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Panorama Schien- und Wadenbein gebrochen: Kreisklassen-Fußballer für brutales Foul verurteilt
Nachrichten Panorama Schien- und Wadenbein gebrochen: Kreisklassen-Fußballer für brutales Foul verurteilt
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11:48 15.05.2019
Ein Kreisklassen-Fußballer wurde in Hannover zu einer Geldstrafe verurteilt. Quelle: Uli Deck/dpa
Hannover

Auf den regionalen Fußballplätzen Deutschlands gibt es die Szene ständig: Ein Spieler grätscht den Stürmer der gegnerischen Mannschaft beim Abwehrversuch um. Der fällt und verletzt sich. So etwas kommt an den Wochenenden wahrscheinlich hundert Mal vor. Doch was passiert, wenn die Verletzung schmerzhafter wird und das Ziel womöglich gar nicht war, den Ball zu erobern?

Einen solchen Fall behandelte am Dienstag das Amtsgericht in Hannover. Ein Spieler des Fußballvereins SC Elite II wurde wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen von jeweils 15 Euro – also 1350 Euro – verurteilt, weil er einen Spieler des FC Can Mozaik II in einer Partie der vierten Kreisklasse brutal umgegrätscht hatte. Dabei brach der 24-Jährige seinem Kontrahenten das linken Schien- und Wadenbein.

Stürmer aus Hannover muss zweimal operiert werden – acht Wochen arbeitsunfähig

Die Folge: Der Flügelstürmer des FC Can Mozaik musste zwei Operationen über sich ergehen lassen und war acht Wochen arbeitsunfähig. „Noch heute habe ich Schmerzen bei Belastung und kann keinen Sport machen“, erzählte der Elektriker-Azubi vor Gericht.

Was war passiert? Der FC Can Moazik führte in der Partie der untersten Spielklasse zehn Minuten vor dem Abpfiff mit 5:1. Das Spiel war entschieden, die Gastgeber aber erneut auf dem Vormarsch. Semo R. (21) bekam an der Mittellinie den Ball und wollte flink zum Tor laufen. „Da war nur noch ein Abwehrspieler, an dem wäre ich vorbeigekommen.“

Verletzter Fußballspieler: „Es hat unglaublich weh getan“

Aber er kam nicht weit. Als er sich den Ball vorlegte, rauschte ihm José V. mit hohem Tempo und gestrecktem Bein von hinten-links in die Parade. „Es hat unglaublich weh getan. Als ich dann das Bein hochheben wollte, sah ich schon wie es halb runterhing. Ich war geschockt“, erinnert er sich. Der Elite-Spieler sah die rote Karte, sorgte sich aber anschließend um den verletzten Spieler.

„Es tut mir leid, was passiert ist“, sagte José V. vor Gericht. Der technisch versierte Mittelfelderspieler, der in Ecuador geboren ist und nur Spanisch spricht, gilt unter seinen Teamkollegen eigentlich als fairer Spieler. Er beteuert, dass er den Ball spielen und seinen Gegenspieler nicht verletzen wollte. „Als ich zur Grätsche ansetzte, war der Ball noch an seinem Fuß. Nachher konnte ich mein Bein nicht mehr wegziehen.“

18-jähriger Schiedsrichter als Zeuge vor Gericht in Hannover

Der 18-jährige Schiedsrichter, der als Zeuge geladen war, sah das anders: „Die Grätsche hatte jeden Bezug zum Ball verloren. Das war dunkelrot.“ In seiner Karriere als Unparteiischer habe er noch nie einen so klaren Platzverweis gesehen, wie an diesem November-Tag. „Die Brutalität war eindeutig zu erkennen“, stellte er klar. Dass José V. den Ball noch erreichen konnte, hielt er für nahezu ausgeschlossen.

Die Zeugen der beiden Vereine stellten sich hinter ihren jeweiligen Schützling. „Das war Absicht, das hat man direkt gesehen. Das erkennt man, wenn man lange Fußball gespielt hat“, sagte der Can-Trainer. Ein Mitspieler des Angeklagten beim SC Elite betonte: „Er wollte den Ball spielen. Das sieht man, wenn man lange Fußball gespielt hat.“

Staatsanwaltschaft hatte sogar für eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten plädiert

Richter Olaf Wöltje entschied sich für die Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar für eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten plädiert, die Verteidigung für Freispruch. „Er hat die Verletzung des Gegenspielers billigend in Kauf genommen“, sagte Wöltje.

Im Grunde genommen müsse man als Fußballer damit rechnen, im Spiel verletzt zu werden. Bei dem Foulspiel habe aber ein grob regelwidriges Verhalten vorgelegen, urteilte Wöltje: „Auch ein Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum.“

Von RND/NP/Sascha Priesemann

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