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Politik Inlandsflüge: Ministerien und ihre Behörden buchten 2018 über 200.000 Flugreisen
Nachrichten Politik Inlandsflüge: Ministerien und ihre Behörden buchten 2018 über 200.000 Flugreisen
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11:50 25.07.2019
Inmitten einer verschärften Klimadebatte wird nun berichtet: Bundesministerien und nachgeordnete Behörden haben 2018 insgesamt 229.116 Inlandsflüge gebucht. Quelle: Soeren Stache/dpa
Berlin

Die Mitarbeiter der Bundesministerien und ihrer nachgeordneten Behörden haben einem Medienbericht zufolge im vergangenen Jahr 229.116 Flüge im Inland absolviert. Das berichtet die „Welt“ am Donnerstag unter Berufung auf das Innenministerium, das diese Dienstreisen erfasst.

Eine Abfrage bei den Ministerien ergab zudem, dass bei mehreren von ihnen die Zahl dieser Flugreisen in den ersten Monaten 2019 gestiegen ist. Auch in angegliederten Institutionen wie dem Bundesamt für Migration, der Bundesbank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau gehören demnach Reisen per Flugzeug zum Arbeitsalltag.

Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen. Angesichts der Klimadebatte sind Inlandsflüge besonders umstritten, weil es oftmals umweltfreundlichere Alternativen gibt, etwa die Bahn. 2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland.

Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums sollen zu den größten Vielfliegern gehören

Bei den Ministerien gehört das Verteidigungsressort dem Bericht zufolge zu den größten Vielfliegern. Seine Mitarbeiter flogen 2018 insgesamt 13.437 Mal inländisch, also 1119 Mal pro Monat. In diesem Jahr fällt die Bilanz noch größer aus. 1191 Mal pro Monat flogen die Mitarbeiter des Ministeriums bis Ende Mai 2019. Angestiegen sind die Zahlen der Inlandsflüge auch bei den Ministerien für Arbeit und Soziales, Finanzen, Landwirtschaft und Umwelt.

Das Umweltministerium begründet den Anstieg der eigenen Zahlen damit, dass 2018 ungewöhnlich wenig geflogen worden sei. Demnach sei es im vergangenen Jahr nicht um CO2 -Einsparungen gegangen. Vielmehr könne der Rückgang mit der Pleite der Fluglinie „Air Berlin“ und den dadurch gestiegenen Ticketpreisen auf der Bahnstrecke Berlin-Bonn zu tun gehabt haben, sagte eine Sprecherin der „Welt“.

Das Umweltministerium sagt allerdings auch, neben 3200 Flügen seien 2018 4900 Bahnfahrten gebucht worden. Das Ziel, zwischen Bonn und Berlin weniger zu reisen, werde weiter verfolgt.

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Zwei Dienstsitze in Berlin und Bonn als Reisegrund

Die Strecke von Berlin nach Bonn spielt für die Ministerien eine besondere Rolle, weil einige Ministerien zwei Dienstsitze haben, einen in Berlin und einen in Bonn. Allein die Mitarbeiter des Ressorts für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung flogen im vergangenen Jahr dem Bericht zufolge 4490 Mal diese Strecke.

Doch die Bundesregierung steuert auch dagegen. So wird laut dem Bericht bereits seit einigen Jahren Geld ausgegeben, um den verheerenden ökologischen Fußabdruck auszugleichen. Im Jahr 2017 etwa seien rund 300.000 Tonnen CO2 für 1,7 Millionen Euro beglichen worden.

Nicht alle Ressorts antworteten laut „Welt“ vollständig auf die Fragen nach ihren Flugreisen. Fünf Ministerien verweigerten die Antwort komplett. Das Bildungsministerium etwa begründete dies damit, die Zahlen laut rechtlicher Lage nicht mitteilen zu müssen.

Derweil wurde am Dienstag bekannt: Die Grünen planen, Inlandsflüge bis 2035 obsolet werden zu lassen. Verkehrspolitiker Cem Özdemir (Die Grünen) forderte zudem den Komplettumzug der Regierung nach Berlin.

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Von RND/dpa/cz