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Panorama Wie sicher sind die Brücken in Deutschland?
Nachrichten Panorama Wie sicher sind die Brücken in Deutschland?
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16:53 14.08.2018
Die Ruhrtalbrücke ist in Deutschland mit 1830 Metern die längste Straßenbrücke aus Stahl. Quelle: dpa
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Hannover

Der Brückeneinsturz in Genua schockt ganz Europa. Bei vielen schürt es aber auch die Angst, dass hierzulande ein ähnliches Unglück passieren könnte. Doch wie realistisch ist das? Ein Überblick.

In welchem Zustand sind die Fernstraßenbrücken in Deutschland?

„Eine Vielzahl der Brücken ist in den Sechziger- und Siebzigerjahren gebaut worden“, sagt Frank Ehlert, Pressesprecher im Bereich Industrieservice beim TÜV Rheinland. „Da haben wir schon seit einigen Jahren das kritische Alter erreicht.“ Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) ist der Zustand der Brückenflächen bei über zwölf Prozent „sehr gut“ oder „gut“, bei etwa 75 Prozent „befriedigend“ oder „ausreichend“. Bei fast elf Prozent ist der Zustand „nicht ausreichend“, bei knapp zwei Prozent gar „ungenügend“. Umso wichtiger seien die regelmäßigen Kontrollen, die in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben sind.

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Wer prüft die Brücken und wie oft?

Grundsätzlich haben Bund und Länder die Verantwortung für die Autobahnbrücken in Deutschland. Die öffentliche Hand beauftragt Brückenprüfer wie zum Beispiel die Kollegen des TÜV Rheinlands. Alle sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine einfache Prüfung. Außerdem sind laut DIN-Norm 1076 Sonderprüfungen bei gegebenem Anlass vorgesehen. „Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Schiff gegen eine Rheinbrücke kracht“, sagt Ehlert.

Was passiert, wenn Mängel festgestellt werden?

Da gibt es je nach Ausmaß verschiedene Möglichkeiten. Entweder die Brücke wird sofort gesperrt und saniert – das ist aber kostspielig, aufwendig und hemmt den Verkehrsfluss. Deshalb entscheiden sich viele Betreiber für vorübergehende Maßnahmen. So kann zum Beispiel die Geschwindigkeit auf einer Brücke begrenzt oder sie für Lkw gesperrt werden. Eine andere Möglichkeit ist laut Ehlert ein spezielles Monitoring. Dafür wird die betreffende Brücke mit einer Sensortechnik ausgestattet. „Das ist eine Langzeitüberwachung, wie ein EKG im Krankenhaus“, erklärt Ehlert. Damit können die Experten in Echtzeit prüfen, wie sich der Schaden entwickelt. „Wenn bestimmte Schwellenwerte erreicht sind, wird dann hier bei uns im Büro ein Alarm ausgelöst“, erklärt Ehlert.

Von Anne Grüneberg/RND