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Politik Ex-CDU-General Polenz: CDU sollte Youtuber-Kritik als Chance nutzen
Nachrichten Politik Ex-CDU-General Polenz: CDU sollte Youtuber-Kritik als Chance nutzen
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10:00 29.05.2019
Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz empfiehlt seiner Partei: Youtube als Chance sehen. Quelle: imago/Metodi Popow
Berlin

Als die CDU-Parteizentrale noch zögerte, war einer schon Online: Der 73-jährige ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz antwortete auf das Video des Youtubers Rezo mit einem offenen Brief.

Herr Polenz, wie bewerten Sie den Ärger über Kramp-Karrenbauers Äußerungen?

Annegret Kramp-Karrenbauer will sicher nicht Meinungs- und Pressefreiheit einschränken und Zensur ausüben. Sie hat sich unglücklich ausgedrückt und das ja nun klargestellt. Es gibt keinen Grund, über neue Regeln nachzudenken. Ein Neutralitätsgebot gibt es nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ansonsten kann jeder sagen und schreiben, was er will - in den Grenzen von Recht und Gesetz. Beleidigung, Verleumdung und Volksverhetzung gehen natürlich nicht.

Es zeigt sich große Unsicherheit der Parteien mit Youtube und anderen Internetforen. Was empfehlen Sie?

Da ist die CDU auf dem falschen Fuß erwischt worden. Dass das so möglich war, ist schon verwunderlich. Seit einer ganz schön langen Zeit ist klar, dass das Internet der Hauptort ist, in dem die politische Diskussion und Meinungsbildung stattfindet. Das ist keine Frage des Alters mehr. Diese Entwicklung hat die CDU bislang nur ein Stück weit aufgenommen: Viele Politiker geben auf den sozialen Medien ihre ihre Statements abgeben. Aber das ist noch keine Kommunikation. Zu der gehört neben dem Senden auch das Antworten. Dafür müssten sich Politiker und Parteien Zeit nehmen.

Und auf Infostände und sonstige Wahlveranstaltungen verzichten?

Natürlich bleiben die traditionellen Infostände – also Sonnenschirm, Tisch, Luftballons – ihre Berechtigung die Möglichkeit der persönlichen Begegnung. Das gilt auch für Versammlungen. Aber der Schwerpunkt hat sich ins Netz verlagert.

Youtuber wie Rezo haben eine spezielle Sprache, die Videos eine besondere Optik. Wie reagiert eine Partei ohne ins Lächerliche oder Unauthentische abzugleiten?

Das Video war gut gemacht. Das war sicher keine Sache von einem halben Tag. Darauf schnell mit einem eigenen Video zu antworten, wäre schwierig gewesen und vermutlich kein großer Erfolg. Die richtige Reaktion wäre gewesen: Wir haben das Video gesehen, danke für die Anregungen. Lassen Sie uns reden. Die vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung hätte später folgen können.

Sie haben selbst einen offenen Brief geschrieben.

Ich habe mich sehr über das Video geärgert und habe dann schnell ein paar Tweets geschrieben. Die Kommentare darauf haben mich bewogen, noch einen offenen Brief zu schreiben. In dem habe ich Rezo zum Teil Recht gegeben, zum Teil widersprochen. Ich habe aber auch dazu aufgerufen, nicht zu unterstellen, dass die Alten sich nicht für die Zukunft der Jungen interessieren.

In den sozialen Medien verlaufen Debatten oft auch sehr aufgeregt. Wie geht man davon um?

Das Netz trägt zu einer gewissen Enthemmung von Diskussionsbeiträgen bei. Manchmal ist es destruktiv und bleibt bei Schlagworten hängen. Man muss aber filtern: In manchen Beiträgen ist der Ton zwar fragwürdig, aber es ist ein inhaltlicher Kern da und man kann den Wunsch nach einem Gespräch entnehmen. Wenn man offen antwortet, dann können sich da sehr positive Debatten entwickeln.

Wie kommt die CDU jetzt wieder von dem Ruf weg, sie wolle Zensur?

Die CDU sollte über ihr Handeln zeigen, dass sie es ernst meint mit Presse- und Meinungsfreiheit. Und sie sollte Kritik als willkommene Rückmeldungen schätzen. Statt sich über Beschwerden zu ärgern, sollte man sie als Chance für Verbesserungen begreifen. Dagegenhalten ist ein Ursprungsinstinkt von Politikern. Das ist vielleicht richtig, wenn sich der politische Gegner äußert. Wenn Bürger mit Kritik kommen, ist das der falsche Weg. Eine gut behandelte Beschwerde ist die beste Werbung für eine Firma.

Von Daniela Vates/RND

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