Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Amazon-Chef stemmt sich gegen Trumps Boulevardpresse
Nachrichten Politik Amazon-Chef stemmt sich gegen Trumps Boulevardpresse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:52 08.02.2019
Sieht sich unvermittelt in einen Politkrimi verstrickt: Amazon-Chef Jeff Bezos. Quelle: AFP
Washington

Über Tage sonnte sich der „National Enquirer“ in seinem vermeintlichen Erfolg. Die umstrittene Boulevardzeitung hatte private Textnachrichten zwischen Jeff Bezos und seiner Geliebten veröffentlicht und damit den reichsten Menschen der Welt bloßgestellt. Was der Öffentlichkeit zunächst allerdings verborgen blieb: Die Auseinandersetzung tobt genau entlang der Frontlinie zwischen Unterstützern und Gegnern des Präsidenten.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) sorgte Jeff Bezos für Aufsehen, als er der Boulevardzeitung in einem offenen Brief Erpressung vorwarf. Der Chef des „National Enquirer“ habe mit der Veröffentlichung von Nacktfotos gedroht, sollte der Amazon-Chef nicht zwei Bedingungen erfüllen: seine private Ermittlungen gegen den Verlag einzustellen und öffentlich zu erklären, dass die pikanten Veröffentlichungen nicht politisch motiviert seien.

Der reichste Mensch der Welt im Visier der Trump-nahen Blätter

Tatsächlich hatte der Amazon-Chef ein ganzes Heer von Privatdetektiven in Gang gesetzt, um die Hintergründe zu ermitteln, wie sich der Verlag seine privaten Text- und Bildnachrichten aneignen konnte.

Dass Bezos einen politischen Hintergrund hinter dem spektakulären Manöver vermutet, kommt nicht von ungefähr: So war es „American Media Inc.“, die Muttergesellschaft des Enquirer, die sich im Präsidentschaftswahlkampf 2016 eng an die Seite des damaligen Kandidaten Donald Trump stellte. So veröffentlichte das Blatt unvorteilhafte Fotos von Hillary Clinton und behauptete in aller Ernsthaftigkeit, dass die Mitbewerberin todkrank sei.

Als unmittelbare Wahlkampfhilfe lässt sich wohl auch verstehen, dass der Verlag eine hohe Summe an eine Frau zahlte, die behauptete, in früheren Jahren eine Sexaffäre mit Trump gehabt zu haben. Die Frau musste sich im Gegenzug zur Verschwiegenheit verpflichten - und die Skandalgeschichte ist niemals im Enquirer erschienen. Ein Verfahren, das Amerikaner kurzerhand als „catch and kill“ bezeichnen.

Mehr zum Thema:
Amazon-Boss Bezos wirft Skandalblatt Erpressung mit Nacktfotos vor

Bezos sieht sich nicht als „Feind“ des US-Präsidenten

Bezos wiederum ist in Washington nicht nur als reichster Mensch der Welt und als Chef des Internethandels Amazon bekannt, sondern vor allem als Eigentümer der linksliberalen „Washington Post“, die hartnäckig sämtlichen Fehltritten des Präsidenten nachspürt.

Bezos, der sich selbst eher als Mäzen denn als Verleger sieht, zeigt sich von den Kämpfen im Hintergrund überrascht: Er sehe sich keineswegs als „Feind“ des Präsidenten und sei weit davon entfernt sei, die traditionsreiche Zeitung zu instrumentalisieren.

Pulitzer-Preisträger spricht ebenfalls von Erpressungen

Nur Stunden nach seiner eigenen öffentlichen Erklärung erhielt der Unternehmer Rückendeckung von einem prominenten Journalisten: Der Pulitzer-Preisträger Ronan Farrow erklärte, ebenfalls mit ähnlichen Methoden von der „American Media Inc.“ bedroht worden zu sein, als er den Verbindungen zwischen dem Verlag und dem Wahlkampf des Präsidenten nachspürte.

Verlagschef David Pecker sieht sich dagegen keiner Schuld bewusst: „Wir verhalten uns gesetzeskonform. Außerdem gingen wir davon aus, in einem guten Kontakt zu Herrn Bezos zu stehen.“

Der Betroffene beschreibt die Sachlage ganz anders: „Wenn ich, in meiner Position, mich nicht gegen die Erpressung wehre, wer schafft das dann?“

Von Stefan Koch/RND

Explodierende Kosten, Verdacht auf Korruption und Untreue: Trotz der Probleme um die Sanierung des Segelschulschiffs soll der Dreimaster fertig gebaut werden. Eine Insolvenz der zuständigen Werft müsse verhindert werden.

08.02.2019

Familienminister Franziska Giffey ist eine Hoffnungsträgerin der SPD. Jetzt gerät sie in den Verdacht, bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Experten sprechen von einem ernst zu nehmenden Fall.

08.02.2019

Zur Einweihung der BND-Zentrale in Berlin warnt Angela Merkel vor Kriegsgefahren und Fake News im Netz. Zur Problemlösung plädiert sie für weltweite Zusammenarbeit. Auch die Kooperation mit den USA will sie stärken – trotz Präsident Trump und NSA-Skandal.

08.02.2019