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Politik Das sagt ein „Eurofighter“-Pilot zum Kampfjet-Unglück
Nachrichten Politik Das sagt ein „Eurofighter“-Pilot zum Kampfjet-Unglück
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14:10 26.06.2019
Zwei Eurofighter bei einer Übung bei der Luftfahrtschau ILA in Berlin-Schönefeld. Quelle: dpa
Berlin

Die Fahnen auf dem Gelände der Luftwaffe in Berlin wehen auf halbmast – denn vor wenigen Tagen sind während einer Übung in Mecklenburg-Vorpommern zwei „Eurofighter“ verunglückt – einer der Piloten starb.

Die Flugschreiber sind mittlerweile gefunden worden und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren – und trotzdem wird die Klärung des Vorfalls wohl noch einige Monate in Anspruch nehmen.

Manöver dient dazu, eine Kollision zu verhindern

Bernhard Teicke, Oberst bei der Luftwaffe und selbst „Eurofighter“-Pilot, erklärt, wieso: Es habe sich um einen normalen Übungsflug gehandelt – Routine eigentlich, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Insgesamt war es eine Dreierformation, die da geflogen wurde“, so Teicke. Bei dieser werde unter anderem der „Luftkampf auf Sicht“ trainiert. Sprich: Zwei der Flieger üben die Koordination und das Zusammenspiel in einer Angriffssituation. Der dritte Eurofighter simuliert einen Gegner.

So werde geübt, auch unter Stress konfliktreiche Situationen in der Luft zu bewältigen. Voraussetzung für die startenden Piloten: eine „Eurofighter“-Lizenz sowie ausreichend Flugerfahrung. Bei dem Manöver am Montag sei es eigentlich darum gegangen, genau das zu verhindern, was letztendlich passiert sei - die Kollision der beiden Maschinen.

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Die Übungseinsätze – auch über besiedeltem Gebiet – hält Teicke deshalb für berechtigt und wichtig. Nach dem Unglück hatte es Kritik an den Trainingseinheiten der Luftwaffe gegeben, weil ein Wrackteil in der Nähe eines Kindergartens gefunden worden war.

„Am Ende des Tages müssen wir auch über dem Gebiet üben, dass wir mit unseren Luftstreitkräften schützen sollen“, sagte Teicke. Soweit möglich würden die Flüge aber über Seen stattfinden. „Alle anderen Manöver versuchen wir dann über möglichst dünn besiedelten Gebieten durchzuführen, um das Risiko für die Bevölkerung zu minimieren.“

Die verunglückten „Eurofighter“ seien mit der Untergrenze des Luftraums von 3000 Metern auch nicht zu tief unterwegs gewesen – erlaubt sei der Abstieg bis auf 2000 Meter.

Und die gute Nachricht: Der überlebende Pilot könne seines Wissens nach das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut.

Eignung der Piloten muss überprüft werden

Teicke, der selbst jahrelange Erfahrung als Pilot hat, hält den „Eurofighter“ übrigens für ein sehr sicheres Flugzeug. Während seiner Laufbahn bei der Bundeswehr habe aber auch er schon brenzliche Situationen erlebt, wenn auch in anderen Maschinen.

Bei den nun verunglückten Fliegern handle es sich um Modelle von 2010, mit denen bisher etwa 1000 Flugstunden absolviert worden seien. „Das ist nicht viel für einen Eurofighter“, so Teicke.

Fehlgeschlagener Rettungsausstieg muss geprüft werden

Jetzt gelte es deshalb genau zu prüfen, ob die beiden Piloten ausreichend auf die risikoreiche Übung vorbereitet waren. Generell werde die Eignung vor einem solchen Einsatz aber genau überprüft und eine Risikobewertung vorgenommen.

Generell seien die Regeln sehr streng: „Ist einer nicht ausgeschlafen, hat einer schlecht gefrühstückt oder ist zu lange nicht geflogen, wird entweder das Profil angepasst, sodass es ein risikoarmer Flug wird. Oder er wird komplett nicht angetreten“.

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Außerdem müsse geprüft werden, wieso der Rettungsausstieg des zweiten Piloten nicht gelungen sei. „Oder ob es vielleicht gar keinen Rettungsausstieg gegeben hat und es andere Gründe dafür gab, dass Zeugen zwei Fallschirme gesehen haben“, sagte Teicke.

Nach dem Unglück waren von einem der Flieger nur Leichenteile gefunden worden, Beobachter berichteten aber von zwei geöffneten Rettungsschirmen.

Von Hanna Gerwig/RND

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