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Politik Viel Intellekt, wenig Charisma: Schwan und Stegner bewerben sich um SPD-Vorsitz
Nachrichten Politik Viel Intellekt, wenig Charisma: Schwan und Stegner bewerben sich um SPD-Vorsitz
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20:17 14.08.2019
Bewerberduo Ralf Stegner und Gesine Schwan: Viel Intellekt, wenig Charisma. Foto: Rehder/Schindler/dpa Quelle: Rehder/Schindler/dpa
Berlin

Nun also doch: Gesine Schwan und Ralf Stegner bewerben sich zusammen um den SPD-Vorsitz. Eine entsprechende Meldung des Nachrichtenmagazins "Spiegel" wurde dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Kreisen der SPD-Führung am Mittwoch bestätigt. Damit haben bereits vier Paare ihre Bewerbung erklärt, außerdem gibt es mehrere Einzelbewerbungen.

Dass Schwan und Stegner eine gemeinsame Kandidatur sondiert hatten, ist schon seit Längerem bekannt. Bislang hieß es allerdings, die 76-Jährige und der 59-Jährige seien übereingekommen, im Team zu alt zu sein. Nun also haben sie sich umentschieden.

Schwierige Partnersuche

Dabei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass beide in der Zwischenzeit nicht anderweitig fündig geworden sind. Stegner soll bei mehreren jüngeren Sozialdemokratinnen angefragt haben, ob diese für eine Doppelkandidatur an seiner Seite bereitstünden. Offenbar lehnten die Frauen dankend ab.

Schwan wiederum hatte sich bereits im Juni selbst als Kandidatin ins Spiel gebracht und öffentlich über eine Doppelspitze mit Kevin Kühnert räsoniert. Der Juso-Chef soll allerdings ebenfalls kein Interesse gezeigt haben. In der Not tun sich Schwan und Stegner jetzt zusammen.

Es sind zwei intellektuelle Schwergewichte, die da gemeinsam antreten. Parteivize Stegner gilt in der SPD als kluger Kopf und scharfer Analytiker. Seinen Masterabschluss hat er an der US-Elite-Uni Harvard erworben. Später wurde er an der Universität Hamburg mit einer Arbeit über das Theatralische in der US-Politik promoviert. Stegner war Finanz- und Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, außerdem acht Jahre lang Vorsitzender der Landes-SPD. Im Landtag von Kiel ist er seit 2008 Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion.

Gesine Schwan ist derzeit Chefin der SPD-Grundwertekommission. Sie blickt auf eine beeindruckende akademische Karriere zurück. Die Politikwissenschaftlerin lehrte seit den späten 1970er-Jahren als Professorin am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, Anfang der 1990er-Jahre wurde sie dort Dekanin. Später leitete sie neun Jahre lang die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Kluge Köpfe, wenig Charisma

An Intellekt fehlt es dem Duo Stegner/Schwan nicht, wohl aber an Charisma. Sowohl Stegner als auch Schwan gelten nicht gerade als Menschenfänger.

Schwan wurde deutschlandweit bekannt durch ihre erfolglosen Kandidaturen als Bundespräsidentin bei den Wahlen 2004 und 2009. Stegner verlor 2009 als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 13,3 Prozentpunkte und fuhr mit 25,4 Prozent das schlechtestes Ergebnis der Nord-SPD seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein. Bei der vorgezogenen Landtagswahl 2012 wollte er ein weiteres Mal antreten, aber seine Genossen ließen ihn nicht. In einer Mitgliederbefragung über die Spitzenkandidatur votierten sie für den damaligen Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig.

Beim Landesparteitag der schleswig-holsteinischen SPD im März dieses Jahres kandidierte Stegner nicht erneut für den Vorsitz des Landesverbandes. Der Schritt war von vielen Sozialdemokraten als Anfang vom Ende der politischen Karriere des Vaters dreier Söhne interpretiert worden.

Jetzt will es Stegner noch einmal wissen.

Nichts als Spott hat derweil der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak für die Bewerbung von Stegner und Schwan um den SPD-Vorsitz übrig. "Stegner hat nun doch eine Frau gefunden. Wenn beide noch den Kevin adoptieren, könnten wir eine Neuauflage von 'Eine schrecklich nette Familie' aufführen", witzelt Paul Ziemiak auf Twitter. Bei Kevin dürfte es sich um den Juso-Chef Kevin Kühnert handeln.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gefällt sein Tweet derweil ganz und gar nicht. Er meldet sich ebenfalls über Twitter zu Wort und stichelt zurück. "Sehr halbstark, Paul. Verächtlich über Menschen reden, die sich engagieren. Aber wenigstens hört man überhaupt mal wieder was von Dir", kontert er. Das letzte Wort scheint zwischen beiden noch nicht gesprochen zu sein.

Von Andreas Niesmann/RND

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