit den neuen Serienstrukturen?

Das hat sich nicht geändert, ich habe jetzt auch 17 Jahre kein Fernsehen gemacht und das ist genau die Zeit gewesen, in der das noch ging. Aber wenn ich das heute noch tun würde, würde ich nicht mehr bei den spannenden Geschichten mitmachen und kein Geld mehr verdienen. Mit deutschem Kino alleine, wenn man einen etwas komplizierten Geschmack hat so wie ich, wird das schwer. Außerdem ist es so, dass die komplexen Erzählstrukturen immer mehr in die Serienformate abwandern. Und ich gehe dahin, wo die guten Geschichten sind.

Erlebt das Fernsehen durch solche Serien eine neue Entwicklung?

Nein, es ist keine Renaissance des Fernsehens, die wir hier erleben, sondern die Geburt der Streamer. Das ist was völlig Anderes. Eine Serie wie die „Protokollantin“ hättest du vor zehn Jahren niemals machen können im ZDF.

Wie hat diese Veränderung Ihre Arbeit als Schauspieler verändert?

Alle Filmschaffenden stecken jetzt in viel längeren Arbeitszusammenhängen. Man kriegt keine Leute mehr, weil alle in irgendwelchen Verträgen stecken, die über zwei, drei Staffeln gehen. Momentan ist die ganze Filmindustrie dabei, sich neu zu strukturieren.

Wie finden Sie diesen Strukturwandel?

Der Wandel ist natürlich begrüßenswert, weil wir alle mehr Arbeit haben. Aber es geht natürlich auch zulasten meines heißgeliebten Kinos, was eben in seiner sozialen Relevanz immer mehr an Mitteln verliert. Ein weiterer negativer Aspekt ist das Verschwinden der Reflexion, weil ein Kinofilm, der zwei Stunden lang ist, den wir gemeinsam mit anderen Menschen gucken, den bespricht man meistens danach. Das ist etwas, das im Zuge dieser Serienstruktur verschwindet. Anstelle der Reflektion findet ein Suchtverhalten statt, wo man so schnell wie möglich die neueste Folge sehen will.

Die Serie „Die Protokollantin“ startet am 20. Oktober um, 21.45 Uhr im ZDF.

Von Hannah Scheiwe/RND

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