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Politik David Cameron - der Vater des Brexit-Dramas fühlt sich schuldlos
Nachrichten Politik David Cameron - der Vater des Brexit-Dramas fühlt sich schuldlos
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08:00 17.09.2019
Der frühere britische Premier David Cameron. Quelle: imago/i Images
London

Auf den ersten Blick wirkte es, als würde David Cameron tatsächlich Reue zeigen. „Es tut mir leid. Ich bin gescheitert“, wurde der ehemalige Premierminister Großbritanniens am Wochenende auf der Titelseite der Zeitung „The Times“ zitiert. Sie druckte Auszüge aus seinen Memoiren, die am Donnerstag erscheinen.

Bei deren Lektüre wird allerdings deutlich: Cameron bereut die Entscheidung, 2016 ein EU-Referendum angesetzt zu haben, keineswegs, er bedauert lediglich die Folgen. Vielmehr versucht er, seine Amtszeit in seinem Sinne darzustellen. Oder eher zu verzerren? Schönzufärben?

„Es tut mir leid. Ich bin gescheitert“

David Cameron; Britischer Ex-Premier

Mit dem Argument, das Volk sei bei der Frage um die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens gespalten gewesen, weshalb eine Abstimmung notwendig wurde, dürfte er jedenfalls ziemlich allein dastehen. Umfragen aus der Zeit vor dem Referendum belegen, dass das Thema weit unten auf der Prioritätenliste der Briten stand, bevor es Cameron in den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit hob.

Rebellische Euroskeptiker sollten schweigen

Der Konservative wollte mit dem Referendum denn auch vor allem die eigene Partei befriedigen. Durch die Abstimmung, so lautete der Plan, sollten die rebellischen Europaskeptiker bei den Tories zum Schweigen gebracht werden. Zudem wollte er auf diese Weise den Aufstieg der rechtspopulistischen Unabhängigkeitspartei Ukip bremsen, die den Tories gefährlich wurden. Cameron hat gezockt. Und verloren.

Er hatte weder eine Strategie für eine vernünftige Kampagne zu bieten noch stellte er Vorbereitungen für den Fall eines Brexit-Votums auf. Am Tag nach dem Referendum kündigte er seinen Rücktritt an. Das Chaos nahm seinen Lauf, heute steckt das Land in der schwersten Krise der Nachkriegszeit und die EU-Feinde sind so stark wie nie, sitzen gar in der Regierung unter Premierminister Boris Johnson.

Mehr zum Thema: Was wissen Sie über Boris und den Backstop? Brexit – das Satirequiz

Den attackiert Cameron ebenfalls, aber geschenkt. Alle tragen schuld, nur Cameron selbst nicht, so der Tenor der Memoiren, die er größtenteils in einer kleine Hütte im Garten seines Hauses in den beschaulichen Cotswolds geschrieben hat. Die Gegend, sie ist so schön wie in einem Bilderbuch. Zwischen dem Landsitz in Oxfordshire sowie einem weiteren in Cornwall und dem Stadthaus in London pendelt er dieser Tage, kümmert sich vor allem um die drei Kinder, während seine Frau Samantha ihr eigenes Modelabel führt.

Der 52-Jährige, der auf das Eliteinternat Eton ging und später an der Universität Oxford Philosophie, Politik und Volkswirtschaft studierte, will alle Erlöse aus dem Buch guten Zwecken spenden. Das Geld braucht er ohnehin nicht. Er stammt aus reichem Hause und hat dazu in den hohen britischen Adel eingeheiratet. Der Ex-Premier, der von 2010 bis 2016 in der Downing Street weilte, wollte eigentlich mit Dingen wie seinem Beitrag zur Wirtschaftserholung des Landes in die Geschichte eingehen, die er durch eine rigorose Sparpolitik erreichte.

Cameron blieb ungewöhnlich still

Nun geht er zwar auch in die Geschichte ein, aber anders als von ihm geplant. Während sich seine Vorgänger im Klub der Ehemaligen, Gordon Brown, Tony Blair und John Major, in den vergangenen Jahren regelmäßig zu Wort meldeten und sich als Brexit-Gegner profilierten, blieb Cameron seit seinem Abgang ungewöhnlich stumm. Freunde von ihm erzählten Medien, er wolle nicht über die Angelegenheit Brexit sprechen. Nun gab er immerhin zu: „Ich denke jeden Tag darüber nach.“ Und: Er mache sich „furchtbare Sorgen, was als Nächstes passiert“.

„Ich denke jeden Tag darüber nach.“

David Cameron; Britischer Ex-Premier

Seine Kritiker – sie sind sowohl in der proeuropäischen Ecke als auch im Brexit-Lager zahlreich – schäumen. Derweil verteilte Cameron erstmals Ratschläge, wie man einen Weg aus der Sackgasse finden könnte. Ein ungeregelter Austritt ohne Abkommen sei die schlechteste Option, befand er. Um dann eine mögliche Lösung zu erwähnen, die aus seinem Mund beinahe ironisch klingt: ein zweites EU-Referendum.

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Von Katrin Pribyl/RND

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