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Politik D-Day-Gedenken: Wie die „New York Times“ Donald Trump zerlegt
Nachrichten Politik D-Day-Gedenken: Wie die „New York Times“ Donald Trump zerlegt
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20:22 06.06.2019
Queen Elizabeth II und Präsident Donald Trump beim D-Day-Gedenken in Portsmouth. Quelle: imago images / i Images
Portsmouth

Für Donald Trump war es der dritte und letzte Tag seines Staatsbesuchs in Großbritannien: Gemeinsam mit weiteren Staats- und Regierungschefs sowie der Queen nahm er an den Gedenkfeierlichkeiten zum D-Day im britischen Portsmouth teil. Doch am Auftritt des US-Präsidenten ließ die Presse in seiner Heimat kein gutes Haar – insbesondere die „New York Times“. Ein Blick in die Meinungsspalten der Zeitungen.

New York Times“ (USA): Trump versteht nichts von Geschichte

„Wie klein er ist! Klein im Geist, in Mut, in Würde und in der Staatskunst – dieser amerikanische Präsident, der nichts über Geschichte weiß und sich noch weniger darum sorgt, und der nun mit seiner Familie im Schlepptau Europa dominiert wie ein Westentaschendiktator mit einem verängstigten Gefolge. Wer Donald Trump – den Vietnam-Drückeberger, den Umschwärmer von Autokraten, den Möchtegernzerstörer der Europäischen Union, den Zahlungseinforderer der Nato, den Apologeten der weißen Rassisten von Charlottesville – sieht, wie er an die Jungs aus Kansas City und St. Paul erinnert, die ihr Leben für die Freiheit aufgaben, der versteht das Wort Hochstapler. Aus morschem Holz kann man nichts schnitzen.“

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Washington Post“ (USA): Für Trump ist keine Sache größer als das Ich

„Der D-Day wird oft als ’der längste Tag’ bezeichnet, aber Trumps Mittwoch muss kurz dahinter kommen. Als sich das Augenmerk der Welt der legendären Schlacht des Zweiten Weltkriegs zuwandte, konzentrierte sich Trumps Aufmerksamkeit weiter auf das Gedenken an Trump. Bei diesem großen und noblen Unterfangen hatte er die Unterstützung der Parteichefin der Republikaner, Ronna McDaniel, die sagte, der Jahrestag des D-Day ’ist die Zeit, zu der wir unseren Präsidenten feiern sollten.’ (...) Wenn irgendein Ereignis eine Sache symbolisiert, die größer ist als das Ich, dann ist es der D-Day, an dem Tausende unter Nazi-Beschuss die Strände der Normandie stürmten. Aber für Trump ist keine Sache größer als das Ich. Zu einer Zeit, in der eine erhabene Stimmung angebracht gewesen wäre, fiel Trump auf das Kleine zurück – die ’Hexenjagd wegen nichtexistierender geheimer Absprachen’, den ’verschlafenen Joe Biden’, die ’korrupten Medien’ und den ’heulenden Chuck Schumer’ (’Was für ein widerlicher Typ’).“

Berliner Morgenpost“: Leichtfertigkeit, mit der Trump über die Zukunft des Bündnisses schwadroniert, ist alarmierend

„Über Krieg und militärische Leistungen zu lesen, ist wichtig, um für die Zukunft Lehren zu ziehen und Frieden zu lernen. Noch wichtiger, ist es, authentisch über Mut und Leiden, auch über Angst und deren Überwindung von denen zu erfahren, die überlebt haben. So standen die Veteranen des D-Day vor 75 Jahren im Zentrum der Zeremonie in Portsmouth, von wo aus die westlichen Alliierten die Landung über den Ärmelkanal starteten. Ob dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump diese Historie und diese Mission endlich klar geworden ist, bleibt im Augenblick nicht mehr als eindringliche Hoffnung. Denn die Leichtfertigkeit, mit der der US-Präsident über die Zukunft des Bündnisses schwadroniert, ist alarmierend. Dabei sollte der D-Day doch eigentlich auch in Erinnerung rufen, dass allein Gemeinsamkeit zum Erfolg führt.“

Iswestija“ (Russland): Trumps Besuch in London war ohne Bedeutung

„Mit Blick auf die innenpolitischen Probleme, mit denen Großbritannien seit langer Zeit konfrontiert ist, hat Donald Trumps Staatsbesuch in London nur noch symbolischen Wert und keinerlei praktische Bedeutung. Theresa May hat schon entschieden, dass sie von ihrem Posten zurücktreten wird. Genau deswegen haben sich alle nur auf den luxuriösen Empfang der Trump-Familie im Buckingham Palace konzentriert. Ein paar Tage lang haben die Staatsleute die ewige Freundschaft und Zusammenarbeit beschworen. Doch auf der Straße zeigte sich ein anderes Bild: Ganz normale Bürger protestierten, weil sie unzufrieden sind, dass der Präsident ihr Land besucht. (...) Trumps Reise war deshalb wohl eher ein Versuch, sich und allen anderen zu beweisen, dass die euroatlantische Verbindung beider Länder selbst in der Krise unzerstörbar ist.“

Corriere della Sera“ (Italien): Hat die Queen Trump beruhigt?

„Der Eindruck ist, dass Königin Elizabeth eine beruhigende Wirkung auf Donald Trump hatte. Der Präsident war mit kriegerische Äußerungen angereist – gegen den Bürgermeister von London, und nicht nur gegen den. Während des Besuchs verhielt er sich allerdings ruhig. Beim Austausch der Geschenke entstand ein symbolisches Bild: Er groß und dunkel, sie klein und nach vorne gebeugt in einem Blumenkleid. Sie vorne, er hinten. Sie am Steuer, er folgte. Es wäre schön, wenn es nochmal passieren würde: Donald Trump sollte auf diejenigen hören, die mehr wissen als er. Aber das wird nicht passieren. Der Gast wird gehen und wie bisher weitermachen.“

El Mundo“ (Spanien): Trump will ein schwächeres und zerstrittenes Europa

„Wenn Trump nicht der Präsident der größten Weltmacht wäre und das Vereinigte Königreich sich nicht in einer so prekären Lage befinden würde, wäre eine Staatsvisite wie jene, die der US-Präsident gerade in Großbritannien absolviert, völlig undenkbar. Aus diplomatischer Sicht ist bei diesem Besuch alles grotesk. Angefangen bei den inakzeptablen Einmischungen in die Politik des Gastgeberlandes. Trump nimmt es sich heraus, den Briten zu empfehlen, dass sie die EU ohne Rücksicht auf Verluste verlassen, ohne Brüssel jegliche Rechnung zu bezahlen. (...) Trump spielt mit harten Bandagen, indem er der scheidenden Theresa May ein „ehrgeiziges Handelsabkomen“ zwischen Washington und London nach dem Brexit verspricht, das den bilateralen Handelsaustausch verdreifachen könnte. Der Republikaner will eine schwächeres und zerstrittenes Europa, und er macht auch keinen Hehl daraus.“

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Von RND/dpa/das

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