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Politik Schröders heftige Nahles-Kritik löst in der SPD Stirnrunzeln aus
Nachrichten Politik Schröders heftige Nahles-Kritik löst in der SPD Stirnrunzeln aus
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16:42 01.02.2019
Altkanzler Gerhard Schröder: Amateurfehler. Quelle: Florian Gärtner/photothek
Berlin

Der ehemalige Bundeskanzler und frühere SPD-Chef Gerhard Schröder hat scharfe Kritik an der aktuellen Parteivorsitzenden Andrea Nahles geäußert und ein Comeback von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel ins Spiel gebracht. „Sigmar Gabriel ist vielleicht der begabteste Politiker, den wir in der SPD haben“, sagte Schröder im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ laut Vorabmeldung. Gabriel sei ein paar Leuten in der Partei zu fest auf die Füße getreten und müsse nun selbst entscheiden, ob er noch einmal eine stärkere Rolle spielen wolle, so Schröder weiter. „Aber die SPD könnte von seinen Fähigkeiten nach wie vor profitieren.“

Schröder sprach sich dafür aus, die nächste Kanzlerkandidatur der Partei mittels einer Urwahl zu klären. „Die SPD hat mit der Urwahl gute Erfahrungen gemacht“, sagte er. „Eine Urwahl mobilisiert und schafft einen guten Background für den Wahlkampf.“

Schröder spricht Nahles ökonomische Kompetenz ab

Der nächste Kanzlerkandidat der SPD müsse über ökonomische Kompetenz verfügen, sagte Schröder weiter. Auf die Frage, ob Nahles über Kompetenz verfüge, sagte er: „Ich glaube, das würde nicht mal sie selbst von sich behaupten.“ Kritik übte Schröder auch sprachlichen Ausrutschern der aktuellen SPD-Vorsitzenden, etwa an der Formulierung „Bätschi“. „Das sind Amateurfehler“, sagte Schröder: „Sie war damals zwar noch nicht Vorsitzende, aber so drückt man sich einfach nicht aus.“

Nahles hatte im Dezember 2017 in einer Bundestagsrede über die Gespräche mit der Union über eine Regierungsbildung gesagt: „Die SPD wird gebraucht. Bätschi, sage ich dazu nur.“ Kurz nach der Bundestagswahl hatte sie auf die Frage, wie sie sich nach ihrer letzten Kabinettssitzung und vor dem Wechsel an die Spitze der SPD-Bundestagsfraktion fühle, mit Blick auf die Unionskollegen geantwortet: „Ein bisschen wehmütig - und ab morgen kriegen sie in die Fresse!“

In der SPD sorgten die Äußerungen Schröders für Stirnrunzeln. Immerhin bricht der frühere Parteichef, der die SPD von 1999 bis 2004 geführt hatte, mit dem ungeschriebenen Gesetz, dass Amtsvorgänger ihren Nachfolgern keine öffentlichen Ratschläge geben sollten.

Harald Christ nennt Schröders Einlassung „nicht hilfreich“

„Ich schätze Gerhard Schröder sehr, sein jüngster Beitrag irritiert mich aber“, sagte Harald Christ, Mittelstandsbeauftragter des SPD-Parteivorstandes, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich teile seine Einlassung zur Wirtschaftskompetenz von Andrea Nahles überhaupt nicht, und ich finde sie auch nicht hilfreich“, so Christ, der zu den Gründern des SPD-Wirtschaftsforums zählt, weiter.

„In der Bunten oder der Gala kann Gerhard Schröder erzählen, was er will, in der seriösen Presse aber sollte er sich mit Kritik an seinen Nachfolgern zurückhalten“, fügte Christ hinzu. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt habe Schröder zu dessen Kanzlerzeit auch nicht öffentlich kritisiert. „Ich appelliere an alle handelnden Personen der SPD, persönliche Animositäten zu unterdrücken und sich der Sacharbeit zu widmen“, so Christ weiter. „Einwürfe von der Seitenlinie helfen in der aktuellen Situation unserer Partei niemandem.“

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Von Andreas Niesmann/RND

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